Sclabas und Wieland im Gold-Taumel

An den U-20-Europameisterschaften in Borås (Schweden) sorgen der Berner Simon Wieland und die Bernerin Delia Sclabas für die Schweizer Titel Nummer 2 und 3.

Schneller als Delia Sclabas war über 1500m keine.

Schneller als Delia Sclabas war über 1500m keine.

(Bild: Freshfocus)

Delia Sclabas hatte diese Goldmedaille vor Augen. Über zwei Distanzen wagte sich die 18-Jährige aus Kirchberg an den Start. Fünf Rennen in vier Tagen bedeutete dies, ein Mammutprogramm. Und die erste Entscheidung endete für sie zwiespältig, um nicht zu sagen enttäuschend. «Ich bin zufrieden mit der Zeit, aber unglücklich mit dem Rang», sagte sie selber dazu.

Platz 2 belegte sie über 800 m hinter der Britin Isabelle Boffey. 44 Hundertstel fehlten ihr nach den 2:03,36 Minuten zum Sieg. Als Saisonbeste (2:03,01) hatte sie das Rennen als Favoritin in Angriff genommen. Die offensive Taktik – sie führte das Feld von Beginn weg an, erarbeitete sich einen deutlichen Vorsprung – führte aber nicht zum Vollerfolg. Vielmehr musste sie dem Kraftakt Tribut zollen und auf den letzten 150 Metern um die Positionen kämpfen. Zum Sieg reichte es nicht. Platz 2 war nicht das Wunschergebnis.

«Abhaken, mich erholen und vorwärtsschauen», sagte sie sich. Und das realisierte sie bewundernswert. Mit einer deutlich weniger aggressiven Taktik lief sie über die 1500 m. Sie hielt sich in den vorderen Positionen auf, überliess aber ihren härtesten Gegnerinnen die Initiative. Bis auf die Schlussrunde. Diese legte sie in erstklassigen 59 Sekunden zurück. Diesem Tempolauf war niemand gewachsen. «Ich bin unglaublich glücklich», sagte sie, und die Erleichterung war ihr ins Gesicht geschrieben. Ihre mentale Einstellung vor dem Rennen beschrieb sie mit: «Ich habe nichts zu verlieren.» Sie war so etwas wie der Schlüssel zum Erfolg.

Wieland: «Kein böses Blut»

Nicht in der Favoritenrolle trat Simon Wieland zum Finale im Speerwerfen an. Dem 19-Jährigen passte die Position des Aussenseiters. Er sagte sich: «Ich bin in Form, kann weit werfen, und was meine Konkurrenten können, kann ich auch.» Und wie er das umsetzte. Nach 74,26 m liess er 78,29 m folgen: die Führung und Schweizer Rekord. Doch der Litauer Krisjanis Suntazs konterte mit 79,23 m. Wieland liess das kalt. Im dritten Versuch landete sein Wurfgerät bei 79,44 m. Am Klassement änderte sich nichts mehr.

Goldmedaille und ein Schweizer Rekord: Simon Wieland war seinen Speer 79,44 Meter weit. (Bild: Freshfocus)

«Das war ganz krass, ich war unglaublich im Tunnel», sagte er. Und das Auf und Ab meisterte er, «obwohl ich immer wieder zweifelte». Aufgebaut hatte er sich jeweils mit dem Blick zu seinem Bruder und Coach Lukas Wieland. «Es kommt gut», fühlte er dann jeweils. Und mit einem Lachen antwortete er auf die Frage, was der Bruder wohl dazu sage, dass er, Simon, ihm den U-20-Rekord entrissen hat: «Das gibt kein böses Blut.»

Die Wielands sind eine Werferfamilie: Sechs Kinder, und alle fühl(t)en sich hingezogen zu Speer, Kugel, Diskus. «Wir pushten und pushen uns», sagt Simon, «und wir haben es unglaublich gut und lustig untereinander.» Seinem Umfeld gegenüber fühlt sich der Sportklasse-Gymnasiast «sehr dankbar und verbunden».

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