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Pösteler am Morgen, Radquer-Weltcupfahrer am Nachmittag

Andreas Moser war der einzige Berner am Weltcup-Eliterennen in Bern. Der Familienvater aus Madiswil belegte Rang 47. Als Amateur war der Pösteler und Bäcker gegen die Profis aus Holland und Belgien chancenlos.

Das Weltcupwochenende im Radquer sorgte für spektakuläre Bilder vor dem grossen Bassin im Weyerli.
Das Weltcupwochenende im Radquer sorgte für spektakuläre Bilder vor dem grossen Bassin im Weyerli.
Peter Schneider, Keystone
Über 5'000 Zuschauer zog der Radquer-Weltcup ins Freibad Weyermannshaus.
Über 5'000 Zuschauer zog der Radquer-Weltcup ins Freibad Weyermannshaus.
Manuel Zingg
Bei den Frauen gewann die 31-jährige Niederländerin Marianne Vos (2. von links).
Bei den Frauen gewann die 31-jährige Niederländerin Marianne Vos (2. von links).
Peter Schneider, Keystone
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Als im Eliterennen vorne an der Spitze mit Mathieu van der Poel (NED) und den Belgiern die Post abging, hatte Andreas Moser bereits kein Brot mehr. Das war indes nicht verwunderlich, schliesslich ist der 34-Jährige auch nicht Radprofi, sondern Pösteler und Bäcker.

Zu Hause in Madiswil hat der gelernte Bäcker-Konditor im Keller das «Moser’s Bäckerstübli» eingerichtet. «Auf Anfrage stelle ich vom Butterzopf bis zur Cremeschnitte alles her, was gewünscht wird.»

Der 34-jährige Madiswiler verfügt über ein eigenes «Bäckerstübli»... Bild: Beat Mathys
Der 34-jährige Madiswiler verfügt über ein eigenes «Bäckerstübli»... Bild: Beat Mathys

Das Einkommen generiert der Oberaargauer indes mit dem 65-Prozent-Arbeitspensum bei der Post. «Ich mag meinen Job als Briefträger, aber meine Leidenschaft gehört dem Radsport. Ich wäre gerne Profi geworden, aber ich war in der entscheidenden U-23-Phase zu wenig schnell.»

So verlief denn die Vorbereitung auf den Radquer-Weltcup in Bern für ihn als Amateur anders als bei den Profis. Noch am Samstagmorgen verteilte Moser in Ursenbach Post in die Briefkästen.

... ist aber seit gut fünf Jahren als Briefträger tätig. Bild: Beat Mathys
... ist aber seit gut fünf Jahren als Briefträger tätig. Bild: Beat Mathys

Am Mittag fuhr er mit der Familie im Wohnmobil nach Bern. «Meine Renneinsätze sind meistens Familienausflüge.» Ehefrau Corinne amtet dabei als Helferin und sorgt für die Verpflegung.

Am Nachmittag standen nach der Streckenbesichtigung die Kids-Rennen der Söhne Andrin (9) und Mirco (7) an. «Sie belegten in ihren Kategorien die Plätze 2 und 3 und haben somit die Familienehre gerettet», erzählt Moser. Zudem habe der Jüngere zur Freude der ganzen Familie bei einer Verlosung noch ein Quervelo gewonnen.

Selber konnte Moser am Sonntag im Weltcuprennen nicht brillieren. Ganz zuhinterst gestartet, schaffte er es nie wirklich weit nach vorne. «Ich wusste natürlich, dass es hart werden würde, aber dennoch war ich mit Ambitionen gestartet.» Nach 9 der 11 Runden wurde Moser mit 7 anderen Fahrern aus dem Rennen genommen, weil der Rückstand auf den Leader und späteren Sieger Van der Poel zu gross war.

Ist begeistert vom Event, aber enttäuscht von seiner Klassierung: Andreas Moser. Bild: Manuel Zingg
Ist begeistert vom Event, aber enttäuscht von seiner Klassierung: Andreas Moser. Bild: Manuel Zingg

Am Ende wurde der Oberaargauer als 47. gewertet. «Der Blick auf die Rangliste ist brutal.» Trotz der Enttäuschung bereut der Amateur die Teilnahme nicht. «Das war ein cooler Event.» Als Mitorganisator des Flückiger-Cross in Madiswil weiss er, was es dafür braucht, ein internationales Radquerrennen auf die Beine zu stellen.

Eigentlich Mountainbiker

Das ernüchternde Resultat in Bern vermag Moser schon kurz nach dem Ende realistisch einzuordnen. Als früherer erfolgreicher Leichtathlet über die Mitteldistanz und Sieger des Wettbewerbes «dr schnällscht Bärner» bevorzugt Moser Querrennen mit längeren Laufpassagen und Anstiegen. Beides fehlt bei der Strecke im Freibad Weyermannshaus.

Sowieso ist Moser vor allem Mountainbiker. Seit drei Jahren bestreitet er vorwiegend Marathonrennen. Diese Saison belegte er in der nationalen Wertung den vierten Rang. «Hinter drei Profis», betont er. «Neben dem dritten Platz an der Eiger-Bike-Challenge hatte ich vor allem mehrere vierte Ränge. Vielleicht ist mein Halbprofistatus der Grund, dass es mir öfters nicht ganz auf das Podest reicht.»

Regeneration leidet

Er trainiere genauso umfangreich wie die Profis, «aber für die Regeneration bleibt mir natürlich weniger Zeit». Jammern will Moser deswegen nicht. So ist er am Montag früh schon wieder als Pösteler unterwegs. «Am Nachmittag ist dann Ruhetag.» Das bedeutet Velos putzen, auch diejenigen der Kinder.

Denn schon am kommenden Wochenende reist Familie Moser ans nächste Rennen. Am internationalen Radquer von Steinmaur hofft der Papa dann jedoch, nicht mehr derart hartes Brot essen zu müssen wie am Sonntag am höher dotierten Weltcuprennen in Bern.

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