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Rambo, nasse Füsse und eine Wunderheilung

Neben den finnischen Trainern trugen etliche Helfer ihren Teil zum Erfolg der SCB-Meistermannschaft bei. Die Mitglieder des Staffs haben in ihren Erinnerungen gekramt und Anekdoten erzählt.

Dominique Koch (links), Daniel Moser, Klaus Schweingruber, Frank Kehrli, Jürg Kumli, Roland Fuchs, Heinz Leu, Thomas Fuhrimann und Dominique Nyffenegger.
Dominique Koch (links), Daniel Moser, Klaus Schweingruber, Frank Kehrli, Jürg Kumli, Roland Fuchs, Heinz Leu, Thomas Fuhrimann und Dominique Nyffenegger.
Christian Pfander
Martin Schär (links), Nils Zimmerli, Reto Wegmülller.
Martin Schär (links), Nils Zimmerli, Reto Wegmülller.
Christian Pfander
SCB-Busfahrer Hans Feissli.
SCB-Busfahrer Hans Feissli.
Christian Pfander
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Hans Feissli (56-jährig, Carchauffeur, seit 2007 beim SCB): «Das Timing bei der Ankunftszeit ist zum Teil schwierig, gerade bei Fahrten nach Genf. Montags bis mittwochs ist der Verkehr anders als gegen Ende Woche – normalerweise kein Problem, deshalb schlug ich an einem Dienstag eine etwas spätere Abfahrtszeit vor. Doch Kari Jalonen bestand darauf, eine Viertelstunde früher zu starten. Weil wir zügig vorwärtsgekommen waren, hielt ich bei der Raststätte La Côte für eine kurze Pause an. Die Spieler gingen an den Kiosk, die Coachs blieben draussen. Der Zufall wollte es, dass man das Alpenpanorama herrlich sah. Kari zückte sein Handy und knipste strahlend Bilder vom Mont Blanc. Und die anderen Finnen taten es ihm gleich.»

Roland Fuchs (53, Konditionstrainer, seit 2012 beim SCB): «Es ist jedesmal das gleiche Lied: Zu Beginn des Playoff wünschen mir die Spieler schöne Ferien. Dabei gehe ich jeweils mit den Schwingern, die ich betreue, nach Gran Canaria, wo wir wirklich sehr hart trainieren. Ich erkläre mich seit Jahren – ohne Erfolg. Denn wenn ich zurückkehre, werde ich mit den Worten ‹Salut Ferienstratege› begrüsst. Meine Abwesenheit während der Viertelfinalserie ist verkraftbar, denn wenn das Playoff beginnt, ist die Arbeit gemacht. Dann bin ich nur noch dazu da, beim Regenerieren zu helfen und mit den Verletzten zu arbeiten.»

Thomas Fuhrimann (55, Statistiker, seit 2013 beim SCB): «Meine erste Saison war eine Hardcore-Erfahrung, denn der SCB verpasste als Meister das Playoff. Ungewöhnlich war, dass es gleich zwei Trainerwechsel gab. Zuerst war Antti Törmänen im Amt. Als der Finne entlassen worden war, übernahm Lars Leuenberger. Der erste Match unter dessen Leitung fand in Freiburg statt. Laser war auf der Hinfahrt kreidebleich. Wir dachten zuerst, die Nerven würden ihm einen Streich spielen. Doch dem war nicht so: Seine Familie war erkrankt, und er hatte sich offensichtlich angesteckt. Jedenfalls stand er trotz einer Magen-Darm-Grippe an der Bande. Später wurde dann Laser noch von Guy Boucher abgelöst, doch in dieser verflixten Saison nützte alles nichts.»

Frank Kehrli (58, Materialchef, seit 2003 beim SCB):«Mein heikelster Fall betraf Marco Bührer. Einmal fiel während eines wichtigen Matchs eine Schraube aus einem seiner Schlittschuhe. Wenn der Goalie ein technisches Problem hat, musst du die Reparatur innert einer halben Minute vornehmen können, sonst muss der Torhüter ausgewechselt werden. Ich hatte keine Chance, innert nützlicher Frist eine passende Schraube aufzutreiben. Ich ging aufs Feld und fand tatsächlich die verlorene Schraube im Schnee auf dem Eis. Ich drehte sie wieder in den Schuh, Bührer konnte weitermachen. Hätte ich sie nicht gefunden, hätte Bührer zumindest den Rest des laufenden Drittels verpasst.»

