Hiebe gegen die alte Liebe

Wacker Thun besiegt den TV Endingen 31:22. Nicht so schnell vergessen wird die ereignisarme Partie gegen den Aufsteiger einzig Simon Huwyler.

Simon Huwyler (15) dirigiert und langt zu.

Simon Huwyler (15) dirigiert und langt zu.

(Bild: Patric Spahni)

Adrian Horn

Es ist der wohl letzte Tag 2019, der sich nach Sommer anfühlt. Einige springen ein letztes Mal in den See, andere werfen den Grill an, veranstalten ein finales Barbecue. Selbst Thuner denken in diesen Stunden eher nicht an Handball. Die Lachenhalle jedenfalls ist mit 580 Zuschauern schlecht besucht. Die Leute, die gekommen sind, sehen, wie sich Wacker an einem Gegner abmüht, der einen Spitzenclub gerade in dieser Besetzung auf Dauer nicht fordern kann. Das Niveau: tief.

Es ist eine jener Partien, die man sehr schnell wieder vergisst.

Einer aber spielt, als gelte es sich hier und heute für den Playoff-Final zu qualifizieren. Weil er immer auftritt, als stünden Titelentscheidungen an, dies seinem Naturell entspricht – worin er seinem Vorgänger Viktor Glatthard sehr ähnlich sieht. Vor allen Dingen aber ist der Match gegen den TV Endingen für Simon Huwyler etwas Besonderes. Stets war er für die Aargauer aufgelaufen, in sämtlichen Juniorenmannschaften und später lange Zeit im Fanionteam, zumeist als Vizecaptain und als Abwehrchef. Nun trifft er erstmals auf seinen Stammverein, nachdem er diesen im Sommer 2018 verlassen hatte, damit er sich dem damaligen Meister anschliessen konnte.

Der Landschaftsgärtner gelangt zu weit mehr Einsatzzeit als üblich, vornehmlich weil Bruder Stefan nach einem Bänderriss fehlt; dieser sitzt auf der Medientribüne und gibt für die hauseigene Produktion den Co-Kommentator. Simon Huwyler vertritt seinen Bruder als zentrale Figur in der Deckung hervorragend, wenngleich er früh zwei 2-Minuten-Strafen kassiert und in der Folge ein Vergehen davon entfernt ist, vom Feld gestellt zu werden. In Gegenstössen schaltet er sich im Angriff ein; mit drei Treffern bei drei Würfen sind seine Werte auch hier exzellent. 31:22 gewinnt der Cupsieger gegen den Aufsteiger.

Huwyler lächelt, sagt: «Ich bin froh, ist die Sache so ausgegangen – andernfalls hätte ich mir in der Heimat während einer Ewigkeit Sprüche anhören können.» Längst in Thun wohnhaft, ist der 28-Jährige immer wieder zu Besuch zu Hause, und geht er dort aus, trifft er regelmässig jene Handballer, mit denen er so lange gespielt, 2017 etwa den Cupfinal bestritten hat.

Die Achterbahnfahrt

Simon Huwyler ist am Samstag der beste Feldspieler der Berner Oberländer. Nicht zum Best Player gekürt wird er, weil Keeper Marc Winkler gross auftrumpft, weit über die Hälfte aller Würfe pariert. Der Nationaltorhüter verhindert in der ersten Hälfte mit einer tollen Aktion, dass Endingen zum 7:7 ausgleicht, nachdem Martin Rubins Team früh 4:0 vorn gelegen hat. Es ist eine sehr schwache Phase der Hausherren, welche gerade eher nicht konzentriert zu Werke gehen.

Noch vor der Pause erhöht Wacker das Skore, im zweiten Umgang sollte die Führung einmal elf Treffer betragen. Huwyler spricht von einem steten Auf und Ab und davon, dass sich die Deckung nach vorübergehenden Schwierigkeiten gesteigert habe. Die Einschätzung, dem Aufsteiger stehe eine schwierige Restsaison bevor, teilt er nicht uneingeschränkt. Zumindest sagt er das. Für die alte Liebe hat er noch immer eine Menge übrig.

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