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Der Glaube versiegte nie

Nach sechs Anläufen und zwei zweiten und zwei dritten Plätzen realisierte Jan van Berkel in Zürich seinen ersten Triumph. Dazu benötigte er auch im Rennen Geduld.

Endlich angekommen: Jan van Berkel im Zieleinlauf. Foto: Doris Fanconi
Endlich angekommen: Jan van Berkel im Zieleinlauf. Foto: Doris Fanconi

Nach 8:09:18 Stunden und einem triumphalen Empfang auf der Zürcher Landiwiese richtet Jan van Berkel einen berührenden Satz ans Publikum: «Vor 20 Jahren bestritt ich hier in Zürich den Kids Triathlon, vor 6 Jahren meinen ersten Ironman, und hier zu siegen, steckte in dieser langen Zeit immer in mir.» Es ­folgen ein Kuss von seiner Verlobten, der früheren Eiskunstlauf-Europameisterin Sarah Meier, und eine Umarmung von Schwester Martina.

Glückwünsche und Umarmungen. Foto: Doris Fanconi
Glückwünsche und Umarmungen. Foto: Doris Fanconi

Erst jetzt werden die Beine des Ironman-Siegers doch noch schwach. Er muss sich stützen. Sodann setzt er sich mit einem nassen Tuch über dem Kopf hin. Sie waren fordernd gewesen, die 3,9 km Schwimmen, 180 km Velo und die 42,2 km Laufen bei grosser Hitze – auch für einen, der einen hervorragenden Tag einzog.

Die Erschöpfung nach 8:09:18 Stunden. Foto: Doris Fanconi
Die Erschöpfung nach 8:09:18 Stunden. Foto: Doris Fanconi

Wenige Minuten später reflektierte der 32-Jährige das Durchlebte und das, was dahinter steht. «Ich glaubte an mich und blieb immer optimistisch», sagte er. Das war so, als er auf der zweiten 90-km-Velorunde den Kontakt mit Cameron Wulf (AUS) und David Plese (SLO) einbüsste. Und es war auch so, als der Rückstand auf dem ersten Streckendrittel des Marathonlaufes auf Plese weiter anwuchs. «Ich konzentrierte mich allein auf meine Körpermeldungen und meine Gefühle», sagte er. Die Lockerheit sowie die Tatsache, dass er den Kilometerschnitt auf der zweiten und dritten 10-km-Runde unter 3:50 Minuten drücken konnte, bauten ihn auf. Und plötzlich gab ihm auch die rasant schmelzende Reserve des Leaders Energie. Vier Kilometer vor dem Ziel übernahm Van Berkel die Spitze.

«Jedes Rennen wird besser»

Die Überzeugung und die Selbstsicherheit, welche der Unterländer an diesem Wettkampftag ausstrahlte, verdienten mit Blick auf die Vergangenheit zusätzliche Aufmerksamkeit. Nach dem gescheiterten Olympiatraum 2012 wendete er sich der Ironman-Distanz zu. Zwei zweite und zwei dritte Plätze schaffte er in Zürich. Einmal kollabierte er und landete im Spital. «So kann es nicht weitergehen», sagte sich der studierte Jurist. Ende 2016 hinterfragte er seine ganze Einstellung zum Sport und änderte unter anderem die Ernährung radikal (Verzicht auf Kohlenhydrate). Van Berkel sagt: «Seither ist es nur aufwärtsgegangen, und jedes Rennen wird besser.»

Die verdiente Abkühlung. Foto: Doris Fanconi
Die verdiente Abkühlung. Foto: Doris Fanconi

Auffälligstes Indiz dafür sind die Marathonzeiten. Zürich war diesbezüglich ein starkes Zeichen. In international beachtlichen 2:45:18 Stunden bewältigte er die 42,2 km – und das auf einem schwierigen Parcours und bei hohen Temperaturen. Dieses jüngste Resultat fügt sich nahtlos an die beiden bisherigen Ironman-Rennen des Jahres an, in Texas gelang ihm das Rennen in 7:48:40 Stunden. «Nun lockt natürlich Hawaii», blickt van Berkel in die Zukunft – nicht ohne anzufügen: «Die WM auf Big Island ist natürlich eine andere Hausnummer.» Doch davor erwartet er eine weitere harte Prüfung: Für den Polterabend vom nächsten Donnerstag haben ihm seine Freunde grosse Herausforderungen angekündigt. Am Freitag erfolgt die zivile Trauung.

Schildknecht chancenlos

Statt des zehnten Zürich-Sieges erlebte Ronnie Schildknecht als Fünfter einen enttäuschenden Tag. «Die Rennkonstellation allein hinter dem Spitzenquartett sprach gegen mich, und die Beine waren auch nicht die besten», sagte er. Mit der zweitbesten Marathonzeit glückte ihm ein starker Abschluss, der ihn dennoch auf die Hawaii-Qualifikation hoffen lässt. Arg ans Limit kam Sven Riederer bei seinem ersten Ironman mit Ambitionen. Sein Kommentar: «Die letzten 20 Kilometer waren grässlich.» Bei den Frauen setzte sich die Finnin Kaisa Sali durch.

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