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Nie im Schatten des Bruders

Die Zwillinge David und Gregory Bissegger spielen im Sturm von Weissenstein. Auf dem Platz hat sich die persönliche Verbindung schon oft als Vorteil erwiesen.

Die Zwillinge Gregory (links) und David Bissegger, die für den FC Weissenstein spielen.
Die Zwillinge Gregory (links) und David Bissegger, die für den FC Weissenstein spielen.
Raphael Moser

Zwillinge werden gerne miteinander verglichen, was auf Dauer anstrengend sein kann. Diese Erfahrung machten auch David und Gregory Bissegger. Sie pflegten in ihrer Jugend den Umgang mit denselben Kollegen, spielten darüber hinaus im selben Fussballclub. «Man musste beweisen, dass man ein Individuum ist», sagt Gregory. «Das hat genervt.»

Aus beruflichen wie auch aus privaten Gründen legten die beiden Stürmer kurz vor dem 20. Lebensjahr eine Pause vom Fussball ein. Dadurch verbrachten sie zwar auf dem Sportplatz weniger Zeit miteinander, privat blieben sie aber eng verbunden. «Das hat uns sicher nicht geschadet. Und in diesem Moment hat es sich auch richtig angefühlt», meint Gregory.

Vorübergehend: Denn vor zwei Jahren fanden die mittlerweile 27 Jahre alten Zwillinge auch auf dem Fussballplatz wieder zusammen. Gregory stieg 22-jährig beim FC Weissenstein ein und lockte David, der kurzfristig beim FC Bolligen engagiert war, zurück zu seinem Stammverein. Zu jenem Club, bei dem beide im Alter von fünf Jahren ihre ersten Bälle gekickt hatten.

Treffsicherer Gregory

Bisseggers, deren Wurzeln bis nach England und Ghana reichen, trugen vergangene Saison ihren Teil zum Aufstieg vom FC Weissenstein von der 3. Liga in die 2. Liga regional bei. Gregory, der sich in der Saison 17/18 dank 47 Treffern aus 22 Spielen an die Spitze der Torjägerliste schoss, zeichnete auch in der vergangenen Spielzeit für 35 Tore verantwortlich. Zum erneuten Gewinn der Krone fehlten allerdings zwei Tore. Aber auch David erwies sich als wichtige Stütze, traf er doch im Hinspiel der Aufstiegsbegegnung gegen Meiringen. Sie bezeichnen die Promotion als das Highlight ihrer gemeinsamen Karriere, die sie auch bei ihrem aktuellen Verein beenden möchten. Sie behaupten unisono: «Ein Wechsel kommt definitiv nicht mehr infrage.»

Im Vergleich zum letzten Jahr läuft es in dieser Saison noch nicht nach ihrem Gusto. Gregory, der sich als der ruhigere Pol der beiden bezeichnet, laborierte anfangs an einer Zerrung. So kam er nur zu Teileinsätzen, er ersetzte jeweils seinen Bruder. Als sie dann am 7. September in der Meisterschaftspartie gegen den FC Bern zum ersten Mal gemeinsam auf dem Feld standen, musste David, der emotionale, verletzt ausgewechselt werden. Er fiel nach einem Zweikampf unglücklich zu Boden und brach sich dabei den Arm. Nun trägt er noch eine Schiene, darf in drei Wochen wieder mitspielen.

Stolzer David

So muss Gregory auf dem Platz momentan ohne David auskommen, so wie vor ein paar Jahren, als dieser bei Bolligen spielte. «Es war damals schon gewöhnungsbedürftig», sagt Gregory. Und David meint: «Erst dann habe ich gemerkt, wie wichtig er doch für mich und auch das Team ist.» Da konnte er zu Gregory nicht Nein sagen, als er ihn fragte, ob er wieder zu Weissenstein wechseln möchte. Denn auf dem Platz funktionieren die beiden wie ein eingespieltes Team. «Ich bin froh, wieder zurück zu sein. Ich habe gemerkt, dass mein Bruder ein echter Captain sein kann, er beweist sich als Leader auf und neben dem Platz», sagt David.

Zwillingen wird eine besondere Bindung, ein blindes Verständnis nachgesagt, was bei Bisseggers augenscheinlich auch auf dem Feld zutrifft. «Wir wissen, wie wir den Ball wollen, kennen unsere Laufwege», erklärt Gregory. Die beiden kennen aber auch die Gefahr davon, auf derselben Position zu agieren. Der eigene Zwillingsbruder also als grösster Konkurrent? David verneint. «Es ist höchstens ein gesunder Konkurrenzkampf. Wir mögen es und gönnen es einander, wenn der andere erfolgreich ist.» Nach einem kurzen Zögern und einem breiten Grinsen stimmt ihm auch Gregory zu. «Diese Vergleiche, das sind Sachen aus der Juniorenzeit. Wir sind keine Kinder mehr, die meinen, man müsse immer besser sein als der andere.»

Apropos Vergleiche: David stand in den letzten beiden Saisons oft im Schatten seines treffsicheren Bruders. Ob ihn das stört? «Nein, er hat ja schliesslich auch weniger Pässe gespielt», sagt er und lacht. «Mal im Ernst: Ich mag ihm das gönnen.» Mittlerweile nehmen sie die Vergleiche mit Humor.

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