Die Fitness-App als Lebensretterin

Der Direktor des Radteams Trek-Segafredo verunfallte bei einer Ausfahrt. Auch dank Twitter und Strava wurde er gerettet.

Trek-Segafredo-Manager Steven de Jongh.

Trek-Segafredo-Manager Steven de Jongh.

(Bild: Trek-Segafredo)

Christian Brüngger@tagesanzeiger

Als Steven de Jongh nach einer Ausfahrt mit seinem Rennvelo einfach nicht mehr nach Hause kam, twitterte seine Frau Renee: «Menschen auf Twitter, bitte helft mir. Mein Mann Steven de Jongh fuhr heute mit dem Rad aus und wird seit 10.30 Uhr vermisst.» Zugleich informierte sie die örtliche Polizei an ihrem Wohnort Girona in Spanien. De Jongh ist ein früherer Radprofi aus Holland und managt heute das Team Trek-Segafredo. Der Aufruf führte zu einer wohl beispiellosen Suchaktion.

Den Aufruf leiteten viele Radfreunde via Twitter weiter. Zugleich begann ein offizieller Trupp auch mit einem Helikopter nach De Jongh zu suchen. Der Durchbruch kam, als sich ein «Gümmeler» das Strava-Profil von De Jongh anschaute. Strava ist ein soziales Netzwerk zum internetbasierten Tracking sportlicher Aktivitäten.

Ausdauerathleten laden ihre Trainings auf die Plattform hoch. Diese sind dann für alle anderen Mitglieder einsehbar. Im Fall von De Jongh speicherte das Tool automatisch dessen Fahrt, als er vermisst wurde. Anhand der Informationen zeigte sich, dass De Jongh in der Nähe einer Abfahrt zum Stillstand gekommen war. Zumindest wies Strava danach keine weiteren Aktivitäten mehr aus. Mittels dieser Informationen konnte der Suchhelikopter in die entsprechende Region geleitet werden – wo er De Jongh bewusstlos in einem Tobel auffand.

Keine Erinnerung an Sturz

Obschon der Ex-Profi seit mehreren Stunden dort gelegen hatte, konnte er dank medizinischer Hilfe rasch aufgepäppelt und ins örtliche Spital geflogen werden. Die Mediziner diagnostizierten starke Prellungen und eine massive Gehirnerschütterung – aber keine lebensbedrohenden Verletzungen. Seine Frau twitterte darum: «Danke, liebe Menschen auf Twitter. Wir haben Steven gefunden. Er ist okay und nur leicht verletzt.» Ob De Jongh selbst stürzte oder zu Fall gebracht wurde, klärt die Polizei zurzeit ab. Der Glückliche dürfte bei den Abklärungen keine Hilfe sein: De Jongh kann sich nicht erinnern, was rund um den Unfall geschah.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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