Vereint und doch getrennt

Die Oberländer Clubs Spiez, Lerchenfeld und Thun II spielen in der nächsten Saison in der 2. Liga interregional; allerdings nicht alle in der gleichen Gruppe.

Hätten sich auf viele Oberländer Derbys gefreut: Die Trainer Peter Kobel (Spiez), Daniel Klossner (Lerchenfeld) und Thuns Gian-Luca Privitelli (v.l.n.r.). Foto: Christian Pfander

Hätten sich auf viele Oberländer Derbys gefreut: Die Trainer Peter Kobel (Spiez), Daniel Klossner (Lerchenfeld) und Thuns Gian-Luca Privitelli (v.l.n.r.). Foto: Christian Pfander

Peter Berger@PeterBerger67

Der FC Thun ist das Aushängeschild im Berner Oberland. Hinter dem Super-League-Verein klafft sportlich ein grosses Loch. Erst vier Ligen tiefer finden sich wieder Oberländer Clubs. Mit Absteiger FC Thun U-21, Aufsteiger Spiez und Lerchenfeld hat sich dafür gleich ein Trio in der 2. Liga interregional versammelt. Entsprechend gross war die Vorfreude auf die Derbys.

Doch der Verband erwies sich als Spielverderber und teilte Thun II in die Gruppe 2 mit Freiburger und Westschweizer Teams ein. «Wir wären gerne in der Berner Gruppe. Die Derbys wären eine schöne Sache», sagt FCT-Trainer Gian-Luca Privitelli. Lerchenfelds Daniel Klossner hält ebenfalls fest: «Es wäre cool, wenn Thun auch in unserer Gruppe wäre.» Und für Spiez-Coach Peter Kobel ist unbestritten: «Ein Meisterschaftsspiel in der Stockhorn-Arena wäre für meine Spieler auf jeden Fall ein Highlight.»

Nun aber fehlen die Thuner in der Gruppe 3, der auch Konolfingen und Köniz II angehören. Heinz Rähmi vom Verband begründet: «Wir haben in dieser Liga 6 Gruppen à 14 Teams. Die Gruppengrösse können wir nicht verändern. Es ist unmöglich, alle Clubs gemäss ihrer geografischen Zugehörigkeit einzuteilen.» Der Verband mutet vor allem den Zweitmannschaften von grossen Vereinen weitere Reisewege zu. «Solche Clubs verfügen in der Regel über Reisecars, was bei kleineren Vereinen nicht der Fall ist.» Deshalb musste in der Berner Gruppe auch Thun II in eine «fremde» Gruppe.

Für Rähmi ist klar, dass es immer Einteilungen geben wird, die nicht den Wünschen der Clubs entsprechen. Privitelli hält dazu abschliessend fest: «Ich finde die Einteilung unglücklich, aber letztlich ist es für uns egal, wer die Gegner sind.» Und Klossner ergänzt schmunzelnd: «Sportlich ist es für uns vielleicht sogar besser, wenn wir nicht gegen Thun spielen müssen.» Das kann auch Kobel bestätigen, schliesslich unterlagen die Spiezer dem FCT-Nachwuchs vor einer Woche im Testspiel gleich 0:7.

Junge Equipe

Nach dem Abstieg aus der 1. Liga nehmen die Thuner eine Favoritenrolle ein. «Im Vordergrund steht die Entwicklung der Spieler», sagt der 41-jährige Privitelli und verweist auf das Super-League-Debüt des 17-jährigen Uros Vasic am vergangenen Samstag gegen Basel. Mit Joel Fuhrer und Kim Zaugg sind bloss zwei Akteure mit Jahrgang 1998 im Kader. Das Durchschnittsalter beträgt 18,5 Jahre.

«Jung, aber hungrig», beschreibt Privitelli das Team. Neben Spielern aus der U-18-Auswahl wurden nur vier externe Zuzüge getätigt: Vom YB-Nachwuchs kamen Quendrim Rizvani (18) und Joyprince Sivathas (17), dazu Chukwuemeka Nnodim (18/Team Aargau) sowie der 19-jährige Ahmed Hiran. Der Iraner zog aus Deutschland zu seiner Schwester nach Bern.

Privitelli beabsichtigt, das Team einen attraktiven Fussball spielen zu lassen: «Wir wollen dominant auftreten, hoch verteidigen, schnell in die Offensive umschalten und die Partien intensiv gestalten. Ob uns das gelingt, werden wir sehen. Natürlich möchten wir so schnell wie möglich in die 1. Liga zurückkehren, aber wie erwähnt geniesst die Entwicklung und nicht der Aufstieg Priorität.»

