Die Auferstehung des Königs

Der Meiringer Matthias Glarner macht in Münsingen aus dem Frage- ein Ausrufezeichen.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Matthias Glarner fährt am Sonntagmorgen als Zweifler nach Münsingen. Noch immer weiss der Berner nicht, ob er Ende August beim «Eidgenössischen» tatsächlich antreten soll, antreten wird. Am Sonntagabend sagt Glarner: «Tief drin in meinem Herzen war immer klar, dass mich dieses Fest in Zug unbedingt dabeihaben will. Nun habe ich die Überzeugung, dass ich am ‹Eidgenössischen› konkurrenzfähig sein kann. Cool, ist dieser Tag endlich gekommen.»

Dazwischen liegen sechs Gänge am Berner «Kantonalen». In diesen hat der Schwingerkönig von 2016 das Fragezeichen um seine Form zu einem Ausrufezeichen gestreckt. Wobei der gestellte Schlussgang gegen Matthias Aeschbacher ausgeklammert wird. «Ich war zu passiv, hätte das Herz in die Hand nehmen sollen», sagt Glarner nach dem Kampf, das Gesicht gerötet von der Anstrengung, gezeichnet vom Sägemehl. «Aber die fünf Erfolge zuvor sind Balsam und eine grosse Befriedigung. Ich habe zwei Jahre lang extrem hart dafür gearbeitet, wieder um Siege schwingen zu können. Insofern ist das hier durchaus eine emotionale Sache.»

Im Prinzip haben die Zuschauer in Münsingen die Auferstehung des Königs erlebt. Seit seinem Gondelsturz und den Operationen an Becken und Fuss vor zwei Jahren hat der Meiringer (33) um den Anschluss gekämpft. Dass ihm der linke Fuss Probleme bereitet, Glarner nicht mehr rund geht, hat den Wettlauf mit der Zeit nicht eben begünstigt.

Vor dem «Kantonalen» bestritt er diese Saison sechs Wettkämpfe, vermochte dabei nicht zu überzeugen, erklärte nach dem verpassten Kranz auf dem Brünig, der Rückstand auf die Spitze sei grösser als gedacht. Und nun hat er erstmals seit seinem Triumph in Estavayer wieder an einem Fest überzeugt.

Der Fussstich als Trumpf

Mit der Euphorie ist es aber nicht weit her. Korrekterweise hält Glarner fest, es sei nicht alles Gold, was glänze. Aber vorab am Vormittag schwang er gross auf, bodigte zwei «Eidgenossen» sowie den starken Youngster Fabian Staudenmann. Drei Kämpfe entschied er mit seinem blitzschnellen Fussstich, den er in jenem Moment ansetzte, als der Gegner den Griff wechselte.

Die Szenen erinnerten sanft an Glarners goldenen Herbst 2016, als er das «Kantonale» in seiner Heimat und später das «Eidgenössische» in der Romandie für sich entschied. Der Berner Oberländer sagt: «Möchte ich in Zug um irgendetwas mitreden, wird meine Estavayer-Form dazu nicht reichen. Und was ich in Münsingen gezeigt habe: Das war noch nicht meine Esta­vayer-Form.»

Soll heissen: Dem König steht in den kommenden zwei Wochen noch viel Arbeit bevor. Aber nun hat er die Gewissheit, dass die Rückkehr ins Spitzenfeld keine Utopie ist.

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