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Ein «Zwätschge» wäre nicht schlecht

Ein Oberländer in Pyeongchang: Peter Flück berichtet von den eisigen Temperaturen bei den Olympischen Winterspielen.

Sicher haben auch Sie schon von den kalten Temperaturen gelesen oder gehört, die hier auf dem Wettkampfgelände herrschen. Zusammen mit dem kräftigen Wind fühlen sich die am Thermometer angegebenen –15 Grad noch deutlich kälter an. Trotzdem wagte ich mich zum Langlauf- und zum Biathlonrennen der Männer.

Wie werden die Athleten vor dem Wettkampf mit diesen Temperaturen umgehen? Warten sie in einem warmen Raum auf ihren Einsatz? Oder draussen, eingepackt in dicke Jacken, Hosen und Mäntel? Etwa gar so wie die Zuschauer, ­alle dick verpackt, mit Mützen, Handschuhen und dicken Kleidern?

Zuerst geduldig wartend vor der Sicherheitsschleuse, dann Jacke weg, alles Elektronische ins Kästchen, durch die Sicherheitsschleuse – und sofort wieder in die warme Jacke und in der Kolonne zum Stadion marschieren. Dann wieder geduldig warten, bis die Athleten starten. Und zwar nicht drinnen in der warmen Stube oder gar im Restaurant bei einem «Zwätschge», sondern in der Kälte.

Und die Athleten? Nichts mit warmem Raum, nichts mit dick verpackt – nein, eine knappe Stunde vor dem Lauf sehe ich sie einlaufen: Die meisten bereits im Renndress, einige wenige geschützt mit einer Jacke, teilweise mit einem Gesichtsschutz, die Biathleten bereits mit dem Gewehr.

Und dann dieses Tempo: Bereits beim Warmmachen nichts Zaghaftes – nein, mit hohem Tempo zischen sie vor der Tribüne vorbei, kraftvoll in die Steigung hinein, um gleich hinter dem Hügel zu verschwinden. Das blieb so bis kurz vor dem Start, dann deponierten sie ihre Jacken im Vorbereitungsraum im offenen Gelände, die Betreuer kon­trollierten noch einmal die Ausrüstung, und schon gings zur Startaufstellung.

Und wie es losging! Auch hier nichts Abwartendes, nichts Taktierendes – nein, in grossem Tempo über die Ebene bis zur ersten Steigung – und weg waren sie. Auch zur Siegerehrung nach dem Rennen gab es für die Athleten, noch immer im Wettkampfdress, keine wärmende Stube.

Zudem lief dauernd noch ein Offizieller mit. Wer war das wohl? Das sind sogenannte Schatten, liess ich mir ­sagen, sie begleiten die Athleten zur Dopingkontrolle. Sie sind verantwortlich, dass der Athlet nichts mehr zu sich nimmt.

Und wie halten sich denn nun die Zuschauer warm? Immerhin ermöglichen die Cheerleaderinnen vor dem Wettkampf mit viel Musik ein Warm-up. Und während des Wettkampf halfen Schreien und Klatschen für die Athleten am besten gegen die Kälte.

Zum Glück – denn auch nach dem Wettkampf hätte ich die Dopingkontrolle fehlerfrei überstanden – es gab einfach nirgends einen «Zwätschge»!

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