Rekord bei der Premiere

Alex Wilson und Jason Joseph glänzen am ersten Citius-Meeting in Bern.

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Marco Oppliger@BernerZeitung

Erst einmal muss er sich hinlegen, flach auf den Rücken. Dann irgendwann dreht er sich auf die Seite und atmet dabei immer noch wie eine Dampflokomotive. Um drei Hundertstel, auf 20,26 Sekunden, hat Alex Wilson eben seine Rekordzeit über 200 Meter gesenkt. Der Basler ist eines der Aushängeschilder beim ersten Citius-Meeting im Leichtathletik-Stadion Wankdorf. Und obwohl ihm der rechte Oberschenkel zuletzt Sorgen bereitete, enttäuschte er nicht. «Meine Form stimmt, ich kann immer schnell laufen», hält Wilson gelassen fest, als er wieder ruhig atmen kann.

An der EM in Berlin will er eine Medaille gewinnen, «mindestens». Wobei sich Wilson dafür über die halbe Bahnrunde noch wird steigern müssen. Darob aber zeigt sich das Kraftpaket nicht einmal im Ansatz verunsichert. «Schliesslich habe ich noch nicht richtig mit dem Speedtraining angefangen.»

Kambundji macht sich selbst ein Geburtstagsgeschenk

«Citius, altius, fortius», lautet das Olympische Motto - schneller, höher, stärker. Die Organisatoren des Berner Meetings, sechs junge Männer zwischen 20 und 28 Jahren, haben sich ersteres als Leitmotiv genommen, entsprechend den Anlass auf Sprint- und Laufdisziplinen ausgerichtet. Wobei sich daran auch die Schweizer Athleten orientierten.

Hürdensprinter Jason Joseph, eines der grössten Talente, stellte in 13,46 einen U-23-Landesrekord auf, und hielt anschliessend fest, die Leistungsgrenze sei noch nicht erreicht. Zudem sicherten sich die 4x400-m-Staffeln der Frauen und Männern mit zwei guten Zeiten definitiv den Startplatz für Berlin.

Und dann wäre da noch Mujinga Kambundji. In 11,23, sieben Hundertstel über ihrer Saisonbestzeit, gewann sie ihr Heimrennen, auf jener Bahn, die sie aus dem Effeff kennt. Kaum ausgelaufen, wurde sie von Dutzenden Kindern bestürmt. Kambundji erfüllte jeden Autogrammwunsch, weil ihr dieses Meeting am Herzen liegt. «Ich war unglaublich nervös», sagte die Sprinterin. «Die Zeit ist nicht die beste, aber ich wollte einfach gewinnen.» Und heute wird sie ihren 26. Geburtstag feiern.

29 Jahre später - und vom Neufeld ins Wankdorf

6500 Zuschauer waren 1989 ins Neufeldstadion geströmt, als in der Hauptstadt letztmals ein internationaler Leichtathletik-Wettkampf stattfand, 2800 kamen gestern ins Wankdorf. Das sind mehr, als die Organisatoren erwartet haben. Diese Kulisse zeigt, dass ein Meeting in Bern Potenzial hat - zumal die Schweizer Leichtathletik heute selbst über Spitzenathleten verfügt, die ein Kleinstadion füllen können.

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