Vorbilder unter Teamkollegen

Sven Nägeli (26) und Stefan Keller (27) führen Huttwil und Thun als Captains ins Playoff-Duell.

Sven Nägeli (Huttwil, links) und Stefan Keller (Thun, rechts) begrüssen sich per Handschlag.<p class='credit'>(Bild: Marcel Bieri)</p>

Sven Nägeli (Huttwil, links) und Stefan Keller (Thun, rechts) begrüssen sich per Handschlag.

(Bild: Marcel Bieri)

Es gibt unterschiedliche Wege, wie ein Captain bestimmt werden kann. Er kann von den Teamkollegen gewählt oder vom Trainer bestimmt werden. Oder andere wichtige Spieler wirken zusammen mit dem Coach an der Ernennung mit. Dies war bei Thun der Fall. Trainer Christoph Schenk zog eine Gruppe von Leadern zurate, die Wahl fiel auf Topskorer Joel Reymondin.

Dieser ist jedoch derzeit verletzt, sodass sein Vorgänger Stefan Keller das C auf der Brust trägt. Bei Huttwil ist Andreas Beutler anders vorgegangen. Der Headcoach der Oberaargauer hat Sven Nägeli (26) zum Spielführer bestimmt. Sowohl bei Verteidiger Keller als auch bei Stürmer Nägeli handelt es sich um Spieler, die länger im Verein sind und sich mit diesem hundertprozentig identifizieren können. Unterschiedlich ist hingegen ihr Weg, wie sie in die verantwortungsvolle Position gelangt sind.

Verantwortung im Betrieb

Stefan Keller ist in einer Familie aufgewachsen, die in Zäziwil eine Metzgerei führt. Unternehmerische Verantwortung im Betrieb zu übernehmen, ist für alle Alltag. Keller hat die Fähigkeit, zu führen, früh ins Eishockey eingebracht. «Ich war auch im Nachwuchs stets Captain oder Assistent», sagt der 27-Jährige, der auch in der Juniorenbewegung von Dragon Thun bei den Kleinsten die Coachs unterstützt. Als Schenk Trainer in Thun wurde, stieg Keller zum Captain auf.

«Ich gehe gerne vorab und übernehme Verantwortung», sagt der Mannschaftsführer der Oberländer. Etwas Besseres sei er jedoch nicht. Fünf, sechs andere Spieler seien in die Führung des Teams mit eingebunden. «Und ich bin nicht der, der in der Garderobe viel spricht», sagt Keller. «Dies übernehmen andere.» Vielmehr wolle er auf dem Eis Akzente setzen und den Club als Vorbild repräsentieren. Dazu zähle auch, im Ausgang nicht negativ aufzufallen.

In Rolle hineingewachsen

Sven Nägeli hingegen nimmt beruflich keine Führungsfunktion wahr. Der 26-Jährige ist gelernter Koch und absolviert derzeit an der Eidgenössischen Technischen Hochschule ein Studium der Lebensmittelwissenschaften. Auch hat er im Nachwuchs nie die Funktion eines Captains bekleidet. Beim EHC Brandis, wo die heutige Huttwiler Mannschaft bis zur letzten Saison angesiedelt war, wuchs er sukzessive in eine Führungsrolle hinein und wurde nach dem Rücktritt von Janick Holzer vor einem Jahr zum Mannschaftsführer bestimmt.

Bei Nägeli handelt es sich um einen loyalen, verlässlichen Teamplayer. Er ist ein Spieler, der während einer Partie auch seine Emotionen unter Kontrolle halten kann. «Dies ist wichtig, wenn es darum geht, mit den Schiedsrichtern zu diskutieren», sagt sein Trainer Beutler. «Jemand, der laut und ausfällig wird, ist als Captain weniger geeignet.»

Nicht überheblich werden

In Zeiten zunehmend flacher werdender Hierarchien ist der Captain jedoch nicht der alleinige Chef in einem Team, auch die beiden Assistenten, die es im ­Eishockey gibt, sind dies nicht. Nägeli und Keller betonen die Rolle weiterer wichtiger Spieler in einer Mannschaft. «Wichtig ist, dass das Team als solches funktioniert. Da trage ich sicher meinen Teil dazu bei», sagt Nägeli.

Aktuell ist eine seiner Aufgaben, keine Überheblichkeit aufkommen zu lassen, nachdem Huttwil am Mittwoch Thun in der Cupqualifikation 11:1 bezwungen hat. Zweifellos sind die Oberaargauer in der Best-of-5-Viertelfinalserie gegen die Thuner Favorit, zumal es sich um das Duell des Zweiten gegen den Siebten handelt und die Oberländer verletzungsbedingt zuletzt mit drei Blöcken agieren mussten. «Es beginnt bei null», sagt Nägeli, und auch bei den Thunern denkt man so.

Berner Zeitung

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