Von Woche zu Woche besser

Calle Andersson benötigte den härtesten Sommer seines Lebens, um die Vorgaben seines Chefs Kari Jalonen zu erfüllen. Der Schwede gehört beim SCB deshalb zu den Aufsteigern der Saison.

Die Leichtigkeit wiedergefunden: Calle Andersson fühlt sich in endlich wieder wohl, Bern und die Berge gefallen ihm.

Die Leichtigkeit wiedergefunden: Calle Andersson fühlt sich in endlich wieder wohl, Bern und die Berge gefallen ihm.

(Bild: Christian Pfander)

Dario Greco@HerrGreco

Die Leichtigkeit des Seins. In der Karriere von Calle Andersson gab es eine Phase, in der er diese Leichtigkeit etwas zu fest zelebriert hatte. In Nordamerika war das, als er in der AHL im Farmteam der New York Rangers nicht glücklich wurde. Er spielte schwach und punktete kaum und hatte den Ruf, dass bei ihm Arbeit nicht immer vor Vergnügen kam. «Ich verlor dort mein Selbstvertrauen», sagt er.

Andersson brauchte einen Neuanfang, Ende November 2016 landete er in Bern. Und erhielt mit Kari Jalonen einen strengen Lehrer. «Er war in keiner guten Verfassung», sagt der SCB-Headcoach. «Es gibt junge Spieler, die brauchen einen Trainer, der ihnen sagt, wie sie ­trainieren sollen», fügt der Finne lächelnd an.

Nach seiner Ankunft beim Meister liess Andersson sein Potenzial ab und zu aufblitzen, war zu oft aber auch ein Un­sicherheitsfaktor. Im Playoff schliesslich spielte er kaum noch eine Rolle. Jalonen forderte vom Schweden deshalb unmissverständlich, «den härtesten Sommer seines Lebens zu machen». Es habe nicht an der Einstellung gelegen, «aber er musste lernen, dass jeder Tag ein Arbeitstag ist», sagt der Coach.

Olympia: Kein Kontakt

Andersson setzte die Vorgaben von Jalonen um. «Manchmal war es hart. Ich benötigte Zeit, um mein Vertrauen wiederzufinden», hält der 23-Jährige fest. Für den Verteidiger hat sich der Einsatz gelohnt, er machte Fortschritte und agiert heute in der Defensive solid, setzt zugleich im Offensivspiel der Berner Akzente. «In unserer Verteidigung ist er einer der Schlüsselspieler», sagt Jalonen. «Ich fühle mich von ­Woche zu Woche besser», sagt Andersson.

Trotz seiner persönlichen Leistungen und des Höhenflugs des SCB waren die vergangenen Wochen aus Anderssons Sicht nicht nur erfreulich. Weil die Spieler aus der NHL im Februar für die Olympischen Spiele in Pyeongchang keine Freigabe erhalten werden, sind die Chancen für in Europa oder Russland engagierte Athleten auf eine Teilnahme an den Spielen viel grösser als in der Vergangenheit. Auch Andersson hatte auf ein Aufgebot gehofft. Sichtlich enttäuscht sagt er: «Ich habe nie etwas vom Nationalteam gehört, es gab keinen Kontakt.» Weil das auch vor dem Karjala-Cup und jetzt vor dem Channel-One-Cup so war, konstatiert er: «Ich glaube nicht, dass ich nahe am Team bin.»

«Grosse Partie» in Växjö

Er wolle sich jetzt deshalb auf den SCB konzentrieren, sagt Andersson pflichtbewusst. Dabei hatte er noch vor kurzem andere, grössere Pläne gehabt. 2012 war er von den New York Rangers gedraftet worden, die Organisation ist für ihn eine Familienangelegenheit: Sie hatte 1983 auch seinen Vater gedraftet, Peter Andersson absolvierte für die Rangers in den Neunzigerjahren 39 Partien und führte später Lugano als Captain zum Meistertitel.

Calle Andersson absolvierte nach seinem Draft noch drei Saisons in Europa, zwei in seiner Heimat in Färjestad und Malmö und ein Jahr in der Schweiz in Zug und Lugano. 2015 wagte er den Schritt zu den Rangers, musste aber, ohne ein NHL-Spiel absolviert zu haben, nach Hartford ins Farmteam und setzte sich auch dort nicht durch.

In Bern fühlt sich Andersson endlich wieder wohl, «die Stadt gefällt mir sehr, und ich mag die Berge». Er wohne allein und habe keine Freundin. «Manchmal ist es ein wenig hart, immer allein zu Hause zu sein», sagt er. Er werde aber oft von Freunden aus Schweden besucht, zudem vertreibt er sich die Zeit gern vor dem Fernseher, die NHL und die schwedische Liga verfolgt er intensiv. Växjö, den Gegner des SCB in der CHL, kennt er deshalb gut, auf das Rückspiel in seinem Heimatland am nächsten Dienstag freut er sich besonders. Seine Familie und Freunde würden kommen, «das wird eine ganz grosse Partie», sagt er. «Wir wollen den Namen Bern hinaus nach Europa tragen und die CHL ­gewinnen.»

Olympia ist jetzt auch in seinen Gedanken weit weg, Calle Andersson strahlt. Er scheint Selbstvertrauen und Leichtigkeit wiedergefunden zu haben, neben, aber vor allem auch auf dem Eis.

Berner Zeitung

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