Viel Arbeit hier, viel Vorfreude da

Am Samstag findet in Bern mit dem Citius-Meeting der erste internationale Leichtathletikwettkampf seit drei Jahr­zehnten statt. Die Premiere prägen, will vorab die nationale Elite um Mujinga Kambundji.

Am Samstag sind Hürdenläuferin Léa Sprunger sowie die Schweizer Rekordhalterin im 100 Meter und 60 Meter, Mujinga Kambundji, am Start. Video: sda
Marco Oppliger@BernerZeitung

So hatte sich das Léa Sprunger bestimmt nicht vorgestellt. Die Romande trainiert auf der Rundbahn des Leichtathletikstadions Wankdorf – also, sie versucht es zumindest. Denn um sie herum kreischt und hüpft es. Eine Schule hat die Anlage für einen Sporttag in Beschlag genommen, was Sprungers Trainer Laurent Meuwly nicht wusste. Und so müssen die beiden improvisieren respektive den Kindern aus dem Weg gehen.

Ein paar Minuten später steht Sprunger dann im Zentrum des Interesses, gemeinsam mit Alex Wilson, Julien Wanders und natürlich Mujinga Kambundji. Sie sind die Aushängeschilder des ­Citius-Meetings, das am Samstag erstmals ausgetragen wird. Der Begriff Citius ist vom Lateinischen abgeleitet und bedeutet: schneller.

Entsprechend stehen im Wankdorf die Sprint- und Laufdisziplinen im Fokus. Der Aufmarsch der helvetischen Vorzeigeathleten an der Medien­konferenz soll indes nicht da­rüber hinwegtäuschen, dass in Bern erstmals seit 1989 wieder ein internationaler Leichtathletikwettkampf stattfindet.

2200 Tickets verkauft

Möglich gemacht haben das sechs junge Männer. Sie haben mit viel Leidenschaft und Fronarbeit dafür gesorgt, dass Bern nach fast drei Jahrzehnten wieder einen Platz auf der Leichtathletiklandkarte erhält. «Eineinhalb Jahre haben wir nun darauf hingearbeitet», sagt Raphael Clemencio, im OK für Kommunikation und Buchhaltung zuständig.

Im Fokus: Mujinga Kambundji, Julien Wanders, Alex Wilson und Léa Sprunger sollen am Samstag im Wankdorf für Begeisterungsstürme sorgen. Foto: Ulf Schiller

Bis es losgehen kann, werden die Organisatoren aber Vollgas geben müssen. Denn wegen des Sporttages können sie erst heute mit der Aufbau der Meeting-Infrastruktur beginnen. Rund 140 Helfer haben sie dafür zusammen­getrommelt. Nebenbei müssen sie die ausländischen Athleten von den Flughäfen in Zürich, Genf und Basel abholen.

Auch wenn es gerade nicht an Arbeit fehlt, dürften die Organisatoren zwei Faktoren zuversichtlich stimmen: 2200 der 2500 Tickets wurden im Vor­verkauf abgesetzt, und die Wetterprognosen prophezeien einen lauen Sommerabend.

Wilson will es «easy» nehmen

Letzteres wiederum dürfte Sprunger, Wilson, Wanders, Kambundji und Co. freuen. Schliesslich sind das ideale Bedingungen für Topleistungen. Und so überrascht es kaum, versprechen sich die Schweizer Protagonisten von ihrem Heimspiel einiges. Kambundji beispielsweise, die so stark wie noch nie in die Saison gestartet ist, schliesst mit dem Citius-Meeting ihre erste Saisonphase ab.

Kambundji stellt in Aussicht, dem Publikum durchaus etwas bieten zu wollen. Und mit Ivet Lalova haben die Organisatoren eine ­veritable Herausforderin für die Könizerin verpflichtet; die Bulgarin belegte an der EM 2016 über 100 Meter Rang 2 – vor Kambundji.

Alex Wilson hat am vergangenen Sonntag gar auf einen Einsatz am Diamond-League-Meeting in Stockholm verzichtet, weil er Schmerzen im rechten Oberschenkel bekundete – und hinsichtlich des Heim-Meetings nichts riskieren wollte. «Nun will ich es easy angehen», meint er, und fügt dann an, «damit kann ich die 200 Meter immer noch in 20,30 laufen.»

Vor sechs Jahren trat er letztmals im Wankdorf an, sicherte sich an der Schweizer Meisterschaft in 20,66 den Sieg. Vor zwei Wochen lief er die halbe Bahnrunde 37 Hundertstel schneller, stellte damit einen neuen Landesrekord auf. Wilson lächelt und meint dann: «Ich freue mich, wieder hier zu sein.»

Und ja, dann wäre da noch Léa Sprunger. Anders als bei Kambundji und Wilson ist der Saisonstart der Langhürdlerin durch­zogen verlaufen. «Schlecht, gut, schlecht», meint sie, angesprochen auf ihre drei Rennen. Es gelte nun, im Kopf stark zu sein, sich auf die positiven Dinge zu fokussieren. In Bern übrigens wird Sprunger mit der 4×400-Meter-Staffel antreten. Mit einer guten Zeit will sich die Equipe das Ticket für die EM in Berlin sichern. Die gute Nachricht ist: Am Samstag werden Sprunger im Wankdorf ganz sicher keine Kinder im Weg stehen.

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