Zwei gewinnt das Spiel – vier gewinnt die Serie

Das ungeschriebene Gesetz im Viertelfinal zwischen Bern und Lausanne bewahrheitet sich: Zwei Tore genügen zum Sieg. Der SCB gewinnt in Malley 2:1 und gleicht die Serie zum 2:2 aus.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Philippe Furrer scheint kein Herz für Kaugummis zu haben. Wenige Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit schlägt der SCB-Verteidiger vor dem eigenen Tor an der Scheibe vorbei. Weil der Puck zur Unzeit holpert, schnellen bei Marc Lüthi auf der Tribüne Pulsfrequenz und Kaukadenz in die Höhe: Der Berner CEO malträtiert seinen Kaugummi mit kräftigen Bissen, bekämpft auf diese Weise die Nervosität.

Doch Lausannes Topskorer Ossi Louhivaara nimmt das Geschenk nicht an; Marco Bührer hält den Auswärtserfolg fest. Zum dritten Mal in Folge setzt sich ein Team 2:1 durch. Und so kann Lüthi auf dem Weg in die Katakomben tief durchatmen. Auch er weiss, dass sich der Sieg nicht eben abgezeichnet hat.

Lausanne ist längst zur erwartet harten Knacknuss geworden. Auch am Samstag agierten die Waadtländer im Defensivbereich nahe an der Perfektion, gestanden den Gästen kaum Tormöglichkeiten, geschweige denn Raum und Zeit zu. «Ich wäre enttäuscht, gäbe es in dieser Phase freies Eis, denn das würde dem Niveau der National League A nicht gerecht. In den Playoffs geht es nicht um freies Eis, sondern um Kampf und mentale Stärke», sagte Guy Boucher.

Damit liegt der SCB-Trainer zwar richtig; doch wer die Aufzeichnungen der restlichen Viertelfinals verfolgt, dem fällt auf, dass in den anderen Stadien mehr Fehler und Tore zu beobachten sind. Die Statistik belegt den Eindruck: Im Vergleich Bern-Lausanne sind in 4 Partien 9 Tore gefallen, deren 18 sind es bei ZSC Lions-Biel, 19 bei Lugano-Genf, 22 bei Zug-Davos. «In unserer Serie muss jede Tormöglichkeit unglaublich hart erarbeitet werden. Nur wer diesen hohen Aufwand in Kauf nimmt, hat eine Chance», sagte Eric Blum.

Ein Ablenker für die Wende

Wenn kaum Fehler begangen werden, eilt zuweilen das Glück herbei. Marc-André Gragnani lenkte vor dem ersten Lausanne-Tor eine Hereingabe Benjamin Antoniettis ab. Der Puck sprang an Flurin Randeggers Stockschaufel vorbei direkt zu Etienne Froidevaux, der mit dem Rücken zum Tor backhand abschloss und Bührer zwischen den Schonern bezwang. Der Führungstreffer entsprang einer Laune des Zufalls, er war aber absolut verdient. Lausanne agierte überlegen, Bührer hatte wesentlich mehr Arbeit zu verrichten als Cristobal Huet.

Coach Boucher mochte in der Nachbetrachtung zwar nicht von einem Wendepunkt sprechen, aber es war offensichtlich, dass das überraschende 1:1 nach Spielmitte – Bud Holloway hatte den Weitschuss Beat Gerbers abgelenkt – die Partie in andere Bahnen leitete. Fortan besassen die Gäste ein Chancenplus. Nach dem erfolgreichen Nachstochern durch Martin Plüss (oder hatte der Puck die Torlinie nach dem Schuss Jesse Joensuus bereits überquert?) gelangen den Lausannern kaum noch Vorstösse ins SCB-Drittel. Die besten Möglichkeiten vergab Louhivaara; zuerst nach einem Querpass, dann in der eingangs erwähnten Szene.

Ohne Tingeltangel zum Erfolg

Nach vier Begegnungen hat sich der Vergleich auf eine Best-of-three-Serie reduziert. «Auch in den restlichen Partien wird entscheidend sein, wer mehr als dieses eine Tor erzielen kann», mutmasste Blum – getreu dem Motto: Zwei gewinnt das Spiel, vier gewinnt die Serie. Ob der SCB die Vorteile auf seiner Seite hat, lässt sich kaum abschätzen.

Fakt ist, dass Akteure wie Holloway, Gragnani und Ryan Gardner mit der aufsässigen Spielweise der Waadtländer viel Mühe bekunden – doch gerade dieses Trio könnte mit seiner Spielintelligenz gegen Ende der Serie, wenn die Beine der Protagonisten müde werden, für die Differenz sorgen. Immer besser in Fahrt kommt Simon Moser, der am Samstag nicht zauberte, aber mit viel Bestimmtheit und Kampfkraft auftrat. «Mit Tingeltangelhockey lässt sich nichts mehr gewinnen», sagte Blum. «Dies müssen nicht nur wir erfahren: Jede Viertelfinalserie verläuft ausgeglichen.» Tatsächlich steht es in allen Vergleichen 2:2. In den 16 Viertelfinalpartien gab es gar nur 4 Heimsiege. Trotzdem könnte der Heimvorteil für den SCB zum Pluspunkt werden. In der Postfinance-Arena vermag Bouchers Auswahl für gewöhnlich mehr Energie und Druck aufzubauen, als dies auf fremdem Eis der Fall ist.

Berner Zeitung

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