Erst kein Team, dann Aufsteiger

Das Frauenteam des TC Dählhölzli schafft den Aufstieg in die Interclub-NLB. Die Bernerinnen setzen sich in einer Hitzeschlacht gegen Thun durch und sind bestklassiertes Team im ganzen Kanton.

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Simon Scheidegger@@theSimon_S

Um 19.17 Uhr ist es am Sonntag geschafft. Karin Hechenberger und Mateja Kraljevic bejubeln im Tennisclub Thun den Sieg gegen Nina Geissler und Celine Kern und holen im Doppel den entscheidenden dritten Punkt zum Aufstieg des TC Dählhölzli in die Nationalliga B.

Dass Eveline Egger und Jori Lenting auf dem Platz nebenan gegen Patricia Gribi und Irina Wenger zu diesem Zeitpunkt zurückliegen, spielt in diesem Moment keine Rolle mehr. Die Spielerinnen des TC Dählhölzli lassen ihre Rackets fallen und formen eine Jubeltraube. Während die einen die Champagnerkorken knallen lassen, schleppen sich die anderen traurig und enttäuscht zur Spielerbank. Rackets fliegen, Tränen fliessen.

Horror im Sand

Es ist das emotionale Ende eines Nachmittags, an dem sich beide Teams alles abverlangt haben, an dem alle mit Fortdauer aber nicht nur gegen die Gegner auf der anderen Seite des Netzes kämpften, sondern vermehrt auch gegen die Hitze. Während im Strandbad nebenan hunderte Menschen relaxen und sich nach den raren Schattenplätzen umschauen, schreiten die Spielerinnen des TC Thun und des TC Dählhölzli gegen 13.30 Uhr auf die Anlage und eröffnen die entscheidende Begegnung um einen Platz in der zweithöchsten nationalen Liga.

Das Thermometer zeigt über 30 Grad an, der Sand, der die Wärme absorbiert, ist noch deutlich heisser. «Es war der Horror», sagt Jori Lenting sechs Stunden später, als sich die Sonne zwar verschoben hat, die Temperatur aber nur unwesentlich gesunken ist. «Aber es war ja für alle gleich heiss.»

Die Thunerin siehts pragmatisch und lässt sich die Freude über den geschafften Aufstieg durch nichts trüben. Nicht dadurch, dass sie ihr Einzel gegen Patricia Gribi verloren hat, und auch nicht durch den Sonnenbrand, der auf ihrer rechten Schulter rot leuchtet.

Auch Doppelpartnerin Eveline Egger hat am Abend ein Strahlen im Gesicht, der deutlichen Niederlage gegen Nina Geissler, Ostschweizerin in Thuner Diensten, zum Trotz. Weil ihre Teamkolleginnen Karin Hechenberger und die ehemalige Fed-Cup-Spielerin Mateja Kraljevic sowohl ihre Einzel als auch das Doppel für sich entscheiden konnten.

Doch obwohl Lenting und Egger in der Aufstiegsrunde sportlich nichts Zählbares zum Erfolg beitragen konnten, haben die beiden doch entscheidenden Anteil daran, dass in der nächsten Saison erstmals seit vielen Jahren wieder ein Frauenteam des TC Dählhölzli höher als auf NLC-Stufe Interclub spielen wird – und das nicht nur aufgrund ihrer Leistungen in den vorangehenden Runden.

«Wir hätten das überhaupt nicht erwartet», sagt Egger und erzählt, dass lange Zeit unsicher schien, ob in diesem Jahr eine Frauenequipe in der NLC gemeldet werden könne. Erst als Egger und Lenting in Hechenberger und Kraljevic zwei Teamkolleginnen gefunden hatten, meldeten sie sich für die Meisterschaft an und sorgten nun, ein paar Monate später, für den überraschenden Aufstiegscoup.

Stolz beim Präsidenten

Auch Peter Heller freut sich darüber. Der Präsident von Bern Tennis sagt, dass in den letzten Jahren viel investiert worden sei und dass nun in der nächsten Saison erstmals seit langem wieder ein Team aus dem Kanton Bern auf zweithöchster nationaler Stufe aktiv sein wird. Ein Zeichen dafür, dass sich die Arbeit auszahle. «Ich bin stolz, dass der Kanton Bern nun wieder in der NLB vertreten ist.»

Dählhölzli hat nun bis im Dezember Zeit, zu entscheiden, ob es die Promotion in Angriff nehmen will, aber für Egger und Lenting ist bereits am Sonntag klar, dass sie das Abenteuer wagen wollen, zumal sie, im Gegensatz zu ihren beiden Teamkolleginnen, noch nie auf diesem Niveau gespielt haben. Wahrscheinlich, sagt Präsident Luc Estermann, werde man sich noch mit einer Spielerin verstärken, wobei Egger zu bedenken gibt, dass bei der Wahl dieser Spielerin menschliche Kriterien stärker gewichtet würden als sportliche.

Während bei Dählhölzli Bern also die lose Kaderplanung für die neue Saison bereits ein paar Minuten nach dem letzten Ballwechsel beginnt, muss der TC Thun einen neuen Anlauf in der Nationalliga C nehmen, was aber gemäss BO-Tennis-Präsident Roger Ammann «kein Weltuntergang» ist.

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