EM-Hauptprobe im Wankdorf

Die 4×400-m-Staffel strebt an der Leichtathletik-EM eine Finalteilnahme an. Für den Saisonhöhepunkt gibts nur einen Testlauf: Heute am Citius-Meeting in Bern.

Der Oberaargauer Joel Burgunder ist das Zugpferd der 4×400-m-Staffel.

Der Oberaargauer Joel Burgunder ist das Zugpferd der 4×400-m-Staffel.

(Bild: Imago)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Der Fall ist klar. «Es muss hinhauen», sagt Flavio Zberg. «Wir wollen keine Zweifel offenlassen», hält Joel Burgunder fest. Zberg ist Leiter des Staffelprojekts, Burgunder als schnellster 400-m-Läufer sein Zugpferd. Heute steht Letzterer mit seinen Kollegen im Leichtathletikstadion Wankdorf auf dem Prüfstand.

Weil es sich beim Citius-Meeting hierzulande um den einzigen Wettkampf für 4×400-m-Staffeln vor der EM handelt, schickt Zberg gleich zwei Teams sowie eine ­U-20-Equipe ins Rennen.

Für die kontinentalen Titelkämpfe, welche im August in Berlin stattfinden, qualifizieren sich pro Geschlecht 16 Nationen, wobei zur Erstellung der entsprechenden Rangliste die zwei tiefsten Zeiten aus diesem und letztem Jahr ­herangezogen werden.

Bei den Männern belegt die Schweiz im Ranking Rang 14, bei den Frauen, die heute in Bern ebenfalls mit zwei Staffeln antreten werden, Platz 23. Will heissen: Mit einer Topzeit am Citius-Meeting dürften sich Erstere das EM-Ticket definitiv sichern.

Ein grosses Team

Zberg und sein Kollege Laurent Meuwly sind die Berner Organisatoren früh mit der Bitte angegangen, ein 4×400-m-Staffel-Rennen ins Programm aufzunehmen. Letztlich haben sie sogar die Teams verpflichtet, etwa die WM-Dritten aus Grossbritannien (siehe Kasten). «Es wird ein schnelles Rennen geben», ist Zberg überzeugt. Das wiederum soll seiner schnellsten Equipe um Burgunder, Alain-Hervé Mfomkpa, Ricky Petrucciani und Charles Devantay ermöglichen, unter 3:09 zu laufen.

Mit einem Bestwert von genau 46 Sekunden hat sich als Einzelläufer über die Bahnrunde bisher nur Burgunder für die EM qualifiziert. Der 26-Jährige aus ­Heimenhausen trainiert seit ­Ende 2015 unter der Leitung Zbergs in Zürich. Mittlerweile hat es ihm ein Grossteil der 400-m-Läufer gleichgetan.

Burgunder schwärmt vom grossen Team, «es ist ein unglaublicher Drive entstanden». Zberg hält fest, für einen 400-m-Läufer sei die Trainingskonkurrenz der wichtigste Teil. Insofern war der Abgang von Teamleader Kariem Hussein im letzten Herbst zunächst ein Schock. Mittlerweile betrachten die Athleten die neue Konstellation jedoch als Vorteil. «Weil Flavio mehr Zeit für uns hat», wie Burgunder sagt.

Die Planung von Zberg ist klar auf den Saisonhöhepunkt im August ausgelegt, was den verhaltenen Auftakt der 400-m-Läufer erklärt. Vergangenen Sonntag liefen Burgunder und Petrucciani in Genf 47,38 respektive 47,30. «Wir haben viel mehr erwartet», sagt der Oberaargauer. Selbiges lässt auch der Coach verlauten, wobei er deswegen nicht verunsichert ist: «Uns bleiben sieben Wochen Zeit, und einige Läufer werden ihr kurzfristiges Potenzial noch weiterentwickeln.»

Hussein kämpft weiter

11 Läufer zählt das Staffelprojekt. Dabei sind mit Burgunder, Luca Flück, dem derzeit angeschlagenen Silvan Lutz und Vincent Notz vier Berner involviert. Wobei vorab die ersten drei gute Karten haben, an der Europameisterschaft teilzunehmen. «Am Schluss brauche ich vier schnelle Läufer», hält Zberg fest.

Zum Kandidatenkreis zählt im Prinzip auch Kariem Hussein. Im Moment allerdings dürfte die Staffel für ihn keine Rolle spielen. Ein entzündeter Nerv im Ilio­sakralgelenk, der in die Rücken- und Oberschenkelmuskulatur ausstrahlt, macht ihm nach wie vor zu schaffen. Zuletzt konnte der Europameister von 2014 über 400 m Hürden nur im Wasser und auf dem Velo trainieren. Die erste Laufeinheit ist nun für Montag vorgesehen.

An der EM vor zwei Jahren absolvierte die Staffel um Flück, Burgunder, Lutz und Daniele ­Angelella die vier Bahnrunden in 3:06.52. Zbergs Ziel ist klar: eine Finalteilnahme in Berlin, was aber eine Zeit von 3:05 voraussetzt. Ob das realistisch ist, wird sich bereits heute im Wankdorf zeigen.

Berner Zeitung

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