Der Wechsel zum Ausbildner ist kein Abstieg

Niklaus Schurtenberger und Marc Röthlisberger sind in Langenthal mit jungen Pferden angetreten.

Niklaus Schurtenberger auf dem Wallach Lireu.

Niklaus Schurtenberger auf dem Wallach Lireu.

(Bild: Marcel Bieri)

Reto Pfister

Gewinnen ist nicht immer alles. Marc Röthlisberger verpasst mit der 7-jährigen Stute Angel d’Or das Stechen der Hauptprüfung am Langenthaler Concours knapp. Er ist ein paar Zehntelsekunden über der erlaubten Zeit geblieben. «Angel d’Or ist zum ersten Mal über 140 cm hohe Hindernisse gesprungen, im Stechen wären andere schneller gewesen», sagt der Emmentaler und ist nicht enttäuscht.

Niklaus Schurtenberger wäre nach einem Nullfehlerritt mit dem 8-jährigen Wallach Lireu für die Endausmarchung startberechtigt gewesen. Er verzichtet auf die Teilnahme. «Lireu hat hier bereits einige Prüfungen bestritten, ich will ihn schonen. In einem schnellen Stechen wäre zudem die Siegchance nur klein gewesen», erzählt der Seeländer. Die Aussagen der erfahrenen Reiter machen deutlich, worum es ihnen im Oberaargau geht: um die Ausbildung der jungen Pferde.

Der Concours in Langenthal ist einer der wichtigsten im Kanton Bern, auch die EM-Teilnehmer Paul Estermann und Niklaus Rutschi waren am Mittwoch am Start. Prüfungen des höchsten Schwierigkeitsgrades fanden jedoch nicht statt, weshalb auch die Spitzenreiter nicht ihre Toppferde sattelten. Ein Wettkampf dieser Grössenordnung ist ideal, Pferde mit wenig Erfahrung an höhere Aufgaben heranzuführen.

Vergleichbar ist dies mit der Nachwuchsarbeit in anderen Sportarten; unspektakulär und wichtig zugleich. Marc Röthlisbergers Stute ist im Besitz des Handelsstalls, den die Familie in Hasle-Rüegsau führt. Ein solches Unternehmen ist auf Einnahmen durch Pferdeverkäufe angewiesen. «Es ist daher sehr gut möglich, dass Angel d’Or in den Besitz eines anderen Reiters übergeht, wenn sie ein bestimmtes Niveau erreicht hat», sagt der 37-Jährige. Und dieser neue Eigentümer profitiert dann von der Arbeit im Emmental.

Spitzenleute oft unterwegs

Niklaus Schurtenberger wiederum führt in Worben bei Lyss einen eigenen Stall. 2010 nahm er mit dem Schimmel Cantus an den Weltreiterspielen in Lexington (USA) teil, seit einigen Jahren jedoch ist der 51-Jährige nicht mehr an den grossen Prüfungen anzutreffen. Schurtenberger fühlt sich in der zweiten Reihe durchaus wohl. «Die Spitzenleute sind so oft im Ausland unterwegs, dass sie kaum mehr mit den jungen Pferden zu Hause arbeiten können», sagt er. «Ich bin gerne Ausbildner. Wenn mir jemand ein Tier in meine Obhut gibt, erwartet der Besitzer auch, dass ich es reite.»

Ehrgeizig sind die beiden Berner durchaus, ergäbe sich eine Möglichkeit, internationale Titelkämpfe zu bestreiten, würden sie diese wahrnehmen. Röthlisberger nennt die Schweizer Meisterschaft von Ende August als Saisonhöhepunkt; Schurtenberger hingegen wird auf diese verzichten. «Der Stellenwert der SM ist gesunken», wählt er kritische Worte. «Als ich einmal die Silbermedaille gewann, wurde dies bei der Kaderselektion gar nicht berücksichtigt.» Der Seeländer wird stattdessen nach Frankreich und Spanien reisen und wieder vor allem junge Pferde einsetzen. Und sie ausbilden.

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