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Bolt braucht «nur» Gold

Die Leichtathletik spielt wirtschaftlich nicht annähernd in der gleichen Liga wie sportlich. Für die Galionsfigur sind daher einzig Titelkämpfe wichtig.

40 Medaillengewinner von Rio de Janeiro, 10 amtierende Welt- und 16 Europameister: Weltklasse präsentiert das Zürcher Meeting nicht nur im Namen, sondern auch im Letzigrund. Was fehlt, ist jener Mann, welcher der Leichtathletik Glamour verleiht. Usain Bolt erklärte die Saison in Rio de Janeiro für beendet, sagte sinngemäss, er gehöre zu den Alten, müsse seinen Körper schonen.

«Klar hätten wir Usain sehr gerne am Start gehabt, aber es funktioniert auch ohne Bolt», hält Co-Meetingdirektor Christoph Joho fest. Die 25'000 Sitzplätze lassen sich überwiegend mit fachkundigen Zuschauern füllen, weil die Vorstellung deren Bedürfnisse vollauf befriedigt. Bolt benötigt, wer auf das Eventpublikum angewiesen ist. Welches den Wert der sportlichen Leistungen nicht einzuschätzen vermag, sich jedoch am Auftritt des sprintenden Entertainers ergötzt.

Bolts Absenz spiegelt die neben der Dopingthematik gewichtigsten Probleme der Leichtathletik. Die Sportart versteht sich als Kern der Olympischen Spiele, ist auf den grossen Märkten jedoch immer noch ein kleiner Spieler. 40'000 Dollar erhält, wer in seiner Disziplin die Gesamtwertung der Diamond League gewinnt; das ist selbst für die meisten Olympiasieger und Weltmeister sehr viel Geld.

Bolt hingegen verdient allein durch Sponsoreneinnahmen über 30 Millionen Dollar pro Jahr. Des Jamaikaners Bühnen sind die Titelkämpfe, Meetings braucht er keine. Zum Vergleich: Beim derzeit laufenden US Open der Tennisspieler erhalten sämtliche Erstrundenverlierer 43'000 Dollar.

Die 40'000 Dollar der Diamond League gilt es insofern zu relativieren, als sie pro Geschlecht 16-mal ausgeschüttet werden. Was zur mittlerweile auch in der Szene angekommenen Ansicht führt, dass sich die Leichtathletik wegen der zu hohen Anzahl an Disziplinen selbst im Weg steht. Wobei sich, was Bolt anbelangt, selbst im Fall einer drastischen Reduktion nichts ändern würde. Der 30-Jährige ist seiner Sportart entrückt.

mjs

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