Andy Rihs – Der Unternehmer

Der Unternehmer und Sportmäzen Andy Rihs ist tot. Reich wurde er mit Hörgeräten. Seine Liebe aber galt dem Radsport.

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Stefan Schnyder@schnyderlopez

Rihs war als Hörgeräteunternehmer reich geworden. Zusammen mit seinem Bruder Hans-Ueli und Beda Diethelm übernahm er im Jahr 1966 das Unternehmen seines Vaters. Rihs führte Phonak mit Sitz in Stäfa ZH als operativer Chef zu ungeahnter Grösse. ­Heute heisst das Unternehmen Sonova und ist mit einem ­Umsatz von 2,4 Milliarden Franken Weltmarkt­führer.

Ab 1992 war er Chef und Verwaltungsratspräsident in Personalunion. Im Jahr 2000 gab er die operative Führung des Unternehmens ab, blieb aber Präsident. Rihs musste schliesslich im Jahr 2012 wegen einer unerfreulichen Geschichte als Präsident abtreten. Der damalige Firmenchef Valentin Chapero behielt eine Gewinnwarnung während zwei Wochen für sich. Rihs hatte in diesem Zeitraum ein Aktienpaket im Wert von 37,5 Millionen Franken abgestossen.

Er beteuerte, nichts von den schlechten Verkaufszahlen gewusst zu haben. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen ­Insiderhandels ein, sie stellte ­diese allerdings im gleichen Jahr ein, da sie kein Vergehen feststellen konnte. Rihs gab das Präsidium ab, blieb aber bis 2015 im Verwaltungsrat. Zuletzt hielt er noch einen Anteil von 3 Prozent an Sonova.

Sein Reichtum lässt sich nicht genau beziffern. Das Wirtschaftsmagazin schätzt das Vermögen von Andy Rihs, Hans-Ueli Rihs sowie Beda Diethelm auf 2,0 bis 2,5 Milliarden Franken.

Seine Berner Wurzeln

Obwohl Rihs sein ganzes Leben mehrheitlich im Kanton Zürich verbracht hatte, fühlte er sich auch ein wenig als Berner. Seine Beziehung zum Kanton Bern ­umschrieb er gegenüber dieser Zeitung so: «Ich bin ein Berner, mein Heimatort ist Meinisberg im Seeland. Meine Mutter ist in Aarwangen aufgewachsen, der Vater zog vom Seeland in den Kanton Zürich, wo ich aufwuchs.»

Die Liebe zum Radsport

Das Herz von Andy Rihs schlug nicht in erster Linie für den Fussball und die Berner Young Boys sondern für den Radsport. «Der Radsport ist mein Leben und mein liebstes Hobby», sagte er einmal zu dieser Zeitung.

Er selbst fuhr jedes Jahr mehrere Tausend Kilometer — selbst in den letzten Jahren vor dem Ausbruch seiner schweren Krankheit. Für sein Hobby gab er auch viel Geld aus: Der Hörgerätehersteller Phonak — heute Sonova — war während mehrerer Jahre der Sponsor eines der besten Radsportteams der Welt.

Ein Engagement das im Jahr 2006 mit dem Tour-de-France-Sieg von Floyd Landis die vermeintliche Krönung erfuhr. Doch kurze Zeit später stellte sich ­heraus, dass das Team im grossen Stil Doping einsetzte. Es war der wohl grösste Tiefschlag im Leben von Andy Rihs. Landis wurde der Sieg aberkannt.

Es ist aber nicht anzunehmen, dass dem Radsportkenner Rihs nicht bewusst war, dass Doping im professionellen Radsport gang und gäbe war. Doch die Faszination für den Radsport war zu gross. Das Risiko, Teil eines grossen Betrugs zu sein, ging er ein. Rihs zog nach dem Skandal aber die Konsequenzen und löste das Phonak-Team auf. Das Hörgeräteunternehmen benannte er in Sonova um.