Mit Cerrone

Von einem Aufstieg träumt der FC Lerchenfeld nicht. Der Thuner Quartierverein hat in der vergangenen Saison den Ligaerhalt nur knapp geschafft. «Nach bloss fünf Zählern in der Winterpause war das eigentlich ein Wunder», meint Daniel Klossner. Der 29-jährige Jungcoach tritt die Nachfolge von Bruno Feller an. «Das Ziel ist eine Saison ohne Abstiegssorgen.» Allerdings entpuppte sich schon die Vorbereitung auf die elfte Saison in Folge in der fünfthöchsten Spielklasse als nicht ohne Kummer. Klossner beklagt vor allem die vielen ferienbedingten Absenzen. Weil indes kein Spieler vom FCL Lohn erhalte, könne diesbezüglich auch nicht ein anderes Verhalten verlangt werden, sagt Klossner.

Der Trainer, der zuletzt Wattenwil gecoacht hat, muss ein neues Team bilden. Neun Abgängen stehen zehn Zuzüge, davon vier aus dem eigenen 3.-Liga-Team, gegenüber. Erneut wurde auch die Zusammenarbeit mit dem FC Thun gepflegt. «Wir verspüren keine Rivalität, vielmehr würde ich die Beziehung als ein Geben und Nehmen bezeichnen», sagt Klossner.

So kehrte Leotrim Dushica zu Thun zurück, dafür kamen Luca Santschi und Joel Zahn. Insgesamt hat Klossner zehn Akteure im Kader, die einst in einer U-Auswahl des FC Thun kickten. «Wir profitieren von der guten Ausbildung des FC Thun», weiss Klossner, der beim FCT ebenfalls schon auf Stufe U-12 als Nachwuchstrainer gearbeitet hat.

Weiterhin sporadisch zur Verfügung steht dem FCL Pascal Cerrone. Der 38-jährige Assistenztrainer des FC Thun hat schon in der vergangenen Rückrunde ausgeholfen und die Mannschaft mit seiner Erfahrung entscheidend stabilisiert. «Er tut uns gut und ist ein überragender Typ», schwärmt Klossner vom Routinier. Mit Andreas Bieri, der mehrere Jahre in der 1. Liga für Sursee spielte und nun in Thun als Nachwuchstrainer tätig ist, ist neu ein weiterer Innenverteidiger mit Erfahrung im Team. «Ich bin überzeugt, dass wir an guten Tagen jeden Gegner bezwingen können. Deshalb hoffe ich, dass wir bereits im Winter ein Polster auf die Abstiegsplätze haben», ist Klossner zuversichtlich.

Mission Ligaerhalt

Ebenfalls auf den Klassenerhalt hofft Peter Kobel. Der frühere Goalie von YB und Thun nimmt mit Spiez die fünfte Spielzeit in Angriff, seine erste in der 2. Liga inter. «Wenn es uns gelingt, an die Leistungen der vergangenen Saison anzuknüpfen, können wir auch in der höheren Liga bestehen», ist der 50-Jährige optimistisch. Jedoch verlief auch in Spiez die Vorbereitung nicht reibungslos. Zu den Ferienabwesenden gesellten sich noch Verletzte. Und beim Testspiel gegen Thun handelte sich Abwehrchef Nils Wyssen einen Platzverweis wegen Schiedsrichterbeleidigung ein. Er wird deshalb morgen beim Saisonauftakt in Bubendorf fehlen.

Mit Julian Wehrli und Nils Mani kamen zwei 16-Jährige aus Thun, Betim Guri wechselte von Dürrenast nach Spiez. Insgesamt figurieren acht Spieler mit einer Vergangenheit beim FC Thun im Team. «Aber die Zusammenarbeit mit uns ist weniger ausgeprägt als mit Lerchenfeld», weiss Kobel. Froh ist der Trainer, dass Routinier Andreas Buri (34) seinen Rücktritt zumindest ein halbes Jahr hinausgeschoben hat. Weil auch in Spiez keine Löhne bezahlt würden, seien Zuzüge schwierig zu realisieren, sagt Kobel, der dennoch davon ausgeht, dass im Winter defensive Verstärkung nötig wird.

Vorerst arbeiten die Spiezer aber auch eine Liga höher vornehmlich mit den bewährten Kräften. Und trotz der 0:7-Testpleite gegen Thun II verfällt Kobel nicht in Panik. Schliesslich habe man auch gegen Münsingen aus der Promotion League geprobt und nur 1:2 verloren. «Wenn es uns gelingt, die Räume zuzustellen, sind wir für alle ein unbequemer Gegner.» Und je länger eine Begegnung ausgeglichen verlaufe, desto mehr komme auch der gute Spirit und Wille im Team zum Tragen, verweist Kobel auf eine weitere Stärke.

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