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Der Topskorer, der wenig spielt

Keiner wirft für Wacker Thun mehr Tore als Ivan Wyttenbach. Zum Einsatz gelangt der Regisseur dennoch nur selten. Das hat mehrere Gründe.

Scheinbar allein gegen Suhrs Defensive: Ivan Wyttenbach. Foto: Patric Spahni
Scheinbar allein gegen Suhrs Defensive: Ivan Wyttenbach. Foto: Patric Spahni

Manchmal ist es die Melodie zu «James Bond». Oft auch diejenige zu «Spiel mir das Lied vom Tod». Meistens aber handelt es sich um eine Referenz an «Mission: Impossible». Das Theme eines actionreichen Filmklassikers jedenfalls ertönt fast immer, wenn sich jemand aufmacht, einen Siebenmeter zu schiessen. Besonders häufig mit derlei Klängen konfrontiert wird Ivan Wyttenbach, Wackers Penaltyschütze. 57 Tore hat der Spiezer in dieser Saison bereits per Strafwurf erzielt. Vornehmlich deswegen ist der 24-Jährige Topskorer der Thuner.

Viel gespielt hat der Regisseur nämlich nicht. Er war nach starkem erstem Jahr exzellent in die Saison gestartet, führte nach 9 Toren gegen Schaffhausen und 8 Treffern gegen Winterthur das ligaweite Ranking an. In der Folge glänzte er nur noch punktuell – von der Siebenmeterlinie, gewiss, das stets, und etwa im Cupachtelfinal gegen Baden, als er insgesamt elfmal erfolgreich war. Erstaunlich oft sass der Aufsteiger der letzten Saison auf der Bank.

Einer der Gründe hierfür sind zumindest indirekt Hüftprobleme, mit denen sich das Eigengewächs seit geraumer Zeit herumschlägt. Die Beschwerden nahmen zuletzt zu. Sie hindern ihn daran, im Training jederzeit ans Limit zu gehen und sich so aufzudrängen. Schmerzmittel nehmen, tagtäglich – das will er nicht, zumal die Wirkung auf Dauer nachliesse.

Die Hüftprobleme dürften den Kaufmann belasten, solange er Spitzensport betreibt. Das jedenfalls sagen die Ärzte. Wyttenbach aber will weitermachen, «und zwar gerne noch ein paar Saisons», wie er festhält. Handball bereite ihm unverändert eine Menge Spass.

25-jährig wird der Aufbauer am morgigen Mittwoch. Er ist trotz Champions-League-Teilnahme, Cupsieg und zig Einsätzen in der Juniorennationalmannschaft nicht so routiniert, wie es das nicht mehr ganz so junge Alter vermuten liesse. Vorübergehend war der Oberländer zurückgetreten. Mitte der vorletzten Saison erklärte er sich bereit, Steffisburg zu unterstützen, das aus der Nationalliga B zu fallen drohte.

Wyttenbach fand da wieder Gefallen an der Sportart, der er jahrelang mit Leidenschaft nachgegangen war. Als die Saison zu Ende war, klopfte er bei Wacker an und fand Aufnahme in der 1. Mannschaft – etwas, das vor der Auszeit nie richtig geklappt hatte.

Der Rückraumspieler ist einer jener Akteure, bei denen man sich fragt, wie gut sie wohl heute sein würden, wenn die Karriere ohne Komplikationen verlaufen wäre. Als Nachwuchskraft war er ein grosses Talent, und wie überzeugend er in seiner ersten Nationalliga-A-Saison auftrat, zumal quasi aus dem Stand – das beeindruckte viele. Er ist ein klassischer Spielmacher, ausgestattet mit feinem Händchen und tollem Auge.

In physischer Hinsicht ist er nicht Spitze – dazu ist er mit 1,81 Metern zu klein und nicht agil genug. Das ist ein Grund, weshalb er zumeist lediglich angreift, in der Deckung ersetzt wird. Dass er in der Abwehr keine Akzente zu setzen vermag, dürfte ihm in Bezug auf die Anzahl und die Dauer von Einsätzen einen Nachteil eingebracht haben: Coach Martin Rubin definiert sein Team vorab über die Leistung, die es in der Verteidigung erbringt.

Trotz Hüftproblemen und bisweilen wenig Einsatzzeit: Wyttenbach hat gute Chancen, auch seine zweite Saison als Topskorer zu beenden. Er braucht bloss weiterhin die Penaltys nahezu lückenlos zu versenken. Und das ist in seinem Fall keine Mission Impossible.

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