Surfen in der Ilfis

Die SCL Tigers sind kaum zu bremsen. Sie bezwingen den Meister ZSC Lions verdient 4:1 und liegen auf Rang 2 – vor dem SC Bern. Andrea Glauser wird erstmals fürs Nationalteam aufgeboten.

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Philipp Rindlisbacher

Tigers-Trainer Heinz Ehlers meinte: «Ich bin sehr stolz.» Langnaus Stürmer Benjamin Neukom sagte: «Wir haben einen richtigen Lauf.» Und Sven Leuenberger, Sportchef der ZSC Lions, konstatierte: «Hut ab vor Langnau.»

4:1 siegten die SCL Tigers gegen den Gast aus Zürich. Es war der dritte Sieg gegen den Meister binnen fünf Wochen, und das Erstaunliche daran war, wie souverän die Emmentaler an und für sich zu den drei Punkten gelangten. Nicht nur physisch, sondern auch spielerisch war das Heimteam zumindest 40 Minuten lang tonangebend, es war präsenter in allen drei Zonen, machte weniger Fehler und schien einen Gang mehr zu besitzen als der hochgehandelte Widersacher.

Leuenberger bemängelte die Intensität der Gäste. Er war an der Bande gestanden, weil Assistenztrainer Craig Streu krank fehlte – er hatte tags zuvor während der Partie gegen Rapperswil einen wüsten Hustenanfall erlitten. Ob Leuenberger seinerseits ob des Gebotenen einen Wutanfall kriegte, ist nicht überliefert...

Langnau läuft es besser als in der Playoff-Saison

Die SCL Tigers fliegen hoch seit Qualifikationsbeginn, die Landung scheint im Reiseprogramm vorerst nicht vorgesehen zu sein. Mittlerweile neun Siege stehen nur fünf Niederlagen gegenüber, vor 5289 Zuschauern sammelten die Langnauer die Punkte 25 bis 27. Zur Einordnung hilft ein Blick zurück ins Jahr 2010, in der einzigen Playoff-Saison der Vereinsgeschichte lagen die Emmentaler nach 14 Runden nicht auf Rang 2, sondern belegten Platz 6, totalisierten 21 Zähler.

«Hätte mir vor Saisonbeginn jemand diese Ausbeute angeboten, hätte ich sofort unterschrieben – und zwar gleich für drei Jahre», meinte Ehlers lachend. Der Däne pflegt nach Niederlagen jeweils das Positive hervorzustreichen und tritt nach Siegen gerne auf die Euphoriebremse. Am Dienstag übertrieb er es jedoch, jedenfalls erntete er verwunderte Blicke, nachdem er im Kabinengang von der zweitschwächsten Saisonleistung gesprochen hatte.

Nicht alles sei rundgelaufen, stellte Ehlers klar, ohne ins Detail gehen zu wollen. Zu bemängeln gab es einzig das leichte Nachlassen im Schlussdrittel. Drew Shore buchte in der 42. Minute das einzige Zürcher Tor, es war das 1:3, weil die starken Kanadier Chris DiDomenico (32.) und Aaron Gagnon (38.) die Partie im Mittelabschnitt vorentschieden hatten.

Drei Abgänge und fünf Offerten im Angriff

Nicht unerwähnt bleiben sollte die lange Absenzenliste des Titelträgers, aufs Matchblatt schafften es noch gerade einmal elf Angreifer. Und gewiss war es kein Vorteil, hatten die Zürcher 24 Stunden vor der Partie einen Ernstkampf zu bestreiten. Jarkko Ruutu, Scout der NHL-Organisation Columbus, konnte sich die Frage aber nicht verkneifen: «Wer ist hier eigentlich Meister?»

Den ersten Treffer des Abends hatte in der 13. Minute Benjamin Neukom im Anschluss an eine heftige Tigers-Druckphase erzielt. Der Flügel ist einer von acht Stürmern mit Schweizer Lizenz, deren Verträge am Saisonende auslaufen. Derweil Thomas Nüssli, Emanuel Peter und Roland Gerber in Langnau keine Zukunft haben werden, dürften Nils Berger, Anton Gustafsson, Raphael Kuonen, Stefan Rüegsegger und eben Neukom allesamt Offerten erhalten. Kein Angebot, aber ein Aufgebot kriegten unlängst Andrea Glauser und Topskorer Harri Pesonen. Letzterer wird erstmals seit zwei Jahren wieder für Finnland spielen können, Verteidiger Glauser nächste Woche am Deutschland-Cup in Krefeld fürs Schweizer Nationalteam debütieren.

Vor der Pause folgen die Partien in Ambri und vor Heimpublikum gegen Davos. «Wir surfen auf der Erfolgswelle, das müssen wir ausnutzen», meinte Neukom.

Berner Zeitung

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