Zürcher Grösse gegen Berner Charme

Wer darf 2024 die Rad-WM austragen? Diese Woche entscheidet der Verband, welche Schweizer Stadt den Vorzug erhält.

Als der Radsport in Zürich noch die Massen anzog: Beat Breu jubelt 1981 an der Züri-Metzgete. Foto: Keystone

Als der Radsport in Zürich noch die Massen anzog: Beat Breu jubelt 1981 an der Züri-Metzgete. Foto: Keystone

Emil Bischofberger@bischofberger

Es ist die Woche der Wahrheit für Zürich. Oder sagen wir: zumindest für Velo-Zürich. Am Mittwochabend entscheidet der Vorstand von Swiss Cycling, welche Stadt die Strassen-WM 2024 organisieren darf. Zwei Schwer­gewichte treten dabei gegeneinander an: Bern und Zürich.

Es ist eine Ausmarchung auf hohem Niveau. Was bislang von den beiden Dossiers publik wurde, lässt darauf schliessen, dass beide Kandidaten sich berechtigte Hoffnungen machen können. Die zwei Städte treten in ihren bekannten Rollen an. Hier Bern, das mit Charme und Fachkompetenz punkten will, da Zürich, das seine weltweite Ausstrahlung und grössere Kapazität betont. Beide Städte präsentieren WM-Budgets um 20 Millionen Franken, bei beiden stehen Stadt- und Kantonsparlamente hinter den Kandidaturen.

Zürich versucht in seiner Kandidatur die Vergangenheit und die Zukunft zu verschmelzen: Die Vergangenheit, weil Zürich wohl eine grosse Radsport-Tradition hat, die aber doch schon etwas her ist. Von den grossen Zürcher Radsportinstitutionen ist nur mehr die Offene Rennbahn übrig geblieben. K&K (Koblet&Kübler) sind schon lange nicht mehr, auch das Sechstagerennen und die Züri-Metzgete sind passé.

Zürich will mit Fördermassnahmen punkten

Da streichen die Zürcher lieber heraus, dass sie Grossevents im Griff haben, vom Ironman Switzerland über die Street Parade bis zur Leichtathletik-EM vor fünf Jahren. Das Potpourri an Massenevents braucht es in der Waagschale, denn die Berner halten gleich mit mehreren Etappen der Tour de Suisse und der Ankunft der Tour de France 2016 dagegen.

Doch die Zürcher organisierten sich das fehlende Radsport-Knowhow extern. Sie wurden bei der Rennplanung von David Loosli und Olivier Senn beraten, dem aktuellen und dem ehemaligen Direktor der Tour de Suisse, dazu von Thomas Peter von Swiss Cycling. Als Aushängeschild steht mit Stefan Küng der bekannteste Fahrer der aktuellen Schweizer Radgeneration hinter Zürich 2024. Der Thurgauer ist begeistert ob der Zürcher Kandidatur: «Es ist ein Superzeichen, wenn sich eine Stadt von Weltformat für die Rad-WM interessiert. Erst recht, als ich sah, dass man wirklich mit Vollgas dahintersteht, auch coole Ideen über die Rennen hinaus hat.»

Küng spricht die Nebenprojekte an, mit denen Zürich bei der Ausmarchung punkten will. Nicht nur der Radsport, sondern das Velo ganz generell soll noch stärker gefördert werden. Für solche Projekte stellt die Stadt zusätzliche 1,5 Millionen bereit.

Starts draussen im Kanton

Es ist einer der grossen Zürcher Trümpfe: Denn Swiss Cycling verlangt mehr als nur die eine WM-Woche. Der Radverband will die Jahre bis 2024 nutzen, um den Radsport populärer zu machen. Die Leichtathletik-EM 2014 sieht der Verband da als Vorbild. Von den dafür initiierten Förderprojekten profitieren die Leichtathleten bis heute.

Aber auch die WM-Rennen sollen herausragen, in Erinnerung bleiben. Dafür braucht es einen prägnanten Parcours. Dessen Ziel wird bei allen Rennen der Sechseläutenplatz sein. Derweil sollen die Starts zu den Strassenrennen im Kanton stattfinden. Genaue Streckendetails sind vor dem WM-Entscheid nicht öffentlich. Aber zur Schlussrunde, die bei den Strassenrennen mehrfach befahren wird, sind einige Eckpfeiler bekannt. Diese geben dem Rennen den Charakter eines Frühjahrsklassikers – einfach im September. So soll die Fahrt vom Sechseläutenplatz durch die Altstadt gehen, inklusive Pavé-Passage, ehe das Rennen in einer Schlaufe über das Stadtgebiet hinaus und via rechtes Seeufer wieder zurück zum Ziel am Sechseläutenplatz führt, wo die weltmeisterlichen Regenbogentrikots vergeben werden. Sofern das der Vorstand von Swiss Cycling am Mittwochabend auch so sieht.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt