Kindertennis und ein zerknüllter Check – die 6 besten Final-Szenen

Tennis ist Nervensache und Spektakel: Warum Novak Djokovic einen Ball nur noch zurückschob und wie der spektakulärste Punkt endete.

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Matthias Chapman@matthiaschapman

Nirgends auf der Tour ist die Stimmung im Stadion impulsiver als in New York: Spektakuläre Punkte quittiert das Publikum mit tosendem Applaus, Schreien und knisternder Stimmung.

1. Spektakel – und das Publikum tobt So war es auch im Tiebreak des ersten Satzes. Wawrinka hatte soeben einen Break-Rückstand wettgemacht und die Rettung in die Verlängerung geschafft, schon lag er wieder mit Minibreak zurück. Beim Stand von 2:0 für Novak Djokovic kam es zum spektakulärsten Ballwechsel des diesjährigen US-Open-Finals. Nach einem langen Ballwechsel versuchte der Serbe den Schweizer zu lobben. Die List gelang nicht, und Stan machte den Punkt.

Ein Ballwechsel zum geniessen: Wawrinka und Djokovic zeigen, warum Tennis so attraktiv ist.

2. Sind wir im Kindertennis? Zum kuriosesten Punkt kam es beim Stand von 3:1 für Stan im dritten Satz. Es stand 40:40 bei Aufschlag Wawrinka, als der Serbe einen Ball, der auf der Grundlinie landete, wie im Kindertennis einfach zurückschob. So, als hätte er keine Lust mehr zu spielen. Solche Szenen kennen wir von Gaël Monfils oder Nick Kyrgios. Djokovic war wohl leicht genervt, weil Wawrinka schlicht jeden Ball zurückspielte, egal wie gut er platziert war. Detail am Rande: Diesen Ball verlor Wawrinka trotzdem, er flog ins Aus.

Also bitte, was ist denn hier los? Djokovic spielt den Ball in Monfils-Manier zurück – Stan lässt sich prompt überraschen.

3. Wawrinka wütend, Nole sagt Sorry Als der Wawrinka-Schnellzug kaum noch zu bremsen war, nahm Novak Djokovic ein Medical Time-out. Er hatte Probleme mit einer Zehe. Der Schweizer führte im vierten Satz, zeigte sich jetzt aber nicht gerade sportlich. Wütend sagte er zu Djokovic, er hätte sich vorher behandeln lassen sollen. Rührend war die Reaktion des Serben: «Stan, sorry, aber ich konnte kaum mehr stehen.»

Psychospielchen gehören dazu: Wawrinka setzt Nole unter Druck, dieser versucht zu erklären.

4. Der Matchpoint Bei den meisten Tennisprofis kommt bei den Matchpoints die zittrige Hand, die Nervosität steigt ins Unermessliche, es passieren oft nochmals ein paar Fehler, bevor das Spiel entschieden ist. Nicht so bei Stan Wawrinka: Bereits sein zweiter Matchball bedeutet die Entscheidung. Als sei es die normalste Sache der Welt. Und wo sich andere auf den Boden werfen, vor Freude toben oder sonst irgendwie eine Show auf Lager haben, bleibt Wawrinka einfach cool. Als würde er sich über den Titel gar nicht freuen. Diesen feiert er wohl im Stillen.

Nach knapp vier Stunden ist es so weit: Wawrinka verwertet den zweiten Matchball.

5. Ein zerknüllter Millionencheck Die witzigste Szene spielt sich bei der Siegerehrung ab: Mit Pomp werden die Spieler gefeiert, mit grossen Worten wird der Megacheck angekündigt, den Stan für den Titel in Flushing Meadows erhält. Es sind 3,5 Millionen Dollar. So viel wie noch nie an einem Tennisturnier. Das Stück Papier wechselt in die Hand des Romands – und was tut er? Stan faltet das Stück, ja es sieht fast so aus, als würde er es zerknüllen, und steckt den Check in die Tasche seiner Tennishose. Als sei es ein Schnupftuch. Irgendwie passend zu Wawrinka.

Schwups und weg! Wawrinka lässt den 3,5-Millionen-Check in seiner verschwitzten Tennishose verschwinden.

6. Langer Gang in die Box Rührend ist schliesslich sein Gang in die Box, wo Coach, Freundin und Familie warten. Während andere auf Stühle stehen, Hochsprünge machen oder sich hochziehen lassen, macht sich Stan auf den langen Marsch durch die Ränge. Er nimmt sich dabei alle Zeit, die er hat – keine Eile, kein Stress. Stan wirkt in diesen Tagen wie von einer anderen Welt.

Stan Wawrinka sucht sich einen Weg durch die Zuschauerränge, um seinen Coach und die Freundin zu umarmen.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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