Der zweite Einstand

Wacker-Thun-Spieler Ron Delhees (24) ist nach einem Kreuzbandriss wieder im Ligaalltag angekommen.

Ein Kämpfertyp: Ron Delhees, hier in Thun.

Ein Kämpfertyp: Ron Delhees, hier in Thun.

(Bild: Patric Spahni)

Marco Spycher

Der Einstand für Ron Delhees bei Wacker Thun hätte letzten Sommer eigentlich kaum besser sein können. Der 197 Zentimeter grosse und 102 Kilo schwere Rückraumspieler überzeugte in der Offensive mit seiner Wurfkraft, in der Defensive mit seiner Physis. Von Trainer Martin Rubin als Wunschtransfer angekündigt, wurde er den Erwartungen gerecht. Er brillierte national in der Meisterschaft wie auch international in der Champions League, wo er nach fünf Spielen gar auf Rang zwei der Torschützenliste zu finden war. Doch dann kam dieses Spiel Mitte Oktober – und stellte alles auf den Kopf.

Im Cup bekam es Wacker Thun zu Hause mit TSV St. Otmar St. Gallen zu tun. Es lief die zweite Halbzeit, als sich Delhees zwischen zwei Gegnern durchdrängt, um sich eine gute Abschlussposition zu verschaffen. Eine alltägliche Situation. Aber die Landung war alles andere als alltäglich. Er stürzte auf das rechte Knie und realisierte sofort: «Das ist nicht gut.» Sein Verdacht wurde am nächsten Tag bei der MRI-Untersuchung bestätigt. Diagnose: Kreuzbandriss.

Knapp ein Jahr später sitzt der 24-Jährige in einem Café in der Thuner Innenstadt. Die Verletzung sei gut verheilt, die Schmerzen sind weg. Ob Delhees, der sich bereits vor fünf Jahren das linke Kreuzband gerissen hatte, während dieser Zeit ans Aufhören gedacht hat? «Nein», sagt er trocken. «Aber ich will das Ganze nun langsam angehen.» Im Juni trainierte er erstmals wieder mit der Mannschaft. Er fühlte sich allerdings noch nicht bereit für die Testspiele, kam deshalb auch nicht zum Einsatz.

«Ich konnte nicht nach einer solchen Reha-Phase direkt wieder der Alte sein. Ich musste lernen, mich heranzutasten», erklärt Delhees. So dauerte es bis zum vorletzten Meisterschaftsspiel gegen den BSV Bern, ehe er zum ersten Mal seit seiner Verletzung wieder eingesetzt wurde. Allerdings keine 60 Minuten. «Pro Spiel liegen 30 bis 40 Minuten drin», sagt der Linkshänder.

Delhees, dessen Wurzeln in die Niederlande reichen, fühlt sich wohl in Thun. Der Sohn des ehemaligen Nationalspielers Max Delhees begann seine Karriere 2005 in Zug, 2012 debütierte er im Alter von 18 Jahren beim HC Kriens-Luzern in der NLA und galt als hoffnungsvolles Talent. Nach Engagements bei GC Amicitia Zürich und den Kadetten Schaffhausen ist er vergangenen Sommer in Thun gelandet. «Bei Schaffhausen konnte ich mich nicht so entwickeln, wie ich es mir gewünscht hatte. Ein Wechsel war die einzige Option für mich», sagt Delhees. «Ich war nur einer von vielen, bei Wacker habe ich eine Rolle mit mehr Verantwortung wahrnehmen können.» Und mit Martin Rubin hat er einen Trainer, der genau weiss, was für Delhees das Beste ist: Der Wacker-Coach war seinerseits als Aktiver selbst ein rechter Rückraumspieler.

Die EM als nächstes Ziel

Nicht zuletzt dank den Tipps von Rubin soll es Delhees auch in das Aufgebot zur Europameisterschaft im Januar schaffen. Die Schweizer Nationalmannschaft hat sich erstmals seit 2006 wieder für die EM-Endrunde qualifizieren können. Delhees, der 20-mal für die A-Nationalmannschaft auflief und dabei 29 Tore erzielte, will natürlich unbedingt dabei sein. Er weiss aber, dass er sich noch nicht auf diesem Niveau befindet, das es dafür benötigt. «Aber ich will mir jetzt auch nicht zu viel Druck machen. Entweder reicht es oder halt eben nicht.»

Aber wer Delhees kennt, weiss: Er ist ein Kämpfertyp, er wird alles versuchen, um ins Team zu kommen. Ende Saison wird sein Vertrag bei Wacker auslaufen. Aktuell steht er mit Präsident Georges Greiner wegen einer allfälligen Vertragsverlängerung in Kontakt. Er macht keinen Hehl daraus, dass er am liebsten ins Ausland wechseln würde. Er will dies aber nicht von dieser Saison abhängig machen. «Wir werden sehen, wann und ob es überhaupt klappen wird», sagt er. «Aber momentan bin ich in Thun, und so, wie es aussieht, werde ich vorerst auch hierbleiben.»

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