Vierte Niederlage in Serie für den SCB

Merke: Tabellenführung schützt nicht vor Nervosität. Der SC Bern gibt einmal mehr einen Vorsprung preis und unterliegt Servette nach 3:1-Führung 3:4 nach Verlängerung. Es handelt sich um die vierte Meisterschaftsniederlage in Folge.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Liebe Leserin, lieber Leser, zu Beginn sogleich ein Tipp: Falls Sie kurz vor Weihnachten etwas zu verwalten haben, was ihnen lieb und wertvoll ist, vertrauen Sie es bitte nicht dem SC Bern an. Der ist zwar souveräner Leader in der National League, im Umgang mit Finanzen selbstverständlich absolut seriös – aber zurzeit ist er vor allem ein miserabler Verwalter.

Letzte Woche gab der SCB gegen Langnau und Biel jeweils einen 3:0-Vorsprung preis und musste als Verlierer vom Eis. Am Dienstag machte Växjö in der Champions Hockey League innert dreier Minuten aus dem 0:2 ein 2:2. Und am Freitagabend liessen sich die Berner tatsächlich erneut einen Zweitorevorsprung stibitzen. Sie führten nach zwei Dritteln 3:1, am Ende aber jubelte Servette über den 4:3-Erfolg nach Verlängerung.

Der Meister steckt in einer sanften Winterdepression, er hat nunmehr vier Meisterschaftsbegegnungen in Folge verloren. Mit Blick auf die Tabelle ist dies zwar nicht weiter tragisch, ärgerlich aber allemal. «Zurzeit werden wir schnell nervös, verlieren den Überblick», sagte Trainer Kari Jalonen. «Ich weiss nicht, weshalb. Aber es ist unnötig.»

Kämpfs emotionale Rückkehr

Es gab durchaus auch Erfreuliches am Freitagabend, vorab von der vierten Linie. Jalonen steht nicht im Verdacht, seiner vierten Formation viel Auslauf zu gewähren. Vielmehr entspricht es seinem Stil, möglichst häufig die besten Pferde im Stall galoppieren zu lassen.

Gegen Genf aber kombinierten sich die Männer aus den hinteren Reihen in den Vordergrund: Marc Kämpf, An­dré Heim und Gian-Andrea ­Randegger waren die Autoren des Treffers zum 2:1. Und mit Luca Hischier (3:1) reüssierte auf Pass von Heim und Randegger ebenfalls einer, der nicht eben mit Eiszeit verwöhnt wird.

Als Belohnung gab es für die Beteiligten nicht nur den akustischen Liebesbeweis des Publikums, sondern jeweils einen Faustgruss von Jalonen. Der kumpelhafte «fist bump» ist nicht eben typisch für den Finnen, der zu seinen Spielern stets eine gewisse Distanz wahrt. Die Geste war als Zeichen der Wertschätzung zu verstehen.

Jalonen musste auf die Erst­linienflügel Simon Moser (verletzt) und Thomas Rüfenacht (sass seine zweite und letzte Sperre ab) verzichten, der Coach stellte drei der vier Linien um. Mit der Abstimmung klappte es zu Beginn überhaupt nicht: Servettes Juraj Simek durfte zweimal unbedrängt vor Leonardo Genoni abschliessen, somit mutter- und vaterseelenallein das erste Tor erzielen.

Die Gäste begegneten dem Favoriten mit Härte, was diesem nicht immer gut bekommt. Doch handelt es sich dabei um ein Vabanquespiel, weil eine solche Taktik oft zu Strafen führt und der SCB das mit Abstand stärkste Team in Überzahl stellt. Prompt glich Gaëtan Haas im Powerplay aus. Danach krönte Kämpf sein spezielles Comeback. Dem Stürmer war Ende November ein Hodentumor entfernt worden, nun reüssierte er bei seiner Rückkehr sogleich. «Es war sehr emotional. Aber ich hätte mein Comeback gerne mit einem Sieg gekrönt.»

Negatives vor Minuskulisse

Trotz Kämpf überwog das Negative, weil der Meister im dritten Abschnitt einmal mehr in Passivität verfiel. Nick Spaling profitierte von einem Fehlgriff Leonardo Genonis, und eine Szene später zogen mit Ramon Untersander und Eric Blum beide Verteidiger hinter das Tor; den freien Raum vor Genoni nutzte Romain Loeffel zum 3:3.

In der Verlängerung sicherte der Schwede Henrik Tömmernes den Genfern den Zusatzpunkt – die Berner waren bedient. Die Kulisse passte zum Schlussakzent: 15'225 Zuschauer waren gekommen, so wenige wie noch nie in dieser Meisterschaft.

Berner Zeitung

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