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Die wahren Feinde

Sportredaktor Adrian Ruch berichtet von seinen Erlebnissen in Südkorea.

Als im Januar US-Präsident Donald Trump den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un provozierte und twitterte, er verfüge über den grösseren Knopf zum Auslösen von Atomwaffen, dürfte er beim einen oder anderen Olympiateilnehmer und -besucher ein flaues Gefühl ausgelöst haben.

Die Gastgeber gaben sich in der Folge noch mehr Mühe, ihre nörd-lichen Nachbarn zu ­integrieren und dadurch eine ­explosive Stimmung auf der ­koreanischen Halbinsel zu ­verhindern.

Zudem warfen sie die PR-Maschine an. Im KTX-Schnellzug, der von Seoul ins Olympiagebiet fährt, liegen als Beruhigungsmassnahme Faltblätter auf. Pyeongchang 2018 werde zu den Olympischen Spielen des Friedens, heisst es etwa. Und: «Be-sucher können sich ihrer Sicherheit vollkommen sicher sein.»

Sowie: «Südkorea ist bezüglich Terrorismus eines der sichersten Länder der Welt.» Angst scheint hier niemand zu haben. Waren an den Sommerspielen in Rio de Janeiro grimmige Männer mit Maschinenpistolen omnipräsent, ist das Sicherheitskonzept hier eher lasch.

Die Taschen werden längst nicht auf Flughafenniveau durchleuchtet, Flüssigkeiten etwa meistens über-sehen oder toleriert. Zudem wäre es für einen Bewaffneten vielerorts ein Leichtes, sich Zugang zu verschaffen. Und dort, wo es ­Sicherheitspersonal hat, wirkt dieses alles andere als furcht-einflössend. Aber vielleicht trügt der Schein und die schmächtigen Jünglinge beherrschen allerlei asiatische Kampfkünste.

Die Polizisten in ihren leuchtenden Neonjacken sieht man oft plaudernd herumstehen. Ich habe schon beobachtet, wie sich eine Gruppe an eine andere Patrouille anschlich, um sich die Langeweile zu vertreiben. Trotzdem wäre es falsch, zu behaupten, das Thema Sicherheit nähme niemand ernst.

So werden ab und zu Warnungen auf alle Mobiltelefone verschickt – zum Beispiel mit der Aufforderung, ältere Leute sollten aufgrund der Temperaturen im Haus bleiben. Und die Volunteers weisen am Eingang des Esssaals stets freundlich, aber bestimmt darauf hin, dass die Hände zu desinfizieren seien.

Wahrscheinlich haben die Südkoreaner recht; am meisten Gefahr droht nicht von Kriminellen aller Art – die ärgsten Feinde sind hier wohl tatsächlich der kalte Wind und das ­Norovirus.

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