Vier Schwachpunkte und Hoffnung auf Besserung beim SCB

Der Favorit taumelt im Halbfinal gegen Biel – noch ist er aber nicht gefallen. SCB-Sportchef Alex Chatelain sagt: «Wir brauchen dringend ein Erfolgserlebnis.»

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Reto Kirchhofer@rek_81

In der Qualifikation war es so: Führte der SC Bern mit zwei Toren Differenz, konnte sich der Gegner getrost auf den Handshake vorbereiten. Die Berner verwalteten den Vorsprung geschickt, kontrollierten die neutrale Zone, schoben falls nötig mit ihrem 3-2-System den Riegel vor. Nur ein einziges Mal gab der SCB in der Regular Season eine Zwei-Tore-Führung preis: Am 9. Februar in Biel – die Partie gewannen die Stadtberner trotzdem (4:2).

Kontrolle, funktionierende Automatismen, Disziplin, Systemtreue: Diese Eigenschaften zeichnen den SCB unter Trainer Kari Jalonen aus. Oder eher: zeichneten. Im Playoff ist vieles anders. Folgende vier Schwachpunkte sind augenfällig:

Verunsicherung

Servette ist es im Viertelfinal gelungen, den stolzen SCB nachhaltig in Zweifel zu stürzen. Fünfmal führte der Favorit aus der Hauptstadt mit zwei Toren, nur einmal konnte er den Vorsprung halten. Aus Selbstvertrauen wurde Verunsicherung. Die Berner verfallen in Passivität, wenn sie in Führung liegen, sie werden nervös und fahrig. Am Donnerstag mussten sie sich nach 2:1-Vorsprung in der Schlussphase vollends dominieren lassen (28 Schüsse für Biel).

Spiel mit der Scheibe

Gute Auslösungen, rasches Überbrücken der neutralen Zone und direktes Spiel im gegnerischen Drittel: So zeigt es der SCB an guten Tagen. Im Playoff aber bekunden die Berner Mühe im Spiel mit der Scheibe. Der puckführende Spieler wird vom Gegner häufig früh unter Druck gesetzt. Fehlpässe und schlechte Auslösungen sind die Folge. Die Verteidiger verzeichnen ungewohnt viele Schnitzer, was auch am fehlenden Support der Stürmer liegt.

Schlüsselspieler sind nicht in Form

Gegen Genf sorgten mit André Heim, Daniele Grassi und Yanik Burren eher Spieler der Marke «Ergänzung» für die Musik. Dazu kamen mit Mark Arcobello und Simon Moser übliche Verdächtige, wenn es darum geht, den Unterschied auszumachen. Aber sonst? Zu viele Schlüsselspieler sind ausser Form: Augenfällig ist dies bei den ausländischen Angreifern (Ebbett, Mursak, Boychuk) und bei Offensivverteidiger Calle Andersson, der nach starker Qualifikation massiv abgebaut hat. Auch Coach Jalonen bereitet die grassierende Unterform Kopfzerbrechen: Sonst würde der Finne kaum von Spiel zu Spiel nach neuen Formationen suchen. Will der SCB den Halbfinal gegen Biel wenden, braucht er zwingend ein besseres Kollektiv.

Special Teams

Im Playoff ist es beim SCB so: Ein gutes Powerplay und ein gutes Boxplay gleichzeitig – das hat er nicht. Gegen Genf war das Überzahlspiel ein Debakel. Erst in der sechsten und letzten Begegnung reüssierte Bern erstmals im Powerplay. Im Halbfinal gelang sowohl im ersten als auch im zweiten Match ein Treffer in Überzahl, Verbesserungen sind erkennbar. Die bedarf es auch im Boxplay. Das Unterzahlspiel ist mit 75 Prozent Erfolgsquote ungenügend (im Vergleich mit Biels 53 Prozent aber noch immer klar effizienter).

Die Playoff-Mängelliste ist also lang. Doch im Sport genügt manchmal eine gelungene Aktion, und vieles kann sich zum Guten wenden. «Wir brauchen dringend ein Erfolgserlebnis», sagt SCB-Sportchef Alex Chatelain vor dem dritten Halbfinalspiel am Samstag in der Postfinance-Arena. «Und wir brauchen positive Gedanken. Deshalb sollten wir uns an den positiven Dingen orientieren. Im zweiten Match in Biel haben wir über weite Strecken sehr gut gespielt.»

Tatsächlich demonstrierte der Favorit im Seeland vorab im ersten Drittel, wie er die Bieler knacken kann: mit Intensität, Tempo und wuchtigem Spiel über vier Linien. Nur: Haben die Berner für diese Spielweise noch genügend Benzin im Tank? Und ist Coach Jalonen bereit dazu, über weite Strecken so spielen zu lassen? Das Playoff hat gezeigt: Passivität führt diesen SCB eher früher als später ins Verderben.

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