Hirscher, Holdener, Halligalli

Ein Belgier feiert den Sieg seines Lebens, die Slowaken betätigen sich als Partybremser. Am Ende des Teamwettkampfs ertönt die Marseillaise.

Überraschung: Ausnahmekönner Marcel Hirscher (vorne) unterliegt dem Nobody Dries van den Broecke.

Überraschung: Ausnahmekönner Marcel Hirscher (vorne) unterliegt dem Nobody Dries van den Broecke. Bild: Keystone

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Die Tore öffnen sich, die Fahrer schiessen aus den Boxen – die Szenerie erinnert an ein Pferderennen. Auf der linken Hälfte der Piste stehen blaue Fähnchen, auf der rechten rote; die Kurssetzung ist in beiden Läufen mehr oder weniger die gleiche. Links schlängelt sich Marcel Hirscher durch die Tore, rechts macht Dries van den Broecke Tempo.

Der Vergleich dauert gut zwanzig Sekunden, die Zuschauern schreien und hüpfen; es gewinnt der 21-Jährige aus Brüssel. Welcher im Weltcup bis anhin zwei Riesenslaloms und drei Slaloms bestritten, den zweiten Durchgang jeweils als Zuschauer verfolgt hat. Willkommen beim Teamwettkampf.

Den Event gibt es an Weltmeisterschaften seit 2005. Das Format ist mehrfach modifiziert worden, die aktuelle Version lässt sich als Mischung zwischen Halligalli und Spitzensport mit Volksfestcharakter bezeichnen. Wendy Holdener behagt der Kampf Frau gegen Frau, die Kombinationsweltmeisterin gehört in dieser Sparte wie im Slalom zur Elite. Auf der Männerseite ruhen die helvetischen Hoffnungen vornehmlich auf Reto Schmidiger – am Weltcupfinal 2016 in St. Moritz führte das Duo Swiss-Ski zum Triumph.

Der Himmel ist wolkenlos, die Stimmung ausgezeichnet. In der ersten Runde treffen die Schweizer auf die Kroaten, die Kräfteverhältnisse präsentieren sich wie bei einem Fussballspiel zwischen einem Super-League-Verein und einem Promotion-League-Klub. Hirscher sagt in einem Fernsehinterview, das Rennen sei «cool», hinterlässt fernab der Kameras jedoch den Eindruck, als stünde er ohne Schirm im Regen.

Die Schweiz setzt sich im Viertelfinal gegen Kanada durch – Holdener und Schmidiger sei Dank. Derweil interviewt die für Eurosport arbeitende Tina Maze den 86-fachen Weltcupsieger Ingemar Stenmark. Der Schwede sagt der Slowenin lächelnd: «Du hättest noch ein paar Jahre weiterfahren sollen. Nun kann Lindsey Vonn meinen Rekord brechen.»

In den Halbfinals unterliegen die Schweizer den Slowaken, im Kampf um die Bronzemedaille verlieren sie gegen Schweden. Die Partybremser aus dem Osten ziehen im Final gegen die Franzosen den Kürzeren. Während die Marseillaise erklingt, resümiert Holdener: «Wir haben die Fehler im falschen Moment gemacht.»

Generell lässt sich festhalten, dass es mehr zur Sache ging als auch schon – 2018 in Südkorea werden erstmals Olympiamedaillen vergeben. Belgien übrigens scheiterte zum Auftakt an Österreich. Dries van den Broecke wird den Tag trotzdem nicht so schnell vergessen. (mjs)

Erstellt: 15.02.2017, 09:16 Uhr

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