Keine Sorgen und eine Versuchung

Heute (20 Uhr, Postfinance-Arena) trifft der SC Bern im Viertelfinalhinspiel der Champions Hockey League auf Växjö. Die Schweden kommen als Tabellenführer und mit einem grossen Talent nach Bern: Elias Pettersson.

Schmächtig, aber ungemein talentiert: Der 19 Jahre alte Elias Pettersson ist Topskorer beim heutigen SCB-Gegner Växjö.

Schmächtig, aber ungemein talentiert: Der 19 Jahre alte Elias Pettersson ist Topskorer beim heutigen SCB-Gegner Växjö.

(Bild: SantiagoFelipe.com / zvg)

Reto Kirchhofer@rek_81

Ein gewiefter Eishockeytrainer verhält sich oftmals antizyklisch. Nach Erfolgen schlüpft er in die Rolle des Mahners und Relativierers, damit ja kein Spieler Bodenhaftung und Fokus verliert. Und ausgerechnet dann, wenn auf dem Eis Unordnung herrscht, zeigt er sich in aufgeräumter Stimmung. Das Selbstvertrauen gilt es zu bewahren, wenn Misserfolg dieses zu entziehen droht.

Kari Jalonen ist ein gewiefter Eishockeytrainer, aber kein Mann der Extreme. Auch der Finne bespielt ab und an die Klaviatur der Psychologie, hält die Dynamik jedoch in Grenzen. Er pendelt selten zwischen pianopianissimo und fortefortissimo. Eher: zwischen mezzopiano und mezzoforte.

Nun sieht sich Jalonen als Trainer des SC Bern zum ersten Mal mit der Ausgangslage konfrontiert, dass sein Team dreimal in Folge verloren hat. Und was macht der Finne? Er gibt sich nach der unliebsamen Premiere gesprächig, lacht und sagt, es gebe keinen Grund zur Sorge. Natürlich weiss auch er, vor allem er: Solche Leistungen wie zuletzt werden am Dienstag nicht genügen, nicht in der Champions Hockey League, nicht im Viertelfinal, nicht gegen die Växjö Lakers.

Bruder Leichtfuss und alte Bekannte

Der Vergleich zweier Tabellenführer ist höchst interessant und für die Berner Abwechslung sowie Herausforderung zugleich. In der Meisterschaft ist ihr Vorsprung derart gross, dass im Schatten der SCB-Spieler seit geraumer Zeit Bruder Leichtfuss sanft übers Eis gleitet. Zuletzt gab der Meister gegen Langnau und Biel eine Dreitoreführung preis. Eine Steigerung ist unabdingbar, selbst wenn Jalonen letzte Woche «in drei Partien nur zwei schlechte Drittel» gesehen hat.

Mit Teams aus Schweden bekundet der SCB generell Mühe. Unter Jalonens Ägide sind die Berner aber noch nie gegen eine schwedische Auswahl angetreten. Der Finne lobt den Gegner, verweist auf dessen Qualität im ­Kader.

Sieben Ausländer sind bei Växjö engagiert und in Meisterschaft sowie Champions Hockey League ohne Einschränkung spielberechtigt. Jalonen sagt: «Växjö spielt schnell, ist gut strukturiert, hat einen starken Goalie und grosse, kräftige Verteidiger.

Es wird entscheidend sein, dass wir physisch dagegenhalten.» Demnach sind die Lakers quasi eine Miniausgabe der schwedischen Weltmeisterauswahl vom Frühling. Zum Bild passt, dass Växjös Torhüter Viktor Fasth beim Titelgewinn hinter Henrik Lundqvist die Nummer zwei war.

Schweizerseits bekannt ist ein Trio: Der Finne Janne Pesonen spielte im Vorjahr für Ambri; er ist zurzeit verletzt. Der Kanadier Brendan Shinnimin gab letzte Saison ein Gastspiel in Langnau (12 Partien, 9 Punkte). In Växjö fällt er vor allem mit Strafen auf. In dieser Statistik wird Shinnimin nur von Daniel Rahimi übertrumpft, dem rustikalen Schweden mit iranischen Wurzeln und Vergangenheit in Davos.

Die Aufmerksamkeit gehört dem Topskorer

Und dann wäre da noch Elias Pettersson. Der 19 Jahre alte Angreifer gilt als eine der aufregendsten Versuchungen im europäischen Eishockey. Im Sommer wurde er im NHL-Draft von Vancouver an fünfter Stelle gezogen, vier Positionen hinter Nico Hischier.

Und nun ist der schmächtige Pettersson in seiner ersten Saison in der höchsten schwedischen Liga mit 31 Punkten bereits Topskorer. Die Canucks möchten das Talent bereits im Sommer nach Übersee holen. In Växjö hoffen die Verantwortlichen, Pettersson werde mindestens zwei seiner drei Vertragsjahre erfüllen.

Und so steht die Causa Pettersson in Schweden dieser Tage im Fokus, was den Lakers vielleicht nicht einmal ungelegen kommt. Sie sind zwar Leader, haben aber zuletzt zweimal verloren. Doch Trainer Sam Hallam liess gegenüber der lokalen Zeitung «Smålandsposten» verlauten, er mache sich keine Sorgen.

Berner Zeitung

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