Einst Hobbysportlerin, heute im Nationalteam

Die 34-jährige Nicole Egger stieg erst vor fünf Jahren in den Leistungssport ein.

Nicole Egger (rechts) steht vor einem Höhepunkt.

Nicole Egger (rechts) steht vor einem Höhepunkt.

(Bild: Raphael Moser)

Reto Pfister

Vor fünf Jahren hätte Nicole Egger für 5 km 25 Minuten benötigt. Selbst ins Vorprogramm des Berner Citius-Meetings, in dem die regionalen Athletinnen und der Nachwuchs starten, wäre sie nicht aufgenommen worden. Die Oberaargauerin war lange Hobbyläuferin, entschloss sich erst mit 29 Jahren, in den Leistungssport einzusteigen. Und stieg so rasch auf, dass sie am Samstagabend im Elitefeld über 3000 m Aufnahme fand.

Die Langenthalerin wird rasch abgehängt, läuft aber mit einer starken letzten Runde immerhin noch in einer persönlichen Bestzeit von 9:35,61 ins Ziel. Und war trotzdem enttäuscht. «Wenn ich meine Zeiten über 1000 und 1500 m hochrechne, sollte ich eigentlich über 3000 m 9:17 laufen können», sagt sie. Das Rennen hakt die 34-Jährige aber rasch ab. Denn der Wettkampf dient bloss der Vorbereitung auf einen der Saisonhöhepunkte.

Egger hat etwas geschafft, was sie 2014 nicht für möglich hielt. Sie wurde dazu auserkoren, die Schweiz über 5000 m bei der Team-EM im polnischen Bydgoszcz am kommenden Wochenende zu vertreten. «Das ist unglaublich», sagt die Läuferin, die nicht nur Profi ist, sondern Teilzeit auch als Heilpädagogin arbeitet. Die Schweiz tritt mit allen fitten Topleuten an, Athleten wie Mujinga Kambundji oder Julien Wanders sind mit dabei. Auf die Begegnung mit dem Genfer freut sich Egger besonders. «Ich hoffe, dass wir uns dort austauschen können», sagt sie. «Wanders ist ein Vorbild für mich. Es fasziniert mich, mit welcher Konsequenz er trainiert.»

Egger plant nicht, das Laufen zu ihrem alleinigen Beruf zu machen, will aber sehr wohl ihre Möglichkeiten ausreizen. Bis kurz vor dem Berner Meeting weilte sie im Höhentraining in St. Moritz und konnte dort einen Tag mit dem besten Schweizer Marathonläufer Tadesse Abraham trainieren. «Er hat 25-mal 400 m absolviert, ich habe mich jeweils während 300 m angehängt. Es war eine der intensivsten Einheiten, die ich je absolviert habe», sagt sie. Später musste Egger die Intensität der Trainings reduzieren, in der Höhenlage war sie weniger leistungsfähig als im Flachland. Trotzdem begibt sie sich im September nochmals für drei Wochen nach St. Moritz, überzeugt davon, dass sich der Aufenthalt dort längerfristig auszahlt.

EM in Paris im Fokus

Und Egger will herausfinden, welche Strecke ihr am besten liegt. «Es ist seltsam. 1500 m laufe ich schnell, 10'000 m auch, 3000 m hingegen weniger gut», sagt sie. An der EM 2020 in Paris will sie im Halbmarathon antreten, die dafür nötige Limite von 1:16 Stunden am 27. Oktober in Valencia unterbieten. «Ich will nicht im Frühling noch auf Zeitenjagd gehen müssen», nennt Egger ein klares Ziel. Gelingt ihr die Qualifikation für die EM, wäre dies ein weiterer Höhepunkt in der Karriere der Späteinsteigerin.

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