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Der Traum und der Abschied

Heute trifft die Schweiz an der Weltmeisterschaft im Viertelfinal auf Italien. Reto Wenger, CEO von Swiss Beach Soccer und eine der Figuren hinter dem Erfolg, hört nach der WM in Paraguay Ende Jahr auf.

«Messi des Beachsoccers»: Noel Ott ist ein sehr spektakulärer Sandfussballer – und der Schweizer Hoffnungsträger an der WM.
«Messi des Beachsoccers»: Noel Ott ist ein sehr spektakulärer Sandfussballer – und der Schweizer Hoffnungsträger an der WM.
Buda Mendes/Getty Images

Es ist eine Fifa-Weltmeisterschaft, die Schweiz hat in der Vorrunde den Gastgeber ausgeschaltet und trifft heute im Viertelfinal auf Italien. Aber: Das Interesse in der Heimat ist gering.

So ist das beim Beachsoccer, einer Randsportart im riesengrossen Kosmos der Weltsportart Fussball. Dabei bietet das Spektakel im Sand allerbeste Unterhaltung, auch an der WM, die in Paraguay ausgetragen wird. Die Schweiz ist zum fünften Mal dabei, 2009 erreichte sie dank des überragenden Dejan Stankovic den Final, und obwohl Strand und Schweiz eher nicht zusammengehören, hat sich das Nationalteam in der Weltspitze etabliert. Das hängt stark mit vier Figuren zusammen, die seit langem eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte schreiben.

Stankovics Tore

Dazu gehört Dejan Stankovic (nicht verwandt mit dem gleichnamigen früheren Fussballstar von Inter Mailand), der mit 34 immer noch zu den besten Sandfussballern der Welt gehört und an der WM bisher sieben Tore und damit am zweitmeisten aller Akteure erzielt hat.

Dazu gehören vor allem Reto Wenger und Angelo Schirinzi, die seit rund zwanzig Jahren die Gesichter des Beachsoccers in der Schweiz sind. Unermüdlich haben sie sich für ihre Sportart in der Nische eingesetzt. Der eine, Wenger, als Organisator und Fadenzieher, der andere, Schirinzi, als Spieler und seit langer Zeit als Trainer. Er gilt als Weltbester seines Fachs, reist das ganze Jahr in Mandatsverhältnissen um die Welt, um in Russland, Tahiti, Brasilien und anderswo Mannschaften besser zu machen.

Schirinzis Ziele

Nationalcoach ist Schirinzi immer geblieben. Er träumt vom WM-Coup in Paraguay, in der Vorrunde genügten knappe Siege gegen die USA (8:6) und Paraguay (7:6) zum Weiterkommen, nach dem 3:5 gegen Japan geht es heute um 23.25 Uhr Schweizer Zeit gegen Italien im Viertelfinal weiter (SRF2 live). «Wir sind zufrieden», sagt Schirinzi, «Es war hart und eng, aber wir sind durch, das war unser erstes Ziel.»

Das zweite Ziel ist, den Halbfinal zu erreichen. Und der Traum, das ist der Weltmeistertitel. Topfavoriten sind wie immer die Brasilianer, lange Zeit fand die WM immer in Rio de Janeiro an der Copacabana statt, längst aber wechseln die Austragungsorte.

Paraguays Hauptstadt Asunción liegt nicht am Meer, und es ist sehr heiss, an den Nachmittagsspielen bis zu 40 Grad. «Das ist brutal», sagt Schirinzi, «doch die Qualität der Partien ist hoch.» Das Interesse des Publikums jedoch hält sich in Grenzen. Im Spiel der Schweizer gegen Paraguay waren die Tribünen mit 3000 Zuschauern voll, meistens aber verlieren sich nur ein paar Hundert Zuschauer in der Arena. Beachsoccer fristet ein schwieriges Dasein, Futsal ist weltweit gesehen deutlich populärer. Und doch liefert die Sportart mit ihren vielen Fallrückziehern in meistens sonniger Ambiance attraktive Bilder, an dieser WM überträgt SRF erstmals alle Begegnungen der Schweiz live. «Das ist grossartig», sagt Delegationschef Reto Wenger.

Wengers Dankbarkeit

Der Berner tritt nach 18 Jahren als CEO auf Ende Jahr zurück, um sich anderen Projekten zu widmen. «Ich blicke mit Freude und Dankbarkeit auf unzählige erfolgreiche und emotionale Momente an den vielen grossen und kleinen Turnieren zurück», sagt er. Wenger und Schirinzi waren in der Schweiz Gründer und Pioniere des Beachsoccers, längst gibt es eine nationale Liga, aber natürlich ist es in einem Land, in dem der Sommer nur rund vier Monate dauert, ziemlich schwierig, eine Sportart mit ausgeprägtem Strandfeeling zu vermarkten.

Swiss Beach Soccer hat unter Wenger rund 250 Events veranstaltet, darunter auf dem Bundesplatz und in der Zürcher Bahnhofshalle, es gab weit mehr als 500 Länderspiele. Nun gibt der 45-Jährige, Vater zweier Töchter und Inhaber einer Marketingagentur, das Zepter an Schirinzi weiter, den «Mister Beachsoccer», wie Wenger sagt. «Seine Leidenschaft ist einmalig, er hat so viel für unseren Sport getan.»

Mit Stankovic, Sandro Spaccarotella sowie Fränzi Steinemann engagieren sich in Zukunft zudem langjährige Nationalspieler und Kenner der Szene für die Weiterentwicklung von Beachsoccer.

Otts Sonderklasse

Der Weg bleibt steinig, aber zumindest an der WM steht das Nationalteam ab und zu im Fokus.

Wie heute gegen Italien. Stankovics Torriecher wird gefragt sein. Vor allem aber Noel Otts Sonderklasse. Der 25-Jährige ist nicht nur bester Schweizer Offensivspieler, er wurde sogar schon als «Messi des Beachsoccers» bezeichnet. Ott soll mit seiner Beharrlichkeit gegen Italien auch die Kreise des überragenden Torjägers Gabriele Gori (13 WM-Treffer) stören, damit der Schweizer WM-Traum weitergeht. Und spätestens im Endspiel am Sonntag wäre auch das Interesse grösser.

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