Dominique Koch (38, Physiotherapeut, seit 2017 beim SCB): «Während des Playoffs muss man zusätzliche Portionen an Riegeln, Gelen und anderen Supplementen an die Auswärtsspiele mitnehmen. Meine Kollegen nahmen mich in der letzten Saison stets auf den Arm, weil sie glaubten, ich würde eindeutig zu viel einpacken. Es ist tatsächlich so, dass wir die Tasche jeweils kaum noch tragen können. Doch in diesem Playoff mit den vielen Verlängerungen war es mehrmals nötig, viele Nahrungsmittel dabei zu haben. In einer zusätzlichen Pause gehen rund zehn Energieriegel weg. Jeder Spieler hat andere Vorlieben. Wir haben vier Gele und über zehn verschiedene Riegel – da kann man sich leicht vorstellen, welche Mengen da zusammenkommen.»

Jürg Kumli (58, Statistiker, seit 1983 beim SCB): «Ich amtete in der Anfangszeit als Materialverwalter und begleitete das Team, das damals noch in der NLB spielte, nach Vierumäki ins Trainingslager. Dort bekam jeder Betreuer als Begrüssungsgeschenk ein grosses finnisches Papiermesser. Für mich war es die erste Flugreise überhaupt. Also steckte ich das Messer ins Handgepäck. Am Flughafen in Helsinki wurde ich bei der Sicherheitskontrolle prompt rausgepickt. In einem kleinen Raum wurde mein Gepäck durchsucht und logischerweise das Messer gefunden. Die Spieler hatten an meinem Missgeschick natürlich ihre helle Freude. Weil damals die ‹Rambo›-Filme in Mode waren und das Messer ähnlich aussah wie jenes, das Silvester Stallone verwendete, ging ich als Rambo in die SCB-Geschichte ein. Der ‹Hegu› wurde mir übrigens in Kloten wieder ausgehändigt – ich habe ihn heute noch, genau wie den Übernamen.»

Heinz Leu (54, Statistiker, seit 2002 beim SCB): «Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Tag des Meistertitels 2004. Es war ein Ostermontag, das Material wurde mit dem Car transportiert, aber das Team und die Betreuer flogen wegen des Verkehrs von Belp aus ins Tessin. Am Flughafen in Agno wurden wir abgeholt und nach Lugano chauffiert, wo es Kaffee und Kuchen gab. Noch spezieller war die Rückfahrt nach der Meisterfeier. Luca Cereda hatte Verpflegungsnachschub organisiert, also verliessen wir in Ambri die Autobahn. Dort wurden wir mit einem Banner begrüsst, auf dem stand: ‹Grazie Berna›. Die Ambri-Fans dankten uns so dafür, dass wir den Titel des HC Lugano verhindert hatten.»

Daniel Moser (49, Materialchef-Assistent, seit 2016 beim SCB): «Auf der Champions-League-Reise im vergangenen August flogen wir von Växjö nach Cardiff. Von aussen sah das Stadion wunderbar aus, aber die Garderobe war, ich kann es nicht anders beschreiben, ein Loch. Zum Teil fehlten sogar die Kleiderhaken. Als er die Garderobe sah, sagte Kari Jalonen sofort das Training ab. Wir liehen beim Materialchef von Cardiff einen Ventilator aus, um die vom Vorabend noch feuchten Trikots zu trocknen. Doch dann entdeckten wir die gefährlichen Kabel und verwarfen diese Idee wieder. Letztlich trockneten wir die Shirts auf dem Parkplatz, während wir mit den Physiotherapeuten picknickten.»

Dominique Nyffenegger (31, Physiotherapeut, seit 2016 beim SCB): «Vor dem Match gehen wir jeweils für eine Getränkerunde bei den Spielern vorbei. Es passierte in Ambri, wo die Platzverhältnisse bekanntlich ziemlich eng sind. Ich griff nach dem grossen Getränkebidon, obwohl mir Materialchef Fräne Kehrli im Weg war. Beim Versuch, an ihm vorbeizukommen, dreht sich der Hebel, worauf das Getränk herauslief – auf die Füsse von Fräne. Für die anderen war es ein sehr lustiger Moment, aber Fräne hatte während des ganzen Matchs nasse Füsse. Zum Glück war es damals nicht allzu kalt, sonst wären seine Zehen wohl eingefroren.»

