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Standpunkt: Die Hauptrolle in der Erfolgsgeschichte spielt Trainer Fust

Sechs Runden vor Ende der Qualifikation haben die SCL Tigers die Playoffs erreicht – es handelt sich um eine der grössten Überraschungen im Schweizer Eishockey. Die Hauptrolle in der Erfolgsgeschichte spielt Trainer John Fust.

Hat sei Team in die Playoffs geführt: John Fust.
Hat sei Team in die Playoffs geführt: John Fust.
Andreas Blatter

Mit John Fusts Ankunft im Emmental wich das Verliererimage einer ausgeprägten Siegermentalität, Selbstzweifel wurden vom Glauben an die eigenen Stärken verdrängt. Fust ist es innert weniger Wochen gelungen, die unerfahrene und als nicht sonderlich talentiert geltende Mannschaft konkurrenzfähig zu machen. Basierend auf einem gleichermassen simplen wie effizienten Defensivsystem mit einem überragenden Goalie Benjamin Conz als Schlüsselfigur, hat sich die zuvor schwächste Verteidigung zu einem stabilen Verbund entwickelt.

Als Abstiegskandidat Nummer 1 gehandelt, hatten sich die Langnauer auf eine schwierige Meisterschaft eingestellt. Im Hinterkopf geisterten zudem die finanziellen Sorgen der jüngsten Vergangenheit herum. Der Fakt, dass die Perspektiven bei einem Abstieg düster aussehen würden, schien positiven Druck zu erzeugen, das Urteil der Experten die Mannschaft anzustacheln – und zusammenzuschweissen.

John Fust hat das seinige dazu beigetragen, dass sich die Equipe zu einer verschworenen Einheit gemausert hat. Er versteht es, jedem Spieler die passenden Aufgaben zuzuweisen; sein Personal rechtfertigt das Vertrauen mit der Einhaltung der taktischen Marschroute. Für Sonderwünsche, Extravaganzen und kreativen Freigeist hat der Coach wenig übrig. Weil im homogenen Ensemble keiner aus der Reihe tanzt, muss er sich mit solchen Dingen auch kaum beschäftigen.

Die Verpflichtung Fusts wurde von Sportchef Ruedi Zesiger initiiert. Respektieren und schätzen gelernt hatte sich das Duo vor der Jahrtausendwende, als es gemeinsam in die NLA aufgestiegen war. 2009 kehrte Zesiger nach zehnjähriger Absenz zu den SCL Tigers zurück; er kündigte seine Stelle (mit lukrativer Altersvorsorge) als rechte Hand von Bundesrat Ueli Maurer beim VBS, um in Langnau das sinkende Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Rational mag dieser Entscheid kaum gewesen sein, für den bescheidenen und volksnahen Zesiger sind die Tigers jedoch eine Herzensangelegenheit. Er hat bewiesen, dass nicht entscheidend ist, mit wie viel Geld ein Verein operieren kann, sondern wie die vorhandenen Mittel eingesetzt werden. Nach gewichtigen Abgängen waren Nobodys aus der Nationalliga B und zwei Kanadier mit

bescheidenem Leistungsausweis verpflichtet worden, die sich innert weniger Wochen jedoch zu Eckpfeilern des Teams entwickelten. Zum Vergleich: Mit Stars wie Todd Elik, Janne Niinimaa, Alexandre Daigle, Josh Holden, Jeff Toms oder Martin Gerber wurden die Playoffs stets verpasst.

Der Langnauer Höhenflug ist ein Eishockeymärchen. Nach den Wirren der letzten Jahre ist der Erfolg dem Verein, seinen Anhängern und der ganzen Region zu gönnen. Was in den Playoffs folgt, ist Zugabe und wird das Bild in keiner Weise trüben.

Die Verantwortlichen werden sich indes hüten, die Augen vor der Realität zu verschliessen. In sportlicher Hinsicht ist der Himmel strahlend blau. Was die Finanzen betrifft, türmen sich aber dunkle Wolken über dem Klub. Ohne Sanierung der Ilfishalle und die daraus erhofften jährlichen Mehreinnahmen von einer Million Franken droht der Niedergang in den Amateurbereich. Das Team hat in einem ersten Schritt die Basis für eine stabile Zukunft gelegt. Um das Märchen zu einem guten Ende zu führen, werden weitere Schritte nötig sein.

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