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Lausannes Ekstase, Langnauer Weh

Die Waadtländer erreichen erstmals überhaupt die Halbfinals. Beim 8:1 gegen die SCL Tigers läuft nichts für die Gäste.

Enttäuschung prägt die Gesichter von Langnaus Spieler.
Enttäuschung prägt die Gesichter von Langnaus Spieler.
Keystone

Wer nicht gerade Lausanne-Fan ist, muss schon ein Herz aus Stein haben, um nicht irgendwann in diesem letzten Viertelfinalspiel jene Regung zu verspüren, die im Sport so verpönt ist wie kaum eine andere: Mitleid.

Vielleicht noch nicht, als Jeffrey und Kenins im Startdrittel innert 101 Sekunden zwei Tore vorlegen. Obschon die Art und Weise, wie die Langnauer beim 0:1 erstmals in diesem Playoff einen Shorthander zulassen, schon sehr unglücklich ist. Als die Emmentaler ihrerseits einen Mann weniger auf dem Eis haben, fällt das 0:2. Es läuft die zehnte Minute, das Halleprovisorium bebt, und der Schwung, mit dem die Emmentaler dieser Serie zuvor neues Leben eingehaucht haben, ist weg. Doch das Leiden der Tigers hat erst ­begonnen.

Da ist Emmerton, der von ­Huguenin nicht gestoppt werden kann (30.) und den nächsten Doppelschlag einleitet, diesmal innerhalb von 67 Sekunden. Ohne im Geringsten dominiert zu werden, haben die Langnauer die Partie schon verloren. Regt sich Mitleid. Als vor der zweiten Pause auch noch das 0:5 und das 0:6 fallen, ­jubeln selbst die Einheimischen eher aus Erleichterung.

Die Topskorer gehen vorzeitig

Sogar Tigers-Trainer Heinz Ehlers zeigt Erbarmen – mit Goalie Ciaccio, den er für die letzten 20 Playoff-Minuten durch Viktor Östlund ersetzt, der mit 24 zum zweiten National-League-Einsatz kommt. Auch DiDomenico, zuvor in ein Techtelmechtel mit Junland involviert, sieht man nach dem zweiten Drittel nicht mehr auf dem Eis. Auf der anderen Seite schont auch Lausanne-Coach Ville Peltonen seinen Topskorer. Er braucht Jeffrey ja nicht mehr – bis zum Halbfinal gegen Zug.

So endet die erste Playoff-Serie, die der Lausanne HC in der höchsten Liga für sich entscheidet, mit einem Kantersieg. 8:1 steht am Ende auf dem Videowürfel, doch das dürfte den Waadtländern ebenso egal sein wie der Umstand, dass sie es nach drei Siegen aus den ersten vier Spielen noch einmal knapp werden liessen. Der LHC steht erstmals in den Halbfinals und feiert Standing Ovations und im Licht von Hunderten Handys den grössten Erfolg der Clubgeschichte. ­Genau so hatte sich das der US-Investor und Präsident Ken Stickney wohl vorgestellt, als er den Club vor drei Jahren übernahm.

Schon bevor sie im Herbst ihre neue, über 200 Millionen Franken teure Arena beziehen, erleben sie am Lac Léman ihr grösstes Hockeyfest. Und es muss ja noch lange nicht zu Ende sein.

Für die Tigers dagegen ist das Ende bitter. Erst krönen sie die starke Qualifikation mit dem zweiten Playoff ihrer Geschichte, Dann erzwingen sie mit einem nicht mehr für möglich gehaltenen Aufbäumen dieses Entscheidungsspiel. Und am Ende bringen sie sich mit Eigenfehlern, Pech und einem deprimierenden 1:8 um einen noch grösseren Erfolg. Die Prügelei zwischen Glauser und Lausannes Grossmann bleibt als letztes Lebenszeichen in Erinnerung. Dass auch sie verloren geht, passt zu diesem missglückten Finale einer grossen Langnauer Saison.

Und doch kann an diesem Abend noch ein Dorfclub feiern: Ambri erreichte als bestklassierter Ausgeschiedener die Champions League. «Wir spielen in der Valascia», gelobt Präsident Filippo Lombardi.

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