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Vierte Niederlage in Serie für den SCB

Nach der 2:3-Niederlage gegen Lugano kann der SC Bern nicht mehr Qualifikationssieger werden. Zu Sorgen Anlass gibt die eklatante Abschlusschwäche. Trotzdem sagt Coach Guy Boucher: «Wir müssen aufhören, uns infrage zu stellen.»

Harte Sitten: Justin Krueger (rechts) tritt gegen Marco Maurer als Rächer auf.
Harte Sitten: Justin Krueger (rechts) tritt gegen Marco Maurer als Rächer auf.
Andreas Blatter
Der SCB hat Mühe im Abschluss: In dieser Szene gelingt es Tristan Scherwey nicht, Lugano-Goalie Elvis Merzlikins zu bezwingen.
Der SCB hat Mühe im Abschluss: In dieser Szene gelingt es Tristan Scherwey nicht, Lugano-Goalie Elvis Merzlikins zu bezwingen.
Andreas Blatter
Berns Cheftrainer Guy Boucher, links, liest seinen Spielern, die 0:2 zurückliegen, die Leviten.
Berns Cheftrainer Guy Boucher, links, liest seinen Spielern, die 0:2 zurückliegen, die Leviten.
Keystone
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1:3 in Zürich, 0:2 gegen Lausanne, 1:3 in Lugano, und zuletzt noch ein 2:3 daheim gegen Lugano – am Samstag beginnen die Playoffs, und der SC Bern hat vier Niederlagen aneinander gereiht. Befindet sich der SCB im dümmsten Moment in der Krise? Oder ist es nur die berühmte Ruhe vor dem Sturm? «Sorgen mache ich mir nicht», sagt Cheftrainer Guy Boucher, «denn all diese Niederlagen haben unterschiedliche Geschichten.» In der Tat haben die Berner in diesen vier Partien nicht miserabel und schon gar nicht unmotiviert gespielt.

Am Samstag gegen Lugano überzeugte der Gastgeber in den ersten 16 Minuten sogar – mit viel Schwung wurden die Besucher immer wieder überrollt; das Geschehen wickelte sich fast ausschliesslich in Luganos Zone ab. Doch ein Kapitel, und es umfasste jeweils viele Seiten, ist in allen vier Geschichten vorgekommen. Das muss selbst Boucher eingestehen: «Wir haben derzeit Schwierigkeiten, Tore zu schiessen.» Der Kanadier betont, es mangle nicht an Chancen. «Davon haben wir tonnenweise.» Um seine These zu stützen, präsentiert er die Statistik aus dem verlorenen Heimspiel gegen Lausanne: «Wir hatten 29 Tormöglichkeiten, der Gegner nur deren 11.» Abgesehen vom Match gegen die ZSC Lions ist der SCB zuletzt nie dominiert worden, dennoch ist das Problem ein gravierendes. Denn Toreschiessen ist letztlich die Essenz des Eishockeysports: Gewinnen kann nur, wer mindestens einen Treffer mehr erzielt als der Widersacher.

Und einfach ist es nicht, eine sich rasant drehende Negativspirale zu verlassen, zumal der Druck aufgrund der nahenden Playoffs zunimmt. «Es ist frustrierend, dass wir zu wenige Tore schiessen. Doch je mehr wir über das Problem reden, desto verkrampfter sind wir», gibt Simon Moser zu. Boucher sieht es ähnlich. «Wir müssen aufhören, uns infrage zu stellen.»

Das Fehlen der Erfolgserlebnisse wirkt sich negativ aus, das liess sich gegen Lugano gut beobachten. Alessio Bertaggia schoss die Gäste, direkt von der Strafbank gekommen, in der 27.Minute entgegen dem Spielverlauf in Führung. «Nach diesem Gegentor ging unser Energieniveau runter. Es ist hart, wenn man für die Bemühungen nicht belohnt wird und dann einen derartigen Treffer erhält», sagt Moser.

Mental nicht frisch

Vom Glück war der SCB am Samstag nicht begünstigt. Hätte der Treffer Alain Bergers in 4. Minute gezählt – die Schiedsrichter pfiffen fälschlicherweise frühzeitig ab, weil sie glaubten, HCL-Goalie Elvis Merzlikins habe die Scheibe unter Kontrolle –, wäre der Knoten vielleicht geplatzt. Hätte Bud Holloway statt den Pfosten ins Tor getroffen, wäre der SCB in der Folge eventuell effizienter aufgetreten. Hätten die Schiedsrichter Diego Kostners 2:0 – die Drehung des Schlittschuhs wurde nicht als Kickbewegung gewertet – annulliert, wäre die Wende unter Umständen noch gelungen. Doch mit «hätte» und «wäre» ist nichts zu gewinnen. Letztlich resultierte eine 2:3-Niederlage, die einer gewissen Logik entsprang.

Tatsache ist, dass die Berner derzeit mental alles andere als frisch wirken. Das streitet Boucher nicht ab. Das Team befinde sich emotional in einer Art Schwebezustand zwischen Cupfinal und Playoffs, erklärt der Coach. Moser glaubt zwar nicht, «dass der Cupsieg noch in unseren Köpfen steckt». Aber nur zwei Tage nach der Entgegennahme des Pokals im Zähringer-Derby gegen Gottéron gleich wieder eine Topleistung zu erbringen, war für die Akteure psychisch ein Kraftakt. Und dem zollen sie, so scheint es zumindest, momentan Tribut.

Späte, aber wichtige Tore

Spielerisch könnte es dem SCB besser laufen, doch bezüglich Kampf- und Teamgeist wirkt die Equipe intakt. Wie Justin Krueger Lugano-Flügel Marco Maurer für dessen ungeahndeten Bandencheck gegen Marc-André Gragniani mit Faustschlägen bestrafte, war ebenso beeindruckend wie die durch das von Martin Plüss auf brillante Weise erzielte 1:3 initiierte Schlussoffensive. Zum Ausgleich reichte es nicht mehr ganz, doch die Treffer durch den Captain und durch Holloway dürften mehr als ein Muster ohne Wert sein. «Sehr wichtig» seien diese Tore für das Selbstvertrauen, sagt Boucher. Wenn der Coach recht hat, werden die vier Niederlagen in Serie in ein paar Wochen nicht mehr als eine Episode sein. Wenn nicht, dann...

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