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Krampf auf, Spektakel neben dem Eis

Der EHC Biel stellt am Samstagmorgen Mike McNamara frei und bezwingt am Abend die SCL Tigers 2:1 nach Penaltyschiessen. Nun dreht sich das Kandidatenkarussell im Seeland, mit zwei Berner Meistertrainern als Protagonisten.

Martin Steinegger.
Martin Steinegger.
Keystone

Es ist eines dieser Spiele, die den Zuschauer mindestens so viele Nerven kosten wie den Direktbeteiligten. Mangelnden Einsatz kann man weder den SCL Tigers noch dem EHC Biel vorwerfen. Doch beide Seiten offenbaren an diesem Abend ihre Defizite. Und so liegt es an den mit Abstand besten Spielern auf dem Feld – den Torhütern Jonas Hiller und Ivars Punnenovs –, dass die Partie im Penaltyschiessen entschieden werden muss. Biel gewinnt schliesslich 2:1, aber dieses Resultat ist angesichts der Geschehnisse in den Stunden zuvor nur von geringem Interesse.

«Unsere Einstellung war entscheidend», sagt Martin Steinegger. Der Bieler Sportchef coachte die Mannschaft zum Sieg, nachdem er am Morgen Mike McNamara hatte absetzen müssen. Es ist nicht ganz frei von Ironie, ging dessen Zeit als Headcoach ausgerechnet nach der 0:3-Niederlage am Freitag gegen Kloten zu Ende. Gegen jenes Kloten, das nun von Kevin Schläpfer betreut wird.

McNamara hatte den Bieler Langzeittrainer vor einem Jahr abgelöst und Biel in die Playoffs geführt. Doch nun wiederholte sich das Szenario, das bereits Schläpfer zum Verhängnis geworden war. Nach einem starken Saisonstart stürzte der EHC Biel regelrecht ab. Die Defensive hinterlässt seit Wochen einen haarsträubenden Eindruck, vor Wochenfrist verlor deswegen Hiller seine Nerven; der Goalie zertrümmerte nach einem Fauxpas seiner Vorderleute den Stock am Gehäuse – während das Spiel gegen Zug weiterlief. Es war ein überdeutliches Zeichen, dass beim EHCB vieles im Argen liegt.

Nach einem weiteren blutleeren Auftritt zog der Verwaltungsrat schliesslich die Reissleine, entschied sich einstimmig für die Absetzung McNamaras. Wobei Daniel Villard betont: «Die Mannschaft hat versagt, nicht der Coach.» Der Manager sagt, dass es zuletzt in der Garderobe «passiv gewisse Gräben gegeben hat». Doch weil McNamara seines Know-hows und der Passion für das Eishockey wegen geschätzt wird – er hat in den letzten Jahren in der Nachwuchsabteilung hervorragende Arbeit geleistet –, strebt Biel eine Weiterverpflichtung des 68-Jährigen an.

Gewiss ist erst die Hälfte der Meisterschaft vorbei. Und doch trennt sich in der National League bereits die Spreu vom Weizen. Wer in die Playoffs will, kann sich keine längere Baisse erlauben. Zwischen den Plätzen 7 (Biel) und 11 (Lausanne) liegen lediglich fünf Zähler. Deshalb reagierten die Bieler Klubverantwortlichen in der Hoffnung, mit dieser Massnahme das Saisonziel Playoffs zu erreichen. Bekanntlich möchten auch die SCL Tigers wieder einmal am Meisterrennen teilnehmen. Und mit einem Sieg im Derby hätten sie sich auf einen Playoff-Platz hieven können.

Doch auch in Langnau wieder­holen sich Szenarien: Immer wenn sich den Tigern eine günstige Gelegenheit bietet, patzen sie. «In den entscheidenden Situationen mangelt es uns an Entschlossenheit», sagt Coach Heinz Ehlers und erwähnt als Beispiel das Powerplay – das schlechteste der Liga. Gleichwohl mag der Däne nach dem nervenaufreibenden Spiel nicht hadern, demonstrativ lobt er den Einsatz seiner Spieler.

Ehlers geniesst in Biel viele Sympathien. Er führte den EHCB 2008 zurück in die NLA, wohnt in der Stadt und pflegt nach wie vor gute Beziehungen zu den Klubverantwortlichen. Doch Ehlers ist kein Kandidat für die Nachfolge McNamaras. An Bewerbern indes mangelt es nicht. Sein Mailpostfach sei am Samstagnachmittag schon beinahe lahmgelegt worden, meint Steinegger. Und so nimmt das Kandidatenkarussell Fahrt auf. Wobei einige prominente Interessenten bereits ab­geworfen wurden, etwa Larry Huras, Doug Shedden und John Fust.

«Wir wollen keinen Trainer, der schon überall gearbeitet hat», sagt Manager Villard. Und weil die Bieler keine längere Interimslösung mit Steinegger, sondern zeitnah einen Trainer präsentieren möchten, fällt auch Ajoies Gary Sheehan weg. Somit richtet sich das Augenmerk auf zwei SCB-Meistertrainer: Antti Törmänen und Lars Leuenberger. Ersterer wurde im Frühling bei IFK Helsinki durch Ari-Pekka Selin ersetzt, arbeitet seither für das finnische Fernsehen als Experte. Die Kontakte in die Schweiz sind nie abgebrochen, so sprach er zuletzt auch mit Steinegger, allerdings eher über Biels Pläne für die kommende Saison.

Törmänen ist ein Kandidat, dürfte aber eher mit einem Engagement in der Heimat liebäugeln. Leuenberger stand bekanntlich letztes Jahr kurz davor, Biel-Trainer zu werden. Letztlich scheiterte das Engagement am Veto des Verwaltungsratspräsidenten Andreas Blank – der nicht mehr im Amt ist. Nun steht Leuenberger beim SCB als Chefscout und Sportstratege unter Vertrag. Nach den vielen Enttäuschungen im letzten Jahr dürfte er den Spatz in der Hand der Taube auf dem Dach vorziehen. Was aber, sollte Biel ihn konkret anfragen? «Mir gefällt es in Bern. Punkt.»

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