SCB: Drei Tore für einen Kantersieg

Erstmals endet ein Viertelfinalspiel zwischen dem SC Bern und Lausanne mit einem klaren Sieger: Der SCB gewinnt die fünfte Begegnung 3:0 und kann sich am Donnerstag mit einem weiteren Erfolg die Halbfinalteilnahme sichern.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Im Prinzip ist es die Serie der engen Räume, der seltenen Fehler, der wenigen Tore. Am Dienstag aber gab es viel freies Eis, etliche Fehler (auf Seiten Lausannes) und drei Tore (für Bern). Am Ursprung des 3:0-Erfolgs stand eine Überraschung: In Überzahl brachte Verteidiger Philippe Furrer aus spitzem Winkel den Puck aufs Tor. Lausannes Goalie Cristobal Huet hatte mit einem Pass gerechnet und liess sich von der Hereingabe düpieren. «Auch ich war überrascht», gestand Furrer nach Spielende. Der SCB gab den Vorsprung nicht mehr aus den Handschuhen und kann am Donnerstag mit einem weiteren Erfolg die Halbfinals erreichen.

In jeder Hinsicht besser

Furrers Treffer war nicht nur deshalb von grosser Bedeutung, weil im Viertelfinal zwischen diesen zwei Teams die Tore rares Gut sind. Gestern waren die Kräfteverhältnisse eindeutig verteilt: Das Heimteam agierte überlegen, erspielte sich etliche Möglichkeiten, derweil die Gäste in Passivität verfielen und kaum einmal in die SCB-Zone vordringen konnten. Unter diesen Voraussetzungen wog die Last des Rückstands für die Waadtländer noch ein Stück schwerer. Aller Vorteile zum Trotz: Die Berner hatten sich den ersten Treffer hart erarbeiten müssen. Sie dominierten die neutrale Zone, machten kaum Fehler, waren läuferisch jederzeit auf der Höhe, variierten das Forechecking geschickt, gewannen mit viel Einsatz das Gros der Zweikämpfe. Einzig bei der Effizienz mussten sie sich Abstriche gefallen lassen. Lausanne gelang es derweil erst nach 12 Minuten, sich für einen Moment mit sämtlichen fünf Feldspielern im Berner Drittel festzusetzen.

Im Mittelabschnitt wurde die Dominanz des Qualifikationszweiten noch deutlicher. Und als Martin Plüss früh im dritten Drittel nach Assists der starken Flügel Tristan Scherwey und Jesse Joensuu erfolgreich zum 2:0 nachstocherte, schien die Partie entschieden. Zu stilsicher hatten der SCB generell und Torhüter Marco Bührer speziell zuvor agiert, zu harmlos die Gäste.

Fürs Spektakel sorgen andere

«Unsere Leistung war ähnlich gut wie jene im letzten Heimspiel. Nur haben wir dieses Mal die Tore erzielt», sagte Furrer. Den Bernern kam entgegen, dass Lausanne nach dem 0:2 erstmals gezwungen war, seine Réduit-Taktik aufzugeben. Fortan verlief die Partie natürlich gar nicht mehr nach dem Gusto von Trainer Heinz Ehlers. Der Däne versucht quasi als Einziger in dieser Serie, mit Worten etwas Öl ins Playoff-Feuer zu giessen. So tat er auch gestern vor dem Spiel sein Erstaunen über die «defensive, passive Spielweise des grossen SCB» medienwirksam kund. Die Provokation hat ihre Wirkung bis dato verfehlt, weil sich die Berner weder auf noch neben dem Eis aus der Reserve locken lassen.

Fürs Spektakel – auch auf den Nebenschauplätzen – sind dieser Viertelfinal-Tage andere Protagonisten verantwortlich: Servettes Zampano Chris McSorley etwa nimmt es vor dem Einzelrichter mit der Wahrheit nicht so genau, ZSC-Coach Marc Crawford macht den Seeländer Hauptort (Biel) zum Zentrum der amerikanischen Filmindustrie (Hollywood), Davos-Stürmer Dick Axelsson twittert mit Begeisterung, über Nacht bei Sportwetten 140000 Franken gewonnen zu haben, derweil Arno Del Curtos Sohn in seinem Mercedes den Teambus des Gegners EV Zug ausgebremst haben soll. Es ist also fast wohltuend, dreht sich bei Bern - Lausanne fast alles «nur» um Eishockey.

Immerhin: Mit der Halbfinalteilnahme könnten die SCB-Spieler ihr Sparkonto auch ohne Sportwetten äufnen, weil sie dannzumal an den Zuschauereinnahmen partizipieren würden. Der Gewinn des Meistertitels würde auch für etwas Hollywood-Glamour sorgen. Und der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass Guy Bouchers Sohn Jahrgang 2002 hat – für ihn ist das Autofahren noch weit weg.

Berner Zeitung

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