Zum Hauptinhalt springen

«Vor Hamilton ziehe ich mein Kapperl»

Der dreifache Weltmeister Niki Lauda äussert sich über den jüngsten Weltmeister – eine «Lauda-tio» auf Lewis Hamilton.

Zum ersten Mal gewann der Argentinier Juan Manuel Fangio 1951 im Alfa Romeo die Weltmeisterschaft.
Zum ersten Mal gewann der Argentinier Juan Manuel Fangio 1951 im Alfa Romeo die Weltmeisterschaft.
Keystone
Der Italiener Alberto Ascari gewann sowohl 1952...
Der Italiener Alberto Ascari gewann sowohl 1952...
Keystone
Der Deutsche Sebastian Vettel krönte sich am 14. November 2010 dank seinem Triumph in Abu Dhabi mit 23 Jahren und 134 Tagen zum jüngsten Weltmeister der Geschichte.
Der Deutsche Sebastian Vettel krönte sich am 14. November 2010 dank seinem Triumph in Abu Dhabi mit 23 Jahren und 134 Tagen zum jüngsten Weltmeister der Geschichte.
Keystone
1 / 18

Lewis Hamilton hat mit Mühe und Not und viel Glück den Titel gewonnen. Verdient? Ja, wer die meisten Punkte holt, ist verdienter Weltmeister. Hamilton hat ein diszipliniertes Rennen hingelegt und bewiesen, dass er auch langam schnell fahren kann. Das heisst: mit Köpfchen. Das war entscheidend. Glück gehört immer dazu. Hamilton fand es durch Glocks Schicksal gerade rechtzeitig.

Wie beurteilen Sie Lewis Hamilton fahrerisch? Absolute Spitze, er ist sehr schnell, sehr aggressiv, hat tolle Fahrzeugkontrolle, attackiert gern. Rennen machen ihm Spass, das Fahren macht ihm Spass, das sieht man, denn er steht öfter mal quer, er beisst. Er ist ein Vollblutrennfahrer.

Was zeichnet ihn besonders aus? Ich denke schon, dass es seine Aggressivität ist. Er will immer gewinnen, liebt Zweikämfe, geht keinem Duell aus dem Weg. Er hat wirklich Mumm und Sportsgeist.

Was beeindruckt Sie noch? Dass er von Beginn weg seiner Formel-1-Karriere 2007 ein Topfahrer war, das sieht man selten. Sicher hatte er im McLaren-Mercedes das richtige Werkzeug und ein Topteam dazu. Auch ein gutes Umfeld mit seinem Vater Anthony als Manager. Aber das alles hat Heikki Kovalainen dieses Jahr auch. Und trotzdem hat er nicht den gleichen Erfolg. Es erfordert eben auch besonderes Talent, mit einem Topauto den Titel zu holen.

Was schätzen Sie höher ein: Hamiltons Titel bei geringer Formel-1-Erfahrung oder die Gabe, im Alter von 23 Jahren, als jüngster Weltmeister zu siegen? Letzteres weniger, denn er ist ja schon seit 15 Jahren Profi. Aber nach nur 35 Formel-1-Rennen Weltmeister zu sein, ist in der heutigen Zeit eine stolze Leistung. Sein Vorgänger Fernando Alonso hatte bei seinem Titelgewinn 2005 schon zwei F1-Saisons mehr auf dem Buckel.

Wieviel Potenzial sehen Sie bei Hamilton nach oben? Sehr viel, denn er ist ja noch jung. Wenn er darauf aufbaut und beharrlich weiter lernt und seine Erfahrung nach und nach mit seinem Talent zusammenbringt, kann es für ihn immer weiter aufwärts gehen. Dann sehe ich keine Grenze.

Sehen Sie ihn auf gleicher Höhe wie Ayrton Senna, Michael Schumacher oder Sie selber? Ja, aber wie gesagt, er muss immer weiter aus seinen Fehlern und Rückschlägen, die sicher kommen, lernen und das Gelernte umsetzen. Wenn er in jedem Jahr die Fehler vom vorangegangenen abstellt, geht es immer weiter. Denn das Wichtigste, das Tempo, hat er.

Um ein Rennfahrer der Extraklasse zu werden, war immer Charisma gefragt. Wie schneidet Hamilton da ab? Er ist ein starker Typ. Ich finde ihn offen, symphatisch, auch intelligent. Aber natürlich kann er noch nicht die Ausstrahlung eines ausgewachsenen Superstars haben. Aber er kann Sie noch kriegen. Nochmals: Er ist ein würdiger Weltmeister. Vor Hamilton ziehe ich mein Kapperl.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch