Kick It Like Dickenmann

Fussball

Immer mehr Frauen kicken. Im Fussballverband Bern/Jura wurde in dieser Saison sogar die 4. Liga um eine Gruppe aufgestockt, weil es so viele Teams gibt.

Fussball boomt: Zweikampf vom Spiel der 2. Liga zwischen Ostermundigen und Lerchenfeld.

Fussball boomt: Zweikampf vom Spiel der 2. Liga zwischen Ostermundigen und Lerchenfeld.

(Bild: iak)

Adrian Lüpold

Im letzten Jahrtausend bildeten Fussball spielende Mädchen und Frauen die Ausnahme. Sie galten als Exotinnen, die für ihre Passion von einfältigen Machos mitunter schräge Blicke und doofe Sprüche ernteten.

Heutzutage sind Persönlichkeiten wie die unlängst aus der Nationalequipe zurückgetretene Mittelfeldregisseurin Lara Dickenmann vom VfL Wolfsburg oder die Emmentalerin Alisha Lehmann von West Ham United in den sozialen Medien omnipräsent. Sie gehören längst zu gefragten Werbeträgerinnen, sind Stars, die sich für eine Homestory auf dem Boulevard auch schon mal in der eigenen Wohnung auf dem Sofa ablichten lassen oder sich am Swimmingpool in Pose werfen.

Aus belächelten Aussenseiterinnen sind auch in der Schweiz kleine Stars geworden – zumindest an der Spitze. Aber auch in der Breite ist die Entwicklung phänomenal. Noch im Jahr 2003 beispielsweise endete das Ligensystem für die Frauen im Fussballverband Bern/Jura (FVBJ) in der 2. Liga, ehe 2004 erstmals auch in der 3. Liga gespielt wurde.

2019 gibt es fast doppelt so viele Equipen wie noch vor 15 Jahren. Zu Beginn dieser Spielzeit wurde die 2010 eingeführte 4. Liga sogar um eine Gruppe erweitert. «Der Frauenfussball hat in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit erlangt, was sicher mit der Nationalequipe zu tun hat, die viel für das Image getan hat. Dass wir sogar die 4. Liga aufstocken konnten, ist toll und zeigt, dass auch in der Breite einiges passiert», sagt Franziska Bühlmann, Ressortleiterin Frauenfussball im FVBJ.

Von Roggwil bis Interlaken

Vom Oberaargau bis ins Oberland jagen Frauen aus dem Kanton Bern dem Ball hinterher. Die Spitze des Eisbergs bilden die Frauen von YB, welche als einziges Berner Team in der NLA engagiert sind. Mit Rot-Schwarz Thun (Thun Berner Oberland), den Femina Kickers Worb und Walperswil vertreten drei Clubs die Berner Farben in der Nationalliga B. Der grosse Rest ist in der 2., 3. oder 4. Liga beschäftigt (in der 1. Liga gibt es kein Berner Team). Insgesamt sind in dieser Saison im Aktivbereich 40 Berner Clubs gemeldet – eine stolze Anzahl.

«Die Schwelle für Mädchen oder Frauen ist kleiner geworden. Das hat mit der guten Arbeit bei vielen Clubs zu tun, die gezielt Mädchen fördern. Generell fangen Mädchen heute viel früher mit Fussball an als noch in früheren Generationen», erklärt Bühlmann. Allerdings ortet die Ressortleiterin beim FVBJ auch noch etwas Nachholbedarf, was die Ausbildung bei den ganz Kleinen anbelangt. «Es gibt zwar viele Vereine, die ein Team im Aktivbereich stellen, aber erst wenige haben auch schon Juniorinnenequipen. Da gibt es noch einiges zu tun», meint Bühlmann.

Doch auch in diesem Bereich tut sich viel, so wird beispielsweise für die Rückrunde die Kategorie für die unter 12-Jährigen bereits aufgestockt werden. Ebenfalls sehr erfreulich: Seit diesem Sommer gehen erstmals auch Frauenteams der Migrantenclubs Bosporus und Prishtina in der 4. Liga auf Torjagd. «Das ist für die Integration natürlich eine tolle Sache», sagt Bühlmann.

Weibliche Idole

Im Jahr 2002 war die Kinokomödie «Kick It Like Beckham», in der ein indisches Mädchen in London gegen den Willen ihrer Eltern ihrem Idol David Beckham nacheifert, ein grosser Erfolg. Es war die Zeit, in der Frauenfussball in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit drang.

Fast zwei Jahrzehnte später gibt es Fussballerinnen, die für die Mädchen ebenfalls Idole sind. Und so könnte der Streifen heute auch «Kick It Like Dickenmann» heissen...

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