SCB: Im Schlafwagen gegen schnelle Zuger

Die schöne Serie ist beendet. Nach neun Siegen in Folge bezieht der SC Bern wieder einmal eine Niederlage; er verliert in Zug nach schwacher Leistung 1:3.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Eine Szene sagt eigentlich alles aus. Als SCB-Trainer Guy Boucher nach der Partie gegen den EV Zug mit den Worten «Guten Abend» begrüsst wird, erwidert der Kanadier: «Nein, Abend ist passender. Denn gut war er auf keinen Fall.»

Die Berner verloren in Zug 1:3, nachdem sie zuvor wettbewerbsübergreifend neunmal in Folge reüssiert hatten. «Du kriegst, was du verdienst. Wir waren in jedem Drittel schlechter als der Gegner, also haben wir diese Niederlage verdient», sagte Boucher. Dabei waren die Zuger in der Bossard-Arena ein durchaus grosszügiger Gastgeber gewesen. Sie liessen die Berner immer wieder in die Partie zurückkehren und während der Pause erst noch Musik der Band Patent Ochsner spielen – deren Sänger Büne Huber ist bekennender SCB-Fan. Doch die Berner waren nicht in Nehmerlaune.

Vom Selbstbewusstsein eines Seriensiegers war nichts (mehr) zu sehen – und wenn, äusserte sich dieses in einer Prise Nonchalance. Bouchers Akteure offenbarten etliche Konzentrationsmängel, die am Ursprung vieler Fehler standen. Auf den frühen Rückstand durch Josh Holden vermochte Bern noch zu reagieren, verzeichnete in der Folge gar mehr Abschlüsse, Zug aber die besseren Chancen.

Die Innerschweizer waren stets einen Tick schneller, präsenter, überliefen die zuweilen pomadig agierenden Gäste ein ums andere Mal. «Wir sind eingeschlafen», konstatierte Boucher und schüttelte den Kopf. Um seine Schützlinge vom Schlafwagen doch noch in den Schnellzug zu befördern, zog der Kanadier bereits in der 26. Minute die Notbremse und nahm sein Timeout. Die Aufforderung blieb ohne Wirkung, stattdessen agierte Zug in der Folge noch dominanter.

Mängel beim Backchecking

Als Robin Grossmann von Ryan Gardner touchiert worden und in die Bande geflogen war, trat Tim Ramholt als Rächer auf. Dies führte zu vielen Strafminuten und mehr Platz auf dem Eis. Und diesen nutzte jene Equipe, die schlicht mehr investierte. Verteidiger Santeri Alatalo kam freistehend vor Marco Bührer zum Abschluss und traf zum 2:1. Der SCB konnte sich beim starken Keeper bedanken, dass es trotz 12:4 Schüssen für das Heimteam bis zur zweiten Pause beim Minimalrückstand blieb.

Lino Martschini sorgte in der 54. Minute für die Entscheidung; wie beim zweiten Gegentor hatten die Berner beim Backchecking versagt. «Wer nicht in beide Richtungen arbeitet, wird bestraft», sagte Boucher. Der Trainer war so wütend wie vielleicht noch nie in dieser Spielzeit unmittelbar nach einer Begegnung. Und er wählte deutliche Worte: «Die Wasserflaschen sind halb voll, kein Spieler ist beim Physiotherapeuten in Behandlung – das sagt einiges über den Einsatz meiner Spieler aus.»

Am Samstag bietet sich dem Tabellenvierten sogleich die Chance zur Korrektur: Der SCB empfängt den Leader Davos. Vor der Partie wird Ivo Rüthemann – er hatte während seiner Profizeit einzig für die Bündner und die Berner gespielt – verabschiedet und geehrt. Bouchers im Unmut geäusserten Worte treffen gewiss auch auf Rüthemanns Ehrung zu: Er kriegt, was er verdient.

Berner Zeitung

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