Zurück auf der Sonnenseite

Alissa Müller hofft auf eine Karriere im Ski-Weltcup, bevor sie gesundheitliche Probleme behindern sollten. Einen Winter verpasst die Bernerin. Jüngst feiert die 19-Jährige ein verblüffendes Comeback.

«Ich bin gerade sehr glücklich»: Alissa Müller posiert am Aarequai in Thun. Foto: Christian Pfander

«Ich bin gerade sehr glücklich»: Alissa Müller posiert am Aarequai in Thun. Foto: Christian Pfander

Adrian Horn

Auf einmal geht nichts mehr. Schlapp fühlt sich Alissa Müller im Dezember 2018, sie ist müde und kraftlos. Das hält sie zunächst für die Symptome einer Grippe, die man zu jener Jahreszeit nun mal kriegen kann. Doch ihr Zustand bessert sich nicht. Also sucht sie einen Arzt auf. Und der diagnostiziert: Sie hat das Pfeiffer’sche Drüsenfieber.

Während sechs Monaten muss sie sich stillhalten. Schwer fällt ihr dies nicht, schliesslich mangelt es unverändert an Energie. Sie sitzt auf der Couch, liegt auf dem Bett, begleitet ihre Mutter beim Einkaufen, und an guten Tagen vermag die angehende Köchin für ein paar Stunden zu arbeiten. Sie vermisst vorab das Skifahren. Zu den aussichtsreichsten Bernerinnen gehört die Mühlethurnerin, sie hat sich an Schweizer Meisterschaften fünfmal in den Top 30 klassiert und bestreitet FIS-Rennen, Wettkämpfe der dritthöchsten Stufe im internationalen Kalender.

Aussergewöhnlich früh gerät Alissa Müller mit der Sportart in Kontakt, sie stapft bereits als 1-Jährige in den Skischuhen auf der Piste herum, die neben der Ferienwohnung ihrer Eltern auf der Bettmeralp liegt. Später schliesst sie sich dem Skiclub an und beginnt, Rennen zu fahren. Sie ist talentiert, aber nicht hochbegabt, die Aufnahme in das Regionale Leistungszentrum wird ihr zunächst verwehrt. Sie steigert sich, schafft den Sprung in das RLZ doch noch und träumt von einer Karriere als Profi.

Rückschläge bei Comebackversuch

Gross ist die Belastung, welcher sie sich aussetzt, bevor sie ausfallen wird. Sie bereitet sich auf die Abschlussprüfungen vor, ist dabei, den Führerschein zu machen, und absolviert daneben das Pensum einer Spitzensportlerin. Möglicherweise büsst sie für das Programm, das sie sich auferlegt hat.

Aufhören - das kommt für die heute 19-Jährige während der Leidenszeit nicht infrage. Sie sagt sich: So soll das nicht enden. Die Rückkehr aber gestaltet sich schwierig. Während der Abwesenheit schwanden Muskelkraft und Ausdauer, sie verlor FIS-Punkte, wodurch sie fortan mit hohen Nummern starten muss. Und immer wieder verzeichnet sie beim Comebackversuch Rückschläge in Form kleinerer Beschwerden. Erneut geht sie zum Arzt; dieser stellt einen Eisenmangel fest.

Die Diagnose und die Massnahmen, die ergriffen werden: Sie helfen. Im zweiten Einsatz nach der einjährigen Pause fährt sie kürzlich in einem FIS-Rennen auf den 10. Platz. Es ist der Beleg dafür, dass sie auf dem richtigen Weg, die Leidenszeit passé ist. Sie sagt: «Ich bin gerade sehr glücklich.» Im Herbst hat sie ihre Ausbildung abgeschlossen; bis im Frühling konzentriert sie sich aufs Skifahren. Wettkämpfe bestreitet das Mitglied des Skiclubs Diemtigtal gegenwärtig ausschliesslich in den technischen Disziplinen.

Den Traum von einer Karriere im Weltcup hegt sie unverändert. Die gesundheitlichen Probleme mögen Alissa Müller zurückgeworfen haben. Gestoppt haben sie sie nicht.

Berner Zeitung

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