Spiezerin nimmt Kurs Richtung Weltspitze

8 Monate nach dem Bootswechsel wurde das Segel-Talent Anja von Allmen an der EM 4. Gut genug ist ihr das nicht.

Dynamisch: Anja von Allmen segelt vor der Küste Frankreichs an der EM zu Rang 4. Foto: zvg

Dynamisch: Anja von Allmen segelt vor der Küste Frankreichs an der EM zu Rang 4. Foto: zvg

Adrian Horn

Hier weht ein anderer Wind. Das realisierte Anja von Allmen gleich. Und auf die harte Tour. Mit dem Wechsel von der Optimisten- in die Laser-Klasse ändert nicht bloss das Boot. Der Umgangston ist rauer. Der Trainer etwa tritt fordernd auf. Damit musste die Berner Oberländerin erst mal klarkommen. In der Einsteigersparte geniesse man eine Art Welpenschutz. «Hier wirst du härter angefasst.» Was zum Teufel sie da mache, wird sie vom Coach auch mal gefragt, wenn sie falsch oder zumindest nicht korrekt segelt.

Die Spiezerin hat sich rasch an die neuen Umstände gewöhnt. Vierte wurde sie kürzlich an der Europameisterschaft vor Hyères (Fr), bloss rund acht Monate nach dem Wechsel in die Laser-Klasse. Sie bestätigte sich damit als grosses Talent. Zufrieden aber war sie nicht uneingeschränkt. «Als die Medaille in Griffweite war, wollte ich sie natürlich.» Disziplin und Ehrgeiz zeichneten sie aus, sagt sie.

Sie investiert eine Menge, verbringt im Schnitt jeden dritten Tag auf dem Wasser. Und nun, da es sich auf die WM von Mitte Monat im kanadischen Kingston vorzubereiten gilt, arbeitet die 16-Jährige fünf- und nicht «nur» dreimal die Woche an Kraft und Ausdauer. Die physische Komponente in ihrer Sportart werde oft unterschätzt, sagt die Gymnasiastin. «Oft gewinnt, wer über die beste Physis verfügt.»

Der bevorstehenden WM gilt der Fokus; nächste Woche trainiert sie auf dem Gardasee, bevor sie nach Nordamerika reisen wird. Ein Erfolg wird die Premierensaison in der Laser-Klasse in jedem Fall gewesen sein. In Europacup-Regatten klassierte sie sich unter den Besten. Dabei war sie jeweils die schnellste Frau; sie führt das entsprechende Gesamtklassement an. Darauf mag sie sich nichts einbilden. «Die Mädchenwertung interessiert mich nicht so sehr.» Sie orientiere sich am kompletten Teilnehmerfeld.

An die Olympischen Spiele sollen sie ihr Engagement und ihr grosses Talent langfristig bringen. Die Vorbilder hierfür – sie sind quasi gleich um die Ecke aufgewachsen. Die Spiezerinnen Linda Fahrni und Maja Siegenthaler gehören zur Segelelite. Ausgesprochen freundlich würden die beiden mit ihr umgehen, schwärmt Anja von Allmen. Leistungsmässig, sagt sie, sei es noch ein weiter Weg zu ihnen.

Kurs Richtung Spitze aber hat sie längst genommen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt