Abderhalden und die Angsthasentaktik

Kein Bergfest zieht mehr Zuschauer an als jenes auf der Schwägalp. Und keines verzeichnet heftigere Schwankungen im Teilnehmerfeld.

Der Thurgauer Samuel Giger jubelte im letzten Jahr auf der Schwägalp.

Der Thurgauer Samuel Giger jubelte im letzten Jahr auf der Schwägalp.

(Bild: Keystone)

Wer über den Schwägalp-Schwinget schreibt, kommt um den Begriff «Trötzele» kaum herum. Am Ursprung des Bergkranzfests stand ein Boykott der Nordostschweizer im Jahr 1999. Damals gab es die Bergfeste auf dem Stoos, auf der Rigi, am Schwarzsee und auf dem Brünig – aber keines in der Nordostschweiz.

Das passte dem stärksten Teilverband nicht, der mit Jörg Abderhalden den amtierenden Schwingerkönig stellte. Aus Protest nahmen die Nordostschweizer an keinem Bergfest teil. Das «Trötzele» führte zum Ziel. Seit 2000 wird auf der Schwägalp geschwungen. Das jüngste Bergkranzfest avancierte innert Kürze zum bestbesuchten. Über 10000 Zuschauer verfolgen jeweils die Kämpfe auf der Wiese neben der Säntisbahn.

Die Krux mit der Ansetzung

Im Vorjahr war kein Wettkampf so gut besetzt wie jener auf der Schwägalp: Die besten Nordost-, Innerschweizer und Berner traten an, Samuel Giger siegte vor über 15000 Besuchern.

Punkto Qualität des Teilnehmerfelds ist die Schwägalp starken Schwankungen unterlegen. Das Fest findet im August statt. Es zählt in Saisons ohne eidgenössischen Anlass zu den attraktivsten, leidet aber in Jahren mit eidgenössischem Anlass unter der Rolle, das letzte Kräftemessen vor dem Höhepunkt zu sein. Viele Schwinger mögen zu diesem Zeitpunkt weder etwas riskieren noch ihre Karten aufdecken. Die Berner wollten einst vor einem «Eidgenössischen» trotz Aufgebot nicht antreten. Sie mussten es doch tun, entsandten aus Trotz eine drittklassige Equipe.

Die Kritik des Königs

Und jetzt, zwei Wochen vor dem «Eidgenössischen» in Zug, verspüren die stärksten Innerschweizer wenig Lust auf die Schwägalp: Die Königskandidaten Pirmin Reichmuth und Joel Wicki fehlen im Team des ISV ebenso wie die Routiniers Christian Schuler und Benji von Ah.

Kein Verständnis für derlei Geplänkel hat der dreifache Schwingerkönig Jörg Abderhalden. Er spricht von einer «Angsthasentaktik. Ein Schwinger braucht vor grossen Festen einen Rhythmus. Du kannst die Ausgangslage auch positiv sehen und dir sagen: Nun schüchtere ich die Gegner nochmals ein und zeige allen, dass ich bereit bin.» Ausklammern möchte Abderhalden den Sörenberger Wicki. «Er hatte sich vor drei Jahren auf der Schwägalp verletzt und verpasste daraufhin das ‹Eidgenössische›. Bei ihm kann ich den Verzicht nachvollziehen.»

Den Festsieg am Sonntag dürften die Nordostschweizer Armon Orlik und Giger unter sich ausmachen. Giger triumphierte zuletzt auf dem Weissenstein. Orlik hat in dieser Saison bei sechs Teilnahmen an Kranzfesten fünfmal obenausgeschwungen. (rek)

Spitzenpaarungen 1. Gang:Armon Orlik - Mike Müllestein. Samuel Giger - Reto Nötzli. Daniel Bösch - Marcel Mathis.

rek

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