Die Fahrt ins Ungewisse

Lukas Maurer nimmt auf der Isle of Man an einem Motorradrennen teil, das jährlich Todesopfer fordert.

Auf seiner Mission: Lukas Maurer wird am gefährlichsten Motorradrennen der Welt starten. Foto: Raphael Moser

Auf seiner Mission: Lukas Maurer wird am gefährlichsten Motorradrennen der Welt starten. Foto: Raphael Moser

Es ist das gefährlichste Motorradrennen der Welt. An der Isle of Man Tourist Trophy (TT) sterben pro Jahr im Schnitt zwei Fahrer. Auf einem Rundkurs rasen die rund 150 Fahrer mit einer Spitzengeschwindigkeit von über 300 Kilometer pro Stunde auf Strassen durch Dörfer und Wälder der Isle of Man – einer kleinen Insel zwischen Irland und England.

Die 366 Kilometer werden in knapp zwei Stunden absolviert. Dieses Jahr ist ein Berner mittendrin im Geschehen. Lukas Maurer aus Gurzelen erfüllt sich mit der Teilnahme einen Kindheitstraum. Es ist ein Nachmittag im Mai. Maurer steht kurz vor seiner Abreise. Nervosität ist dem 25-Jährigen nicht anzumerken. «Aber gestresst bin ich. Ich bin froh, wenn es vorbei ist», sagt er und schmunzelt.

Den administrativen Aufwand habe er unterschätzt. Allein das Reglement zu studieren, das 120 Seiten beinhaltet, nahm viel Zeit in Anspruch. Denn der gelernteMotorradmechaniker arbeitet nebenbei in einem 100-Prozent-Pensum als Kaufmann. Seinen erlernten Beruf kann er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben.

Keine Angst vor dem Tod

Maurer stammt aus einer Familie, die den Drang zur Geschwindigkeit hat. Sein Vater René war begeisterter Autorennfahrer, sein Bruder Marcel ist es nach wie vor. Auch Lukas träumte vorerst von einer Karriere auf vier Rädern. Als er sich aber eines Tages durch Videos auf Youtube klickte, wurde er auf die Isle of Man TT aufmerksam. Sofort war für ihn klar: «Da muss ich hin.»

Eine kleine Randbemerkung sei erlaubt: Zu diesem Zeitpunkt sass Maurer noch nie auf einem Motorrad. Das sollte sich aber schnell ändern. Denn nur kurze Zeit später kaufte er sich sein eigenes. «Damals lachten mich noch alle aus und sagten mir, dass ich das niemals schaffen werde.» Und nun, einige Jahre und zahlreiche Kilometer später, hat er es tatsächlich geschafft.

Sein Traum geht in Erfüllung. Aber warum muss es ausgerechnet das gefährlichste Rennen der Welt sein? «So eine Strecke gibt es nur einmal auf diesem Planeten. Als Rennfahrer musst du das einfach erlebt haben.» Dass jeder Fehler gleichbedeutend mit dem Tod sein kann, ist Maurer bewusst. «Aber genau das macht eben einen gewissen Reiz aus, den nur Motorsportler verstehen können.»

Bevor das Rennen starte, müsse man sich zu 200 Prozent bewusst sein, worauf man sich einlasse. Deshalb ist es vom Organisator vorgeschrieben, dass man vor den Renntagen dreimal die Insel besucht und sich die Strecke anschaut.

«Wenn du das erste Mal am Start stehst, denkst du einfach nur: Wow! Das war ein Gänsehautmoment für mich.» Mittlerweile kenne der 25-Jährige den rund 60 Kilometer langen Rundkurs auswendig. Nicht zuletzt, weil er mit einem Mietwagen rund 26 Runden (1600 Kilometer) auf der Strecke abgespult hat.

Nächstes Jahr wieder

Er fühlt sich also zu 200 Prozent bereit, wie er sagt. Und die Angst vor dem Tod? Die kennt er nicht. «Niemand will sterben. Aber wenn du stirbst, dann lieber während einer Sache, die dir Spass macht.» Dass es meist die Newcomer – wie Maurer einer ist – schlimm erwischt, lässt ihn kalt. «Bei meiner Premiere will ich einfach fahren und geniessen. Ich habe mir vorgenommen, nicht ans Limit zu gehen», meint er. Obwohl, so ganz ernst kann er sich bei dieser Aussage dann doch nicht nehmen.

«Sobald du den Helm aufsetzt, bist du wie in einem Film. Dann gibt es nur noch Vollgas.» Vollgas, genau das muss er Ende Mai geben, wenn er sein Ziel erreichen will. Hervé Gantner aus Genf hält momentan den Schweizer Rekord mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 198,6 Kilometer pro Stunde. «Das sollte machbar sein», meint Maurer. Aber sein Hauptziel ist klar: «Ich will gesund wieder nach Hause kommen.» Damit er nächstes Jahr wieder starten kann.

Berner Zeitung

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