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Warten auf Accola

Legenden fahren, Legenden reden. Paul Accola fährt, aber er redet nicht.

Heiterkeit ist nicht unbedingt Sache des Paul Accola (Archivbild).
Heiterkeit ist nicht unbedingt Sache des Paul Accola (Archivbild).
Peter Russenberger

Paul Accola fuhr am Dienstag zusammen mit anderen alten Helden ein Legendenrennen – andere fuhren schön langsam, Accola fuhr einigermassen humorlos zu einer gefühlten Spitzenzeit. Als er im Ziel ankam, streckte er die Faust in die Höhe.

Accola war sowieso ein guter Grund, sich dieses Rennen anzusehen. Als Reporter an Weltmeisterschaften ist man immer auf der Suche nach Sportlern, die einem das Leben leichtmachen. Interviewt man Paul Accola, kommt es nicht auf die Fragen an. Er erledigt die Arbeit mit seinen Aussagen allein. Bis heute wird sein Interview von 1999 zitiert.

Er stand damals vor einer Fernsehkamera, als er fand, er müsse jetzt nur noch eins sagen: «Mit dem heutigen Tag fordere ich den Rücktritt von Josef Zenhäusern und Theo Nadig, und ich glaube, das ist im Sinn der ganzen Ski­nation Schweiz.» Zenhäusern war Direktor des Skiverbands, Nadig sein Alpinchef – und Paul Accola schon immer eine Stimmungskanone.

In diesem Januar, während der Rennen in Adelboden, erschien ein Interview mit Paul Accola. Seine Message an die Fahrer von heute war: «Heute werden nur noch Memmen gezüchtet.» Am Tag, an dem das Interview erschien, fuhr der beste Schweizer auf Rang 23.

Der andere Experte

Nun, an diesem WM-Tag in der Mixed Zone, galt es zu warten, bis Accola rüberkommen würde. Man hätte ihn gerne nach der heutigen Skijugend gefragt.

Die Legenden standen aber noch im Zielraum – der Speaker befragte sie, und so sprach Marc Girardelli, der schon am Abend davor einen Auftritt gehabt hatte. Er war am Montag zu Gast in der SRF-Sendung «Champiuns» von Steffi Buchli und hatte da die Lage rund um den neuen Weltmeister Luca Aerni eingeschätzt.

«Tolle Leistung von Lukas», sagte er. Die Präzision seiner Expertise war beeindruckend. Nun, im Ziel auf Salastrains, sagte er: «Es is a bisl wehmütig, dass die Österreicher nicht so viele Medaillen haben wie die Schweizer.» Das ist alles nur dank «Lukas Aerni», kann man da sagen.

Später kamen ein paar Fahrer in die Mixed Zone, Bernhard ­Russi, Bruno Kernen, Didier ­Cuche, Marco Büchel. Es war im Prinzip die Liste der­jenigen, die Co-Kommentatoren sind – oder es gerne werden würden.

Das Warten auf Accola lohnte sich nicht, er kam nicht mehr ­rüber. Je länger es dauerte, desto logischer erschien einem das. Die Schweizer feiern schliesslich in diesen Tagen. Paul Accola ist der präzise Experte des Misserfolgs.

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