Zweiter Anlauf im Radsport

Doch die Faszination für den Radsport liess ihn nicht los. Im Jahr 2009 präsentierte er wieder eine Profi-Equipe. Diesmal trat er mit seiner Fahrradmarke BMC als Sponsor auf. Diese hatte er ein paar Jahre vorher mit viel Geld gegründet.

Im Jahr 2011 erfüllte sich sein Traum eines — regulären — Tour-de-France-Sieges dann doch noch: Der Australier und BMC-Fahrer Cadel Evans fuhr im Gelben Leadertrikot in Paris ein.

In den Folgejahren konnte das BMC-Team im Kampf um den Toursieg indes nicht mehr ganz mithalten. Doch auch dieses Hobby ist teuer. 25 Millionen Franken soll Rihs für dieses Engagement jährlich ausgegeben haben.

Rihs tat aber sonst viel für den Radrennsport. Er finanzierte in Grenchen eine moderne ­Radrennhalle, damit Nachwuchskräfte in der Schweiz eine optimale Trainingsmöglichkeit vorfinden. Zudem war es seinen Kontakten zu Tour-de-France-Chef Christian Prudhomme zu verdanken, dass im Jahr 2016 die Stadt Bern zum Etappenort der Tour de France wurde.

Der Fahrrad-Unternehmer

Einen weiteren Bezug zum Kanton Bern hatte Rihs als Fahrrad-Unternehmer. Er kaufte im Jahr 2011 dem Berner Unternehmer Thomas Binggeli die E-Bike-Herstellerin Stromer ab und integrierte sie in seine BMC Group. Binggeli wurde im Fahrrad­geschäft sein Mann des Vertrauens.

Rihs machte «Thömu» zum Chef der seiner BMC Group mit Sitz in Grenchen. Die drei ­Marken BMC, Stromer und Berga­mont gehörten zur Gruppe. Im März 2013 war Geldgeber Rihs stolz bei der Eröffnung des neuen Stromer-Hauptsitzes in Oberwangen mit dabei.

Er schreckte aber auch nicht vor harten Entscheiden zurück, wenn er es als nötig erachtete. So setzte er Binggeli im Dezember 2013 vom BMC-Chefposten ab, machte ihn aber zum Präsidenten der BMC Group.

Im Frühling 2017 vollzog er einen weiteren Bruch: Er löste im März des vergangenen Jahres die Stromer AG wieder aus der BMC Group heraus, blieb aber zusammen mit Binggeli Mehrheits­aktionär beim E-Bike-Hersteller.

Zudem holte er neue Investoren an Bord. Dies auch im Sinne einer Nachfolgeregelung. Insgesamt hat ihn auch das Engagement bei Stromer einiges gekostet. Die ­Rede ist von ungedeckten Investitionskosten von 40 bis 60 Millionen Franken.

Der Genussmensch

Rihs war auch ein Geniesser: Wenn er im Stadt de Suisse war, rauchte er mit dem ehemaligen Berner Stadtpräsidenten Alexander Tschäppät gerne eine Zigarre, wie er erzählte.

Die schönen ­Seiten des Lebens pflegte er vor allem in der Provence zu geniessen. Er hat im Örtchen Gargas im Département Vaucluse das Hotel La ­Coquillade mit 64 Zimmer ­bauen lassen. Und verbrachte dort so viel Zeit wie möglich.

Seine Söhne

Andy Rihs hat zwei Söhne. Sein Sohn Tobias ist Architekt und war Betreiber eines Partylokals auf dem Zürcher Toni-Areal. Sein 46-jähriger Sohn Oliver wohnt in Berlin und ist als Filmregisseur tätig. Andy Rihs rechnete nie damit, dass einer seiner Söhne seine ­Geschäfte weiterführen würden.

Gegenüber dem «Blick» sagte er im Sommer 2016: «Mir ist egal, was meine Kinder mit allem, was ich aufgebaut ­habe, machen. Aber den Weinberg bei meinem ­Hotel in der Provence müssen sie behalten. Guten Wein zu machen ist eine Generationenangelegenheit».

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