Brüder – aber nur im Geiste

Handball

Wacker Thun und Pfadi Winterthur treffen im morgen beginnenden Playoff-Halbfinal mal wieder aufeinander. Es ist die Begegnung zweier Clubs, die verblüffend viel gemein haben.

<b>Man mag sich – neben dem Feld:</b> Thun versus Winterthur.

Man mag sich – neben dem Feld: Thun versus Winterthur.

(Bild: Patric Spahni)

Adrian Horn

«Speerspitze einer sportbegeisterten Region», «deutlich potenter als die Region Winterthur mit ihren nahezu doppelt so vielen Einwohnern», «sehr erfolgreich», «traumhaftes Panorama»: Die Matchvorschau auf der Website von Pfadi liest sich wie ein Liebesbrief an die Thuner und an das Berner Oberland.

Die Zürcher und Wacker – man kennt und respektiert sich. Allein in den letzten zwölf Monaten sind sie sich achtmal gegenübergestanden. Und die Achtung voreinander ist vielleicht auch deswegen so gross, weil die Vereine bemerkenswert viele Parallelen aufweisen.

Status: Winterthur und Thun werden in Bezug auf ihre jeweiligen Einwohnerzahlen oft unterschätzt. Winterthur ist die sechstgrösste Stadt des Landes – vor Luzern, St. Gallen und Lugano. Thun ist an elfter Stelle – und weit bevölkerungsreicher als etwa Sitten und Aarau. Pfadi wie Wacker haben in ihren Regionen einen ausgesprochen hohen Stellenwert; sie sind Marken, Clubs, die man kennt. Die Zürcher weisen in dieser Saison die höchsten Zuschauerwerte auf, die Berner Oberländer lagen in diesem Ranking in den Vorjahren sehr oft vorn.

Kontinuität: Adrian Brüngger und Martin Rubin fungieren seit 2007 als Coachs ihrer Teams. Die Mannschaften verzeichneten in den letzten Saisons weit weniger Wechsel als das Gros der Konkurrenz. Den jeweiligen Kern bilden Akteure, die seit sehr vielen Spielzeiten dabei sind.

Stil: Pfadi und Wacker ähneln sich in ihrer Spielphilosophie. Beide Equipen zeichnen sich durch eine starke Deckung und schnelle Gegenstösse aus. Und sie haben zuweilen Mühe, wenn sie konventionell angreifen müssen, gegen eine Abwehr, die sich hat positionieren können.

Erfolg: Die Winterthurer und die Thuner sind neben den Schaffhausern die mit Abstand erfolgreichsten Clubs der letzten Jahre hierzulande. Wacker löste Pfadi im März als Cupsieger ab, nachdem Rubins Team 2018 Meister geworden war – dank eines Triumphs in der Playoff-Final-Serie über die Zürcher. Die Vereine stehen nun abermals in den Top 4 der Liga, und dies, obwohl sie gewichtige Abgänge verzeichneten. Die Zürcher verloren im Sommer unter anderen Marcel Hess und Jonas Langerhuus sowie im Verlauf der Saison Roman Sidorowicz; die Berner mussten 2018 die Abgänge der Leistungsträger Lukas von Deschwanden, Lenny Rubin, Roman Caspar und Viktor Glatthard hinnehmen.

Verletzungspech: Die Teams verzeichnen immer wieder Ausfälle. Im letzten Duell mit den Oberländern etwa trat Pfadi mit bloss neun Feldspielern an. Sehr oft fehlt unter anderen Linkshänder Pascal Vernier. Jüngst stand mit Goran Cvetkovic ein Aufbauer auf dem Matchblatt, der 2015 zurückgetreten war. Genauso ausgeprägt ist das Verletzungspech der Thuner, die am Donnerstag mit Phillip Holm, Ron Delhees und Nicolas Raemy auf drei prominente Akteure verzichten mussten und im Herbst teils noch mehr Ausfälle zu beklagen hatten. Rubins Ensemble ist 2018/19 nie komplett gewesen.

Finanzen: Beide Clubs steckten im Verlauf ihrer Geschichte immer mal wieder in finanziellen Schwierigkeiten. Die Winterthurer vermochten jüngst ihr Aus abzuwenden.

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