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Das Multitalent auf der Planche

Jonathan Fuhrimann (17) gehört zu den besten Junioren des Landes. Nun startet der Gymnasiast erstmals am GP von Bern.

Jonathan Fuhrimann mit Degen, Rugby-Ei und Englischbuch im Klassenzimmer.
Jonathan Fuhrimann mit Degen, Rugby-Ei und Englischbuch im Klassenzimmer.
Stefan Wermuth

Montagabend, Gymnasium Kirchenfeld, Zimmer 119. Normalerweise finden hier unter anderem Mathematiklektionen statt. Doch in diesem Moment verkommt das Klassenzimmer kurzzeitig zum Fotostudio.

Jonathan Fuhrimann sitzt auf einem Pult, in seiner rechten Hand hält er einen Degen, auf seinem Schoss liegt ein Rugby-Ei, daneben die aktuelle Klassenlektüre aus dem Englischunterricht. Es ist ein Symbolbild, das illustriert, welch vielseitiger junger Mann der 17-Jährige doch ist.

Am letzten Freitag hat er seine Maturaarbeit eingereicht. Fuhrimann hat sich mit dem Berner Viererfeld-Projekt beschäftigt und ein Brückenmodell entworfen. Es ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum gymnasialen Schulabschluss, den er voraussichtlich im nächsten Sommer in der Tasche haben wird.

Es habe ihn gepackt, sagt er, dieses Projekt zum Viererfeld. Ein Bauingenieurstudium kann er sich sehr gut vorstellen, auch Architektur interessiert ihn. Doch wie er das mit dem Studium genau machen wird, weiss der Primaner im Moment noch nicht. Weil er eben nicht nur ein guter Schüler ist, sondern auch geschickt mit dem Degen umgehen kann.

Der Aufstieg mit Fernandez

Seit fünf Jahren ist Fuhrimann Mitglied im Fechtclub Bern. Er sei einfach mal mit seinem Vater mitgegangen, sagt der Berner, und auch da kam irgendwann dieser Moment, in dem er von der Faszination gepackt wurde. Heute ist er jeden Tag im Fechtkeller in der Länggasse anzutreffen, an manchen Tagen sogar zweimal.

Das Tanzen, eine weitere Passion, hat er vor etwa drei Jahren aufgegeben, weil es zu zeitintensiv war, und auf dem Rugbyfeld, wo er als Mitglied des RC Bern und grosser Fan des Sports schon als kleiner Junge herumrannte, ist Fuhrimann vor Monaten zuletzt gestanden. Weil er gemerkt hat, dass er auf der Planche talentiert ist und dass die Fortschritte nicht ausbleiben, wenn er regelmässig und intensiv an sich arbeitet.

Fuhrimann ist nicht nur vielseitig interessiert, sondern auch ein Meister darin, den verschiedenen Leidenschaften und Aktivitäten parallel nachzugehen. Manchmal sei es schon anstrengend, nach einem langen Tag in der Schule noch ins Training zu gehen, sagt Fuhrimann.

Eine spezielle Sportförderungsklasse an einem anderen Gymnasium zu besuchen, sei aber nie ein Thema gewesen. «Bis jetzt hat es ja ganz gut geklappt.» Bei dieser Aussage lacht er verschmitzt. Weil er weiss, dass «ganz gut» je nach Perspektive als Untertreibung gesehen werden könnte und er im letzten Jahr seine bisher beste Saison erlebte.

Fuhri­mann selber sagt, er habe den Durchbruch geschafft, mit drei Top-8-Ergebnissen im U-17-Weltcup. Nun soll es in der U-20-Kategorie ähnlich weitergehen. Diese positive Entwicklung führt der Schüler vorab auf Trainer Silvio Fernandez zurück. Der frühere Spitzenfechter und mehrfache Olympiateilnehmer arbeitet seit Sommer 2018 als Nachwuchstrainer im Fechtclub Bern.

«Seit ich mit ihm trainiere, macht es nur noch so», sagt Fuhrimann und zeichnet mit seiner Hand eine steil aufsteigende Kurve in die Luft, die sich auch mit einer Zahl belegen lässt: Im Ranking der U-17 wurde Fuhri­mann nämlich zwischenzeitlich an zweiter Stelle geführt – europaweit. «Darauf war ich schon stolz», sagt er.

Die Jagd nach Unterschriften

Am Wochenende steht nun ein weiteres Highlight an. Fuhri­mann darf am GP von Bern antreten, was für ihn nicht nur deshalb speziell ist, weil es sein erster Auftritt im Weltcup auf Elitestufe sein wird, sondern vor allem deshalb, weil ihn dieses Turnier schon lange begleitet: Als kleiner Junge habe er immer beim Aufstellen der Infrastruktur geholfen und Flyer verteilt, erzählt er. Und von den Athleten habe er sich Unterschriften gesichert. «Dass ich nun selber als Teilnehmer in der Halle stehen werde, kommt mir ziemlich surreal vor.»

Insgesamt 321 Fechter bestreiten am Freitag die Qualifikation, nur 48 von ihnen werden es schliesslich ins Hauptfeld zu den 16 Gesetzten schaffen. Er wolle einfach Erfahrungen sammeln, sagt Fuhrimann, der sich vor sechs Wochen das Aussenband im rechten Fuss riss und seither beim Fechten eine Schiene trägt. Ganz fit sei er noch nicht, sagt er, und er habe seinen Stil leicht anpassen müssen, fechte jetzt etwas defensiver. «Aber ich freue mich mega auf dieses Turnier.»

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