«Frauenfussball ist ehrlicher»

Im Cupfinal der Frauen in Biel fordert YB den Serienmeister und grossen Favoriten FC Zürich.

Meret Wälti und ihre Teamkolleginnen sind heiss auf den Cupfinal. Foto: Raphael Moser

Meret Wälti und ihre Teamkolleginnen sind heiss auf den Cupfinal. Foto: Raphael Moser

Adrian Lüpold

Es ist ein Duell der Gegensätze: Im Cupfinal der Frauen (Samstag, 16 Uhr live, SRF 2) treffen in Biel mit YB und Zürich zwei Teams aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Hier der routinierte FCZ, der in den letzten zehn Saisons acht Meister- und vier Cuptrophäen gewann, in der aktuellen Kampagne schon als Meister feststeht und bekannte Cracks im Kader vereint, die zusammen weit über 300 Länderspiele absolviert haben.

Dort das blutjunge YB mit einem Durchschnittsalter von knapp über 20 Jahren, das zu Beginn der Saison sieben Spielerinnen nach Transfers ins Ausland verlor und in der NLA derzeit nur auf dem vorletzten Platz liegt. Mit der auslanderfahrenen Martina Moser (33) vom FCZ und Meret Wälti (24) von YB gehören zwei Emmentalerinnen zu den Schlüsselspielerinnen und Routiniers bei beiden Equipen. Vor dem Cupfinal äussern sich die in Biglen gross gewordene Moser und Wälti, die in Langnau aufwuchs, zu verschiedenen Themen.

Was können Frauen auf dem Fussballfeld besser als Männer?
Martina Moser: Bei den Frauen sind Schwalben nicht so verbreitet, zudem gibt es weniger Schauspieleinlagen und ganz generell weniger Mätzchen. Natürlich fallen auch bei uns ab und zu blöde Sprüche oder böse Worte zu einer Gegenspielerin. Ich empfinde aber den Fussball bei den Frauen ehrlicher als bei den Männern.

Meret Wälti: Bei uns gibt es weniger Theater auf dem Platz.

«Wieso unterscheiden wir zwischen Fussball und Frauenfussball?» YB-Spielerin Meret Wälti

Nerven die steten Vergleiche mit den Männern?
Moser: Es ist logisch, dass verglichen wird. Wir Frauen schauen den Männern ja auch zu und versuchen Dinge abzuschauen oder wollen Neues lernen. Es ist aber generell so, dass man gerade aus physischer Sicht die beiden Geschlechter nicht vergleichen sollte. Technisch und Taktisch können wir klar mithalten. Das habe ich auch schon beim Jonglieren, im Fussballtennis oder Lattenschiessen einigen männlichen Kollegen, darunter auch sehr gute Fussballer, gezeigt und bewiesen. Generell stehe ich über diesen Vergleichen.

Martina Moser gefällt es beim FC Zürich. Foto: Freshfocus

Wälti: Zuerst einmal verstehe ich nicht, wieso wir zwischen Fussball und Frauenfussball unterscheiden. Es ist und bleibt Fussball. Die Geschichte des Männerfussballs ist viel grösser als jene der Frauen. Man kann nicht erwarten, dass wir jetzt schon am gleichen Punkt angelangt sind. Zudem werden wir im Juniorinnenbereich nicht gleich gefördert. So, wie es beim anderen Geschlecht gehandhabt wird, wünschte ich es mir bei uns auch. Handkehrum möchte ich auch nicht unbedingt, dass der Frauenfussball die Dimensionen der Männer annimmt. Sie werden manchmal wie Menschen von einem anderen Planeten behandelt.

Wie sahen Ihre Anfänge aus? Mass man sich als Mädchen oft mit den Jungs?
Moser: Als Kind kickte ich oft mit meinen zwei Brüdern Adrian (ehemals Profi beim FC Thun, die Red.) und Thomas. Und ich kann mich noch gut an meinen ersten Club Biglen erinnern, wo ich mit den Knaben zusammen spielte. Am Anfang waren noch zwei andere Mädchen dabei, aber die waren schnell wieder weg (schmunzelt). Ich mass mich also gar nicht oft mit anderen Mädchen, das kam erst später. Zu meiner Zeit war es eher aussergewöhnlich als Mädchen Fussball zu spielen.

«Aus physischer Sicht sollte man die Geschlechter nicht vergleichen.» FCZ-Akteurin Martina Moser

Wälti: Eigentlich wollte ich Handball und nicht Fussball spielen. Durch meine ältere Schwester Lia (Nationalspielerin und beim FC Arsenal tätig, die Red.) und meinen Vater ging ich dann ab und zu ins Training mit. Fussball ist bei uns halt so ein Familiending. Als ich aktiv begonnen hatte, wurde in Langnau das erste Frauenteam der Umgebung gegründet – mit meinem Vater als Trainer. In der Region brach ein regelrechter Hype aus. Im Alter von 14 Jahren wechselte ich zu YB.

Es gibt immer mehr junge Spielerinnen, die früh in der NLA mitmischen. Welche Rolle haben Sie als routinierte Spielerin im Umgang mit den Jungen?
Moser: Meine Rolle ist beim FCZ ein bisschen anders als etwa in Hoffenheim, wo ich fünf Jahre lang Captain und der Kopf des Teams war. Aber natürlich sehe ich mich nach wie vor in einer Führungsrolle und übernehme zusammen mit anderen Verantwortung. Da gehört es auch dazu, den Jungen zu helfen, zumal es beim FCZ für die Talente im Moment vielleicht noch etwas schwieriger ist, Fuss zu fassen, als anderswo, weil wir halt viele gestandene Spielerinnen im Kader haben.

Wälti: Es ist spannend. Von 2015 bis 2018 habe ich eine Pause eingelegt. 2015 gehörte ich noch zu den Jüngsten im Team, seit meinem Comeback bin ich die Drittälteste. An die neue Rolle musste ich mich erst einmal gewöhnen. Seither muss ich mehr Verantwortung übernehmen und habe mit meinen 24 Jahren schon eine Vorbildfunktion inne.

Viele der Frauen wecken auch im Ausland Begehrlichkeiten wie zu Saisonbeginn bei YB, als gleich sieben Spielerinnen ins Ausland wechselten.
Moser: Das ist eine schöne Entwicklung. Ich finde es gut, wenn sich eine Spielerin in der Schweiz durchsetzen konnte, dass sie dann den Sprung ins Ausland als Profi wagt. Früher war die Bundesliga das Mass aller Dinge. Heute hat die englische Liga einen enormen Stellenwert, weil Clubs wie Arsenal oder Chelsea viel investieren. In England hätte ich übrigens auch gerne gespielt. Dass man neben dem Fussball eine Fremdsprache lernen kann, macht ein Engagement im Ausland sogar noch reizvoller.

Wälti: Im Schweizer Fussball ist der Lebensstil mit der Doppelbelastung von Schule und Arbeit sehr streng. Es reizt viele, sich für einmal nur auf den Fussball zu konzentrieren. Die Schweiz ist, was das angeht, leider im Verzug. In vielen Ländern wird der Frauenfussball mehr gefördert. Die englische Liga entwickelt sich beispielsweise vorbildlich, weil eben viel investiert wurde. Das zieht deshalb viele junge Spielerinnen an.

Wie sehen Ihre persönlichen Zukunftspläne aus?
Moser: Mein Vertrag läuft im Sommer aus. Meine Motivation, Fussball zu spielen, ist aber ungebrochen, zudem macht es viel Spass beim FCZ, weil wir einen tollen Teamgeist haben und ich mich nach wie vor fit fühle. Ich kann mir gut vorstellen, ein weiteres Jahr anzuhängen. Ich merke jetzt schon, dass es kein einfacher Schritt sein wird, irgendwann zu sagen: Jetzt ist fertig.

Wälti: Ich werde ab diesem Sommer für ein Jahr ein Vollzeitstudium in England absolvieren. Natürlich will ich auf der Insel weiterspielen, aber nicht professionell. Was danach ist, weiss ich noch nicht. Gut möglich, dass ich wieder zu YB komme. Eine Karriere im Ausland kommt für mich nicht infrage. Nur Fussball würde mich früher oder später langweilen.

Hand aufs Herz: Der Final ist mit der Vorgeschichte doch fast schon im Vorhinein entschieden. Alles andere als ein FCZ-Sieg wäre eine Sensation …
Moser: Nein, auf keinen Fall! Auch wenn es abgedroschen klingt: Finals sind speziell und haben eigene Gesetze. Bei YB spielen lauter junge, gut ausgebildete Talente, die hungrig und top motiviert sein werden, uns ein Bein zu stellen. Ich erwarte eine schwierige Aufgabe. Klar ist aber auch, dass wir den Titel verteidigen wollen und alles geben werden. Zudem hoffe ich auf ein attraktives Spiel, das gute Werbung für den Frauenfussball macht.

Wälti: Im Cup ist alles möglich. Wir werden motiviert an die Aufgabe rangehen, besonders weil wir in der Meisterschaft nicht da sind, wo wir sein möchten. Ich denke, wir gewinnen 2:1, weil wir gut vorbereitet und heiss sind.

Berner Zeitung

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