Martin Schär (64, Teamarzt, seit 1991 beim SCB): «Im siebten Spiel des Playoff-Finals 2010 gegen Servette knickte Travis Roche um und kam vor Schmerz schreiend vom Eis. Als ich mit ihm ins Sanitätszimmer ging, sah ich die Panik in seinen Augen. Er hatte grosse Angst, den Schlittschuh auszuziehen, weil er befürchtete, es käme ein Blutklumpen und ein zerfetzter Vorfuss zum Vorschein. Wir entfernten den Schlittschuh mit aller Vorsicht gemeinsam, und dann kam das Aha-Erlebnis: Die Schmerzen waren weg. Es hatte sich eine Niete durch die Polsterung und in den grossen Zeh gebohrt und so den Verteidiger quasi invalidisiert. Die Wunderheilung gelang, indem Roche ein neues Paar Schlittschuhe verwendete. Zu diesem Zeitpunkt stand es 1:0 für die Genfer. Als Roche zurückkehrte, ging ein Ruck durch die Mannschaft. Der Rest ist Geschichte.»

Klaus Schweingruber (79, Videomann, seit 1974 beim SCB): «Der finnische Coach Hannu Jortikka sagte zu mir: ‹Ich kann nicht so lange Video schauen. Kannst du mir fünf Minuten rauskopieren?› Also ging ich nach jedem Match nach Hause und schnitt die wichtigsten Szenen, vor allem Tore und Strafen, zusammen. Das war im VHS-Zeitalter eine grosse Büez, für die ich zwei Videorecorder benötigte. Hatten wir in Lugano gespielt, blieb kaum Zeit fürs Schlafen, denn ich musste um 7 Uhr mit Arbeiten anfangen. In der Znünipause brachte ich das Band jeweils im Stadion vorbei, denn Jortikka wollte die Aufnahmen um 10 Uhr haben. Einmal konnte ich keine Pause machen und lieferte die Kassette erst um 12 Uhr ab. Da sagte Jortikka zu mir: ‹Wenn ich die Kassette um 10 Uhr nicht bekomme, kann ich dich nicht gebrauchen.› Als ich ihm erklärt hatte, dass ich einen Job hatte, hielt der Finne erstaunt fest: ‹Aha, du bist nicht Profi!›»

Reto Wegmüller (38, Carchauffeur, seit 2006 beim SCB): «Kari Jalonen hat die Vorbereitung präzis durchgeplant, daher verlangt er von uns, dass wir zwischen 2:15 und 2 Stunden vor Matchbeginn im gegnerischen Stadion eintreffen. Ein Zeitfenster von 15 Minuten ist knapp, gerade bei den unberechenbaren Verkehrsverhältnissen rund um Zürich oder im Raum Genf. In der Saison 2017/2018 erreichte ich Kloten, ohne in den geringsten Stau geraten zu sein, war also zu früh dran. Um Zeit totzuschlagen und die Vorgabe einzuhalten, machte ich eine Zusatzschlaufe zum Flughafen. Das führte zu lustigen Reaktionen: Weil der SCB-Car zwischen Flughafen und Schluefweg gesehen worden war, machte das Gerücht die Runde, die Mannschaft sei von Belp nach Kloten geflogen.»

Nils Zimmerli (33, Physiotherapeut, seit 2014 beim SCB): «Aberglaube ist im Eishockey ein grosses Thema; viele Spieler pflegen vor einem Match Rituale. Marc Reichert zum Beispiel kam immer in den Physioraum, er benötigte allerdings meistens keine Behandlung, sondern nur einen Stuhl. Er wollte mit uns, auf Berndeutsch gesagt, «eifach ä chli dumm schnurre». Gerade im Playoff will jeder Spieler seine Spezialbehandlung, da absolvieren wir einen Marathon. Martin Plüss bereitete uns gegen Ende der Karriere speziell viel Arbeit, weil er in den Schlittschuhen diverse Druckstellen verspürte. Wir versuchten daher, mit einem Tape und Gel-Pads den Druck zu verteilen. Das Motto lautete: ‹Basteln mit Plüssi.›»

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