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YB stiehlt den Sieg mit einer fiesen Flugkurve

Ein über weite Strecken schwaches YB gewinnt in Lugano dank zwei späten Toren glückhaft 2:1. Miralem Sulejmani trifft mit einem herrlichen Freistosstor.

Die Entscheidung: Thorsten Schick erzielt in der 85. Minute das 2:0.
Die Entscheidung: Thorsten Schick erzielt in der 85. Minute das 2:0.
Keystone
Tackling: Luganos Jonathan Sabbatini versucht Christian Fassnacht vom Ball zu trennen.
Tackling: Luganos Jonathan Sabbatini versucht Christian Fassnacht vom Ball zu trennen.
Keystone
Kampf um die Lufthoheit: Michel Aebischer und Cristian Ledesma.
Kampf um die Lufthoheit: Michel Aebischer und Cristian Ledesma.
Keystone
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Ein Kapitän muss auch mal ein Machtwort sprechen. Manchmal sogar vor einem Freistoss. Steve von Bergen wies also den kurz ­zuvor eingewechselten Miralem Sulejmani an, er möge in der 83. Minute doch direkt aufs Tor schiessen. Und Sulejmani, der begnadete Feinlinksfuss, setzte den Auftrag seines Captains in Lugano spektakulär und erfolgreich in die Tat um.

REPLAY: Sulejmanis herrlicher Freistoss zur Führung in Lugano. #BSCYB#LUGYBpic.twitter.com/onkhGjSVFB— BSC Young Boys (@BSC_YB) 26. November 2017

Sulejmanis sauber verwerteter Freistoss in der 83. Minute. Video: Twitter/BSC_YB

Der Serbe traf aus 25 Metern mit einem fantastischen Schuss zum 1:0, es war ein präzises Flattergeschoss mit fieser Flugkurve. Sulejmanis Kunstwerk war von derart erlesener Qualität, dass man lange darüber debattieren kann, ob es unhalt­bare Schüsse gibt, die in der Torhüterecke einschlagen. Luganos Goalie Joël Kiassumbua jedenfalls streckte sich vergebens.

Die Young Boys interessierten derlei Fragen ohnehin nicht. Sie schlugen gegen geschockte Luganesi gleich noch mal zu: Thorsten Schick vollendete einen rasanten Konter nach Steilpass Jordan Lotombas souverän zum 2:0.

REPLAY II: Schicks 2:0 nach einem Konter. #LUGYB#BSCYBpic.twitter.com/st0m64HYVZ— BSC Young Boys (@BSC_YB) 26. November 2017

Schick trifft zum 2:0. Video: Twitter/BSC_YB.

So kann man Meister werden

Die Joker Sulejmani und Schick erlösten ein schwaches YB in der aufregenden Schlussphase. Lugano gelang in der Nachspielzeit durch Steve Rouiller das 1:2 – und beinahe der Ausgleich. Wie die Young Boys ihren glückhaften Vorsprung fast verspielt hätten, passte zu ihrem fahrigen, fehlerhaften Auftritt. Es war ein gestohlener Sieg, und man muss es keineswegs schlecht mit den betont bescheidenen Young Boys meinen, wenn man findet: Wer Spiele so gewinnt, kann Meister werden.

Natürlich sprachen die YB-Exponenten nach dem 2:1-Sieg im Tessin davon, dass die Saison lange dauere und noch 20 Runden zu absolvieren seien. Einstweilen bleibt das 7-Punkte-Polster auf Verfolger Basel aber bestehen.

Der FCB hatte am Samstagabend mit einem 4:1-Sieg in Luzern wie eine Woche zuvor vorgelegt, erneut schlugen die Young Boys am Sonntag zurück. Auch in den nächsten zwei Runden werden sie einen Tag nach Basel antreten. Das ist keine einfache Situation für das junge Berner Team. Auch deshalb spricht Adi Hütter in Lugano von einem «in mehreren Punkten wertvollen Sieg».

Es brauche solche «schmutzigen» Erfolge, sagt der Trainer, zudem sei es keine 72 Stunden nach der bitteren 1:2-Niederlage in der Europa League bei Partizan Belgrad ein körperlich wie mental enorm schwieriges Spiel gewesen. «Und wir standen nach dem Basler Sieg unter Druck», sagt Hütter. «Wir haben unter diesen schwierigen Bedingungen drei Punkte geholt. Das spricht für unseren Reifeprozess.»

Gerndts Riesenchance

Die Young Boys taten sich im kühlen, windigen Lugano äusserst schwer. Hütter spricht von einer «richtig schwachen Leistung» in der ersten Hälfte. Das forsche Lugano agierte nach erfolgreichen Wochen überlegen, verpasste aber mehrmals knapp das 1:0. Die beste Chance vergab der frühere YB-Stürmer Alexander Gerndt in der Startphase, als er aus zwei Metern (!) übers Tor schoss. Die Gäste fanden nicht ins Spiel, ihre Vorstellung war unkonzentriert, teilweise kläglich, wie ein Leader traten sie nie auf.

Bereits zur Pause wechselte Hütter mit Guillaume Hoarau und Schick frische Offensivkräfte ein – und in der 72. Minute endlich seinen formbesten Spieler Sulejmani. «Er hatte einige Blessuren, deshalb begann er nicht», sagt Hütter. «Und Schick hat gut trainiert, er hat sich einen längeren Einsatz verdient. Es ist derzeit schwierig, wen ich auf die Bank setze.»

Am Sonntag trafen erneut Einwechselspieler für YB. Vielleicht war das Zufall. Vielleicht Trainergeschick. Vieles beides. Und möglicherweise verdienten sich die trägen Young Boys den Sieg im Tessin dank Effizienz und Geduld. Ganz sicher nicht, weil sie das bessere Team stellten. Auf jeden Fall lassen sich die Young Boys in der Liga nicht aufhalten, das unglückliche Scheitern in Belgrad hat sie beschäftigt, aber nicht beschädigt. «Es sind strenge Wochen», sagt Sulejmani, «nun müssen wir uns gut erholen. Es folgen die nächsten wichtigen Spiele.»

Am Donnerstag im Cup-Viertelfinal zu Hause gegen St. Gallen. Am Sonntag in Thun. Hütter wird wieder vor schwierigen Entscheidungen stehen. Und sein Captain vielleicht vor Zusatzaufgaben.

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