SCL Tigers: Kopf runter, Kopf hoch

Lausanne führt die SCL Tigers in der «Belle» mit 8:1 vor und qualifiziert sich erstmals für einen Playoff-Halbfinal. Es ist ein mieses Ende einer hervorragenden Langnauer Saison.

Die SCL Tigers sind bedient: Harri Pesonen, Alexei Dostoinov und Samuel Erni (von links) blicken ins Leere.

Die SCL Tigers sind bedient: Harri Pesonen, Alexei Dostoinov und Samuel Erni (von links) blicken ins Leere.

(Bild: Pascal Muller (freshfocus))

Marco Oppliger@BernerZeitung

Es sind die Schlussminuten angebrochen im Lausanner Provisorium, längst liegt sich alles, was Rot-Weiss trägt, in den Armen. «Ce soir on vous met le feu», singen die Fans. Früher entzündeten sie zu dieser wunderschönen Siegeshymne jeweils die Feuerzeuge. Doch es passt, dass in diesem Stadion, das sich Malley 2.0 nennt, die Fans auf 2.0-Art jubeln. Feuerzeuge sind kaum noch zu sehen, dafür Hunderte leuchtender Smartphones.

Das Feuer, es hat an diesem Abend bei den SCL Tigers nie gebrannt. 1:8 unterliegen sie Lausanne. Die mit so viel Spannung erwartete «Belle» wird zum Waadtländer Schaulaufen. Und so sind es nicht die SCL Tigers, sondern der LHC, der Geschichte schreibt und sich erstmals für einen Playoff-Halbfinal qualifiziert. «Wir haben eine riesengrosse Chance verpasst», sagt Pascal Berger mit leerem Blick. «Ich bin überzeugt: Für uns wäre mehr möglich gewesen, wir hätten mehr verdient gehabt.»

Ehlers’ Enttäuschung

Was wurden nicht alles für Szenarien diskutiert vor diesem 7. Spiel? Klar schien lediglich: Der Druck wiegt vor allem auf den Schultern der Lausanner. Weil sie eine 3:1-Führung aus der Hand gaben. Und weil ein Out im Viertelfinal gegen die SCL Tigers nach dem Verpassen des Playoff im Vorjahr den nordamerikanischen Investoren kaum gefallen würde.

Doch Nervosität lässt sich das Ensemble von Ville Peltonen kaum anmerken, derweil die SCL Tigers nicht annähernd mit jener Intensität und Entschlossenheit zu Werke gehen, die in den Spielen 5 und 6 zum Erfolg führten. Den Weg in das Langnauer Debakel ebnet Anthony Huguenin, der im Powerplay die Scheibe verliert und so Dustin Jeffrey den Shorthander ermöglicht. Das 0:2 kassieren die Gäste in Unterzahl, nachdem sich Benjamin Neukom zu einer Attacke gegen Jeffrey hat hinreissen lassen. Von diesem frühen Dämpfer können sich die Gäste nicht mehr erholen.

«Es war von der ersten Sekunde an der Wurm drin. Gewiss waren wir nervös, aber ich hatte das Gefühl, dass Lausanne mehr unter Druck steht», sagt Berger. «Aber bei ihnen ist der Funke gesprungen.» Heinz Ehlers spricht derweil von fehlender Spritzigkeit und zu wenig Spielintelligenz.

Die engen Platzverhältnisse im Provisorium machen es möglich, dass Dutzende Lausanne-Fans an ihm vorbeilaufen, während er den Medienvertretern Red und Antwort steht. Es sagt viel über die Arbeit Ehlers’ aus, ist aus der Menge doch mehrmals ein «Bravo, Heinz!» zu hören. Bekanntlich hat der Däne Lausanne nach dem Aufstieg 2014 zweimal de suite ins Playoff geführt. Das haben die Anhänger nicht vergessen, auch wenn Ehlers nach dem Einstieg der Investoren trotz weiterlaufendem Vertrag gehen musste.

Für den Tigers-Coach ist es ein besonders bitterer Moment. Zum dritten Mal führte Ehlers in der National League einen Aussenseiter in ein 7. Viertelfinal-Spiel, zum dritten Mal scheiterte er. 2014 am späteren Meister ZSC Lions, 2015 an Bern und nun mit einer 1:8-Kanterniederlage am LHC. «Lausanne hatte damals ein viel kleineres Budget als Zürich und Bern, nun hat es wohl doppelt so viel Geld zur Verfügung wie wir, da sollte man schon einen Unterschied sehen», sagt der Coach leicht säuerlich.

Peltonens Lob

Gewiss wird ihn in Langnau niemand wegen dieses letzten Spiels kritisieren. Weil dieses 1:8 nicht als Referenz einer für die SCL Tigers höchst erfolgreichen Saison dienen darf. «Wir haben immer füreinander gekämpft», sagt Berger. «Dabei hat niemand an uns geglaubt, in der Qualifikation nicht, und als wir im Viertelfinal 1:3 zurücklagen auch nicht. Aber wir haben die perfekte Antwort gegeben – bis auf dieses letzte Spiel», hält der Captain fest. «Wir können Stolz auf uns sein, aber mich spornt das auch an, nächstes Jahr noch mehr zu machen.» Es habe Spass gemacht, Teil dieser Gruppe zu sein, meint derweil Harri Pesonen. «Aber im Playoff geht es nur um den Sieg, vielleicht war der Club noch nicht bereit für den nächsten Schritt.»

Diese These stützt Marco Bayer: «Viele Spieler haben noch nie die Erfahrung eines 7. Spiels gemacht. Daraus müssen wir lernen.» Seine Gefühlslage sei schwierig zu beschreiben, meint der Tigers-Sportchef. «Einerseits haben wir eine riesige Chance verpasst, weiter Geschichte zu schreiben.» Doch dann erzählt er, wie LHC-Coach Peltonen nach dem Spiel auf die Langnauer zugekommen sei und ihnen gesagt habe: «Ihr habt uns alles abverlangt.» Es sind schöne Worte. Doch an diesem Abend vermögen sie kaum Trost zu spenden